16.09.2019 - 10:40 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Therapie für schwerstbehindertes Mädchen erfolgreich

Es klingt wie im Roman: Aus einem Kind mit schwersten Hirnverletzungen, das weder gehen noch sitzen konnte, wurde nach einer mehrjährigen Behandlung im SPZ Weiden ein Schulkind in einer Integrationsklasse.

Najla liebt das Bobby-Car. Ihre Mutter Elma (kniend) und SPZ-Chefärztin Dr. Susanne Rinnert freuen sich über die gesundheitlichen Fortschritte des Mädchens.
von Siegfried BühnerProfil

Die heutige Situation der schwerstbehinderten achtjährigen Najla hätte sich ihre Mutter noch vor wenigen Jahren nicht einmal im Traum vorstellen können. Ab sofort besucht Najla eine Integrationsklasse im HPZ Irchenrieth. „Ich kann jetzt richtig Mama sein“, sagt ihre Mutter Elma. Die gesundheitlichen Fortschritte verdankt das Mädchen ihrer außergewöhnlich aktiv kämpfenden Mutter und der mehr als zweijährigen Behandlung im Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) am Klinikum Weiden.

Dabei hätte die Ausgangslage vor wenigen Jahren kaum schwieriger sein können. Najla überlebte als drei Monate altes Kind einen Unfall in einem Haus in Bosnien mit schwersten Hirnverletzungen nur ganz knapp. Ihre Schwester verstarb durch dieses Ereignis. Ohne ausreichende ärztliche Versorgung konnte die alleinstehende Mutter in Bosnien bis vor drei Jahren gerade einmal nur das Leben ihrer weitgehend bewegungsunfähigen Tochter aufrechterhalten. Auch Schlafen konnte das Kind aufgrund seiner Behinderung nur sehr schlecht.

Ein Zufall leitete den ersten Schritt der positiven Entwicklung ein. Die eigentlich nur auf Entwicklungsunterstützung und Katastropheneinsätze ausgerichtete deutsche Hilfsorganisation Humedica wurde auf das Mädchen aufmerksam und finanzierte einen dreimonatigen Behandlungsaufenthalt im SPZ in Weiden. Ein Behandlungskonzept wurde begonnen, erste Fortschritte stellten sich ein, doch nach drei Monaten mussten Tochter und Mutter wieder nach Bosnien zurückkehren.

Richtig helfen können hätte nur eine langjährige, regelmäßige und umfassende Behandlung im SPZ. Doch als ausgebildete Kriminalbeamtin im Nicht-EU-Land Bosnien hatte Mutter Elma keinerlei Chancen für einen Arbeitsplatz in Deutschland. Doch die Mutter gab nicht auf, lernte in Bosnien Deutsch bis zum Niveau B1 und absolvierte dort auch eine Pflegeausbildung. Vor zwei Jahren gelang der Sprung nach Deutschland, schließlich sind Pflegekräfte ein Mangelberuf. Rasch war ein Arbeitsplatz als Stationshelferin in einem Alten- und Pflegeheim in Weiden gefunden und die Behandlung im SPZ konnte systematisch weitergeführt werden.

„Seit Dienstag ist Najla ein Schulkind“, strahlt ihre Mutter. Im HPZ in Irchenrieth besucht das Mädchen eine Integrationsklasse. Mutter und Therapeuten versprechen sich weitere Fortschritte. Doch schon jetzt zeigt sich, dass die umfassende Behandlung im SPZ große Wirkung erzielt hat. Auch eine Hüftoperation war stabilisierend. „Am deutlichsten sind die Fortschritte in der geistigen Leistungsfähigkeit und dem Sprachverständnis zu beobachten“, sagt SPZ-Chefärztin Dr. Susanne Rinnert über Najla. Längst kann das Mädchen stabil sitzen und kann sich mit dem Gehtrainer alleine fortbewegen. Ihr Lieblingsspielzeug ist ein Bobby-Car. „Najla ist für uns kein Ausnahmekind, sondern ein klassisches SPZ-Kind“, bemerkt Dr. Rinnert.

Ein interdisziplinäres Team aus Medizinern, Psychologen, Ergotherapeuten, Logopäden, Physiotherapeuten und einem Case-Management hat sich um Najla gekümmert. In Fallkonferenzen, an denen auch Behörden und beteiligte Einrichtungen einbezogen sind, wurde der Fall besprochen. In der Mehrbereichsdiagnostik konnte auch das gesamte Lebensumfeld der kleinen Patientin einbezogen werden. Eine regelmäßige medikamentöse Therapie unterstützte die Behandlung. Dabei wurde auch eng mit der Kinderklinik zusammengearbeitet. Und Mutter Elma schmiedet schon berufliche Zukunftspläne. „Ich möchte die Altenpflegeausbildung komplettieren und danach Wundmanagerin werden“.

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