17.06.2020 - 17:52 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Umfrage in Weiden: Nutzen Sie die Corona-App?

Seit Dienstag steht die Corona-App zum Download bereit. Durch sie sollen sich Smartphone-Nutzer informieren können, ob sie Kontakt zu Infizierten hatten. Die Meinungen in Weiden und im Landkreis Neustadt/WN sind ziemlich eindeutig.

Franziska Scheidler.
von Stefan NeidlProfil

Franziska Scheidler (30)

Die 30-jährige Franziska Scheidler will sich die Corona-App aufs Handy laden. Gerade wegen ihrer Familie: Ihre Mutter hat eine chronische Lungenerkrankung und gehört damit zu einer Risikogruppe. Außerdem will die Industriekauffrau „up to date bleiben“: „Ich möchte so früh wie möglich wieder ins Handballtraining einsteigen und dafür können die Infos der App nützlich sein.“

Larissa Michl (22)

Larissa Michl.

Vor allem wegen des Datenschutzes hat Larissa Michl Bedenken. Sie will sich die App nicht holen. „Willkommen im Kontrollstaat!“ Da ein Download der App für die duale Studentin nicht infrage kommt, hat sie sich auch nicht damit beschäftigt. So ganz traut sie der Panik um Corona mittlerweile ohnehin nicht mehr. Die Infektionszahlen gehen zurück und die Lockerungen würden immer mehr.

Eugen Schmidt (59)

Eugen Schmidt.

Der Regierungsbeamte in der Gemeinschaftsunterkunft Weiden wird keinen Download der Corona-App vornehmen. Er stellt den Nutzen des Programms infrage. „Außerdem bin ich nicht der Handy-Typ“, sagt Eugen Schmidt. In der Unterkunft hätten sie selbst Fälle von Corona. Er würde ausreichende Tests vorziehen: „Viele haben die Krankheit und bemerken es nicht einmal.“ Da bringe auch eine App nichts.

Anita Heßler (50)

Anita Heßler.

Die dritte Bürgermeisterin von Grafenwöhr wird die App erst mal nicht runterladen. Sie will die weitere Entwicklung auf sich zukommen lassen, denn sie fühlt sich über Funktionsweise, Nutzen und Datenschutz schlecht informiert. Anita Heßler fürchtet um den Datenschutz und wofür ihre Informationen sonst genutzt werden könnten. „Heutzutage ist alles möglich, ob man da alles preisgeben sollte?“

Lukas Braun (22)

Lukas Braun.

„In Zeiten, in denen Datenschutz so groß geschrieben wird, will ich mein Bluetooth und die Standortfreigabe meines Handys nicht dauerhaft angeschaltet haben“, sagt Stadtratsmitglied Lukas Braun. Der Lebensmitteltechniker will die App nicht herunterladen. Der Grafenwöhrer kann sich nicht vorstellen, dass die App genau so funktionieren soll, wie sie beschrieben wird. Der 22-Jährige geht außerdem oft ohne sein Smartphone aus.

Josef Arnold (62)

Josef Arnold.

Der Grafenwöhrer will sich die App nicht holen. Er hält sie mehr für ein Spielzeug für Statistiker und traut ihr aus Datenschutzgründen nicht. Der Rentner fürchtet sogar Panik unter den Menschen, wenn „plötzlich der Alarm losgeht“. „Ob die Daten wirklich zuverlässig sind, weiß man nicht.“ Wenn sich die Regierung wirklich um ihre Bürger sorge, dann sollte sie sich mit der Dauerbestrahlung durch Handys befassen.

So funktioniert die Corona-Warn-App

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Kommentare

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Marco Schiener

Als Grafenwöhrer finde ich es sehr schade, solche Meinungen vor allem aus unserem Stadtrat zu hören, welcher mit gutem Beispiel voran gehen sollte.

