13.11.2018 - 18:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"In der Trauer ist alles okay"

Jeder Mensch wird im Laufe seines Lebens mit Trauer konfrontiert. Und jeder geht anders damit um. Am Freitag veranstaltet die katholische Jugendhilfe in der Michaelskirche einen offenen Trauerabend.

Beim offenen Abend für Trauernde sind alle herzlich Willkommen, sagen Anna Träger, Martina Troidl (Mitte), kirchliche Jugendreferentin an der katholischen Jugendstelle Weiden und Andreas Scheidler, Dekanatsbeauftragter für Jugend.
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

"Trauer ist ein individueller Vorgang", sagt Martina Troidl, kirchliche Jugendreferentin an der katholischen Jugendstelle Weiden. Am Freitag sind zwischen 18 und 22 Uhr sind alle eingeladen, die Unterstützung suchen - in welcher Form auch immer.

ONETZ: Worum geht es an diesem Tag?

Martina Troidl: "I denk an di" ist ein offener Abend für Trauernde. Alle die sich angesprochen fühlen, sind herzlich in die Michaelskirche eingeladen, unabhängig von Alter und Grund der Trauer. Ob Todesfall, Trennung oder andere Ursachen. Für uns ist es auch nicht relevant, wie lange der Verlust zurückliegt. Und: Dieser Abend ist eine ökumenische Veranstaltung - alle sind eingeladen.

ONETZ: Wie läuft der Abend ab?

Martina Troidl: Wir wollen den unterschiedlichsten Formen von Trauer Raum bieten. Die Gäste können bei uns loslassen, Trost finden, erinnern, klagen oder hoffen. Das kann auf verschiedene Arten geschehen: kreativ. In Stille. Aktiv. Man kann sich zurückziehen. Musik hören oder auch mitsingen. Persönliche Gespräche führen oder für sich allein sein. Es werden viele Möglichkeiten angeboten. Dabei kann jeder frei entscheiden, was man nutzen, wann man kommen und wie lange man bleiben möchte. Letztes Jahr hatte wir etwa 150 Besucher.

ONETZ: Was empfehlen Sie trauernden Menschen?

Martina Troidl: Trauer ist zunächst einmal eine ganz natürliche Reaktion: ein Gefühl von Verlust und Schmerz. Ich glaube, es ist wichtig, jemanden zu haben, der die Trauer aushält und begleitet. Trauer ist normal, kann sich aber verfestigen und etwa zu Depressionen führen. Wenn Freunde und Bekannte überfordert sind, sollte man sich jemanden suchen, der den Trauerprozess begleiten kann, zum Beispiel einen Seelsorger. Schade ist es, wenn jemand den Schmerz in sich hineinfrisst und sich nicht traut, sich an jemanden zu wenden.

ONETZ: Wie gehen Menschen normalerweise mit Trauer um?

Martina Troidl: Alles ist normal. Trauer ist ein individueller Prozess, den jeder anders erlebt. Manche trauern eher still, andere wiederum laut. Manche ziehen sich zurück, andere gehen auf Partys. Alles ist okay, es sollte nur keine Flucht werden. Natürlich gibt es verschiedene Phasen innerhalb des Trauerprozesses: In einem Moment ist man fröhlich, dann wieder deprimiert.

ONETZ: Welche Emotionen sind in St. Michael erlaubt?

Martina Troidl: An diesem Abend sind alle Trauerformen möglich. Man kann sich auch einfach nur reinsetzen und die Atmosphäre auf sich wirken lassen. Oder konkret mit anderen über den Schmerz und Verlust sprechen. Uns geht es bei diesem Angebot darum, den Menschen dabei zu helfen, ihren Verlust zu verarbeiten.

Andreas Scheidler, Dekanatsbeauftragter für Jugend:

Nicht verarbeitete Trauer kann zu Depressionen führen. Ich frage mich: Kann man Trauer abschließen? Es geht um Verarbeitung. Man muss den Prozess der Trau durchgehen. Trauer ist wichtig. Man sollte sie zulassen, um dann den Weg in den Alltag zu finden. Das braucht Zeit.

Anna Träger, Praktikantin bei der katholischen Jugendstelle:

Wir laden herzlich dazu ein, schon im Vorfeld eine Nachricht per SMS oder WhatsApp an die Nummer 0160 89 24 941 zu schicken mit dem Namen eines Verstorbenen oder auch mit einem persönlichen Satz. Diese Namen und Gedanken projizieren wir dann mit einem Beamer an die Wand, um damit auf besondere Weise etwa an Verstorbene zu erinnern.

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