19.03.2019 - 16:07 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Tropische Zecke eingeschleppt

Die Hyalomma-Zecke ist besonders fies. Denn sie lauert nicht wie unser heimischer Holzbock über Wochen auf einen Wirt, sondern begibt sich aktiv auf die Jagd.

Bis zu dreimal so groß wie ihr europäischer Verwandter, der gemeine Holzbock (links das Männchen, in der Mitte das Weibchen) ist die tropische Zecke Hyalomma (rechts).
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Im Oktober hat so ein Spinnentier bei einem Pferd in Gaisheim, Landkreis Amberg-Sulzbach, zugestochen (Oberpfalz-Medien berichteten). Im Raum Weiden wurde bisher noch keine Hyalomma-Zecke gemeldet. Trotzdem ist es sinnvoll, die Augen auf zu halten.

Denn sobald es wärmer wird und es Mensch und Tier wieder stärker in die Natur drängt, steigt auch die Gefahr, sich ein derartiges Tier einzufangen. Und das kann bekanntermaßen böse Folgen haben. Die heimischen Arten können Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Die Hyalomma-Zecken gefährliche Krankheiten, wie Fleckfieber oder das Krim-Kongo Hämorrhagische Fieber. Eine Viruserkrankung, die zu erhöhter Blutungsneigung und in seltenen Fällen sogar zum Tod führen kann. Im Gegensatz zu FSME ist hier keine vorbeugende Impfung möglich.

Insgesamt ist das Risiko einer Infektion durch Hyalomma-Zecken in unseren Breiten aber verschwindend gering, betont Dr. Thomas Holtmeier vom Gesundheitsamt Weiden-Neustadt. Seit 2001 wurden in der gesamten Bundesrepublik nur fünf Fälle von Fleckfieber bekannt sowie zwei Fälle des Krim-Kongo-Hämorrhagischen Fiebers (beide 2009), verweist er auf Zahlen des Robert-Koch-Institutes. Beide Krankheiten sind meldepflichtig. Dabei sei es durchaus möglich, dass die Krankheiten importiert wurden - sprich, dass die Betroffenen im Ausland infiziert wurden.

36 in Deutschland entdeckte Hyalomma-Zecken sind der Universität Hohenheim bisher bekannt, die in diesem Bereich eng mit dem Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr und der Tierärztlichen Hochschule in Hannover zusammenarbeitet. "Bei den Untersuchungen wurde noch nie das Virus entdeckt, das das Krim-Kongo Hämorrhagische Fieber auslösen kann", betont Professor Ute Mackenstedt vom Institut für Zoologie der Uni Hohenheim. Außerdem hätten nur wenige Erreger des tropischen Fleckfiebers in sich getragen.

"Man vermutet, dass einzelne dieser Zecken mit Vögeln zu uns gekommen sind", sagt Holtmeier. Als Lebensraum dieser Spinnentiere gelten Afrika, Asien und Südeuropa. Im super Sommer 2018 wurden die tropischen Zecken in Deutschland häufiger gefunden als je zuvor, wissen die Experten von der Uni Hohenheim. Erst die nächsten Jahre würden zeigen, ob sie sich dauerhaft in Deutschland ansiedeln können.

Die tropische Zecke ist etwa doppelt so groß wie der heimische Holzbock. Durch ihre Größe und die deutlich gestreiften Beine dürfte das Spinnentier durchaus auffallen, meint Dr. Holtmeier. Die Meldungen könnten also zunehmen, wenn die Menschen dafür sensibilisiert sind. Als Schutz empfiehlt er, hohes Gras zu meiden sowie lange Hosen und andere Kleidung, die den Körper möglichst gut bedeckt. "Das gilt für Hyalomma-Zecken genauso wie für alle anderen."

Aufruf der Universität Hohenheim::

Auffällige Zecken einsenden

„Wir sind auf Hilfe angewiesen, weil die Hyalomma-Zecken Jagdzecken sind und deshalb ein anderes Verhalten haben als unsere heimischen Zecken“, erklärt Professor Ute Mackenstedt. Die Universität hat deshalb einen Aufruf gestartet und bittet darum, große Zecken mit auffällig gemusterten Beinen einzuschicken. Die Experten wollen sich so einen besseren Überblick verschaffen, wie weit verbreitet die tropischen Spinnentiere bereits sind und in welchen Regionen.

Tiere sollten an die Universität Hohenheim gesandt werden, Fachgebiet Parasitologie, Emil-Wolff-Straße 34, 70599 Stuttgart. Für Bilder von auffälligen Zecken steht die Adresse tropenzecken[at]uni-.hohenheim[dot]de zur Verfügung. (ps)

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.