Wenn man sich über die Funktionsweise, den Nutzen und den Datenschutz nicht informiert fühlt, dann sollte man sich meiner Meinung nach darüber einfach informieren! Es steht in der eigenen Schuld, mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu gehen und sich Informationen zu beschaffen. Wenn man sich damit nicht beschäftigt, kann man darüber nichts wissen. Es gibt durchaus auch nicht technische Erläuterungen zu all den von unserer 3. Bürgermeisterin bemängelten Punkten, welche ohne Fachkenntnisse einfach verständlich sind. Eine kurze Suche in der Suchmaschine der eigenen Wahl liefert ziemlich schnell das Corona Warn-App FAQ:

https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/corona-warn-app/corona-warn-app-faq-1758392

Und wenn man dafür keine Zeit hat, könnte man sich mit der Meinung von rennomierten Experten oder Verbänden, wie beispielsweise dem CCC, beschäftigen, welcher das Ergebnis übrigens lobt.

Wenn man viel Zeit mitbringt und vielleicht auch noch etwas Ahnung von der Materie hat, kann man auch den Quellcode öffentlich auf GitHub einsehen: https://github.com/corona-warn-app/cwa-documentation

Mehr Transparenz als die Veröffentlichung von jeder einzelnen Zeile Code geht nicht! Und mehr Lob als von angesehenen Experten und Verbänden in Bezug auf Datenschutz wird es auch nicht geben...

Ich finde, es ist fast schon eine Doppelmoral, wie unsere beiden interviewten Stadträte in solch einer Zeit sich zur sehr vorbildlich umgesetzten App äußern und gleichzeitig jedoch aktive Facebook-Accounts betreiben. Es scheint mir so, als fühlten sie sich bei Facebook entweder besser informiert oder bezüglich ihrer Daten im Ausland besser geschützt. Ich kann bei solch einem hohen Datenschutzdrang unserer Stadträte sicherlich davon ausgehen, dass auch schon der Standortverlauf von Google-Maps deaktiviert wurde, welcher ein exaktes Bewegungsprofil erstellen kann oder auch die sozialen Netzwerke in Bezug auf Datenschutz durchkonfiguriert wurden? Übrigens: Die Warn-App zeichnet nicht einmal den Standort auf. Sie speichert nur die Begegnung zwischen Personen - und das auch noch anonymisiert und dezentral auf dem eigenen Gerät.

Bei 65000 Softwareentwicklern, welche kleinstlich dem Design und der Funktionsweise der App nachgehen und Vorschläge zur Weiterentwicklung der App anbringen, entzieht es sich mir schlichtweg dem Verständnis, dem Bauchgefühl nach die eigene Desinformation öffentlich kundzutun. Solche Meinungen, vor allem aus Mandatsträgern eines Stadtrats, haben durchaus Einfluss auf die Bevölkerung. Meiner Meinung nach in diesem Fall einen negativen.

Ich weiß, dass ich nicht die Deutungshoheit über die eigene Meinung anderer Personen besitze, ich würde jedoch zumindest voraussetzen, sich ansatzweise mit der Materie auseinanderzusetzen, bevor man "seinen Senf dazugibt". Das könnte die eine oder andere Diskussion ersparen. Man kann die App gerne bemängeln. Dazu benötigt es jedoch zumindest ein grundlegendes Verständnis bzw. den Willen, sich damit zu beschäftigen. Experten sind sich bekannterweise ja auch nicht immer einig und das ist vollkommen legitim.

Diesem Defizit in Bezug auf Digitalverständnis möchte ich jedoch gerne entgegenwirken.

Da Informationssicherheit im Allgemeinen ziemlich komplex sein kann, biete ich den beiden interviewten Stadträten, wenn gewünscht auch gerne dem ganzen Grafenwöhrer Stadtrat, gerne an, zu bestimmten Themenschwerpunkten aus der IT kostenlos beratend zur Seite zu stehen. Als Informatiker im Innovationsbereich eines landesweit tätigen IT-Dienstleisters sehe ich mich dazu imstande, dem Grafenwöhrer Stadtrat ein technisch fundiertes Verständnis von digitalen Themen zu vermitteln.

Wenn Entscheidungen über digitale Themen, wie unter anderem das in Grafenwöhr geplante Ratsinformationssystem, auch auf solchen Wissensgrundlagen gefällt werden, sehe ich im wahrsten Sinne des Wortes leider schwarz.

18.06.2020