Weiden in der Oberpfalz
27.06.2018 - 15:54 Uhr

Turnschuh-Dieb erinnert sich nicht

Mit gestohlenen Turnschuhen in der Hand gibt ein Dieb Fersengeld. Aufmerksame Passanten stellen ihn. Daraufhin dreht er durch.

Prozess Volker Hartmann/dpa
Prozess

(rns) Mit einem in der Max- Reger-Straße gestohlenen Paar billiger Turnschuhe in der Hand suchte ein 33-Jähriger Anfang des Jahres das Weite. Als beim Verlassen des Geschäfts der Diebstahlsalarm ertönte, nahm ein 53-Jähriger, der es gerade betreten wollte, die Verfolgung auf. Zusammen mit weiteren Passanten gelang es, den Dieb in der Johannisstraße zu stoppen. Dieser wehrte sich mit Händen und Füßen dagegen, aufgehalten zu werden. Mit übelsten Ausdrücken bedachte er den Industriemechaniker und einen weiteren jungen Mann, die ihn festhielten. Erst zwei Arbeiter von einer nahen Baustelle, die den Tumult bemerkten, konnten den Wüterich unter Kontrolle bringen, während die Anderen die Polizei benachrichtigten.

Auch sie und später die Polizeibeamten bekamen deftigste Ausdrücke und Bedrohungen zu hören. Sie und ihre Familien werde er vergewaltigen und töten. Zudem wolle er die Passanten und Polizisten mit Hepatitis C infizieren, kündigte der in Weiden lebende Kirgise an. Tatsächlich leidet der Mann an der Infektionskrankheit und hatte versucht, die Männer, die ihn festgehalten hatten, zu kratzen und auf die Wunden zu spucken.

Neben diesen Passanten berichteten die Polizisten am Dienstag vor dem Schöffengericht, wie sich der Mann damals aufgeführt hatte. Noch im Polizeiauto hatte er um sich getreten, gespuckt, geschlagen und versucht, einem Beamten einen Kopfstoß zu verpassen. Ein Kumpan, der dem Dieb zwischenzeitlich zu Hilfe gekommen war und den die Handwerker nur mit Mühe hatten abwehren können, hatte sich beim Eintreffen der Polizei verdrückt. In der Arrestzelle der Polizeiinspektion tobte der neun Mal - davon sechs Mal wegen Rauschgiftdelikten - Vorbestrafte weiter. Er setzte die Zelle unter Wasser, riss Fliesen heraus und zerbiss eine Wolldecke. Diesen Schaden hat der von Rechtsanwalt Hans-Wolfgang Schnupfhagn vertretene Angeklagte inzwischen beglichen.

Er entschuldigte sich für den Vorfall damit, dass sein Vater, nach langem Leiden, wenige Tage zuvor verstorben war und er sich deshalb nach langer Abstinenz einen Heroin-Schuss gesetzt habe. Er könne sich fast an nichts mehr erinnern. Auch, was er mit den Turnschuhen für 27,90 Euro gewollt hätte, konnte sich der Vater zweier Kinder nicht vorstellen. Er habe zahlreiche hochwertigere Turnschuhe daheim. Staatsanwältin Franziska Paintner hielt dem Angeklagten sein Geständnis zugute, forderte aber angesichts der Latte an Vorstrafen ein Jahr und neun Monate Freiheitsstrafe. Verteidiger Schnupfhagn wies darauf hin, dass sein Mandant Schuldeinsicht und Reue gezeigt, sowie bereits fünf Monate U- Haft erlitten habe. Er hielt 15 Monate für ausreichend. Richter Alexander Wedlich und die Schöffen verurteilten den zuletzt Arbeitslosen zu zwei Jahren und fünf Monaten. Zugleich wiesen sie ihn, gemäß der Empfehlung von Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder, zur Drogentherapie in eine geschlossene Einrichtung ein.


 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.