Weiden in der Oberpfalz
22.09.2023 - 15:32 Uhr

Trauer um Hans Sebald

Er hat der Stadt Glanz verliehen: Juwelier Hans Sebald war über Jahrzehnte eine Institution im Weidener Einzelhandel. Nun ist er mit 93 Jahren gestorben.

Hans Sebald. Bild: Stefanie Sebald
Hans Sebald.

Der Chef persönlich hält der Kundin, die gerade das Geschäft verlässt, die Tür auf und verabschiedet sie namentlich. Alte Schule, die eine von Marketing-Gurus propagierte "Costumer Journey" kaum toppen kann. Extreme Kundenorientierung eben. Hans Sebald hat sie seit den 1950er Jahren als Juwelier und Uhrmacher vorgelebt, selbst noch als er sein Geschäft am Oberen Markt 2005 längst an Sohn Michael übergeben hatte.

Der Junior und die Tochter, Ehefrau Iris, der Seniorchef, Schwiegertochter Stefanie und zuletzt fünf Angestellte, die ebenfalls Jahrzehnte mitmachen, haben der Firma Sebald das Gütesiegel Familienbetrieb fein eingraviert.

Dabei wollte der Senior eigentlich nicht Schmuckhändler werden. Am 7. Juli 1930 in Weiden geboren, strebte er nach der Oberschule ein Architekturstudium an, doch der Krieg brachte alles durcheinander. Vor allem das Leben seiner Tante, deren Mann von der Front nicht mehr zurückkam. Allein wollte sie das Geschäft Uhren-Glötzner in der Sedanstraße nicht führen, also beschloss die Familie: Hans muss es machen. So kam es auch. Hans Sebald stieg nach Lehrjahren in Regensburg und München bei Uhren-Glötzner ein. "Er träumte jedoch immer von etwas Eigenem", sagt Sohn Michael.

1977 war es soweit. Die Sebalds kauften das Haus an der Ecke Oberer Markt/Judengasse und richteten es zwei Jahre unter extremen Anstrengungen und Denkmalschutzauflagen her. 1980 war Eröffnung. Heute macht die zweite Generation da weiter, wo die Eltern aufgehört haben. Bei Beratung für Trauringe und Uhren, Modeschmuck und Gold.

Bis 1992 führte Hans Sebald parallel auch noch Uhren-Glötzner weiter, zeitweise mit 17 Mitarbeitern. Die Zeit zum Motorrad- und Skifahren, für ein Tennismatch oder einen Abend im Alpenverein war knapp. Erst der Kunde und die Mitarbeiter, dann die Entspannung, so sein Credo. Zusammen mit seiner Iris genoss er auch gern ein paar ruhige Tage in Lignano an der Adria. All das bleibt in guter Erinnerung. Am Dienstag hörte Hans Sebalds Herz auf zu schlagen.

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.