07.07.2019 - 10:16 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Uni befördert jungen Weidener Studenten zum Vizepräsidenten

Vier Professoren und ein Student leiten die Zeppelin-Universität in Friedrichshafen. Der Student ist gerade mal 23 Jahre alt – und ein gebürtiger Weidener: Fabian J. Zitzmann.

Amtswechsel in Friedrichshafen: Fabian J. Zitzmann (links) beerbt Josefine M. Meibert als studentischer Vizepräsident.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Vor zehn Jahren ließ die Zeppelin-Universität (ZU) in Friedrichshafen einen Versuchsballon steigen: Um Studenten ein gewichtiges Wort mitreden zu lassen, sollte einer von ihnen in die Führungsspitze aufrücken. Der studentische Vizepräsident, der jährlich wechselt, sei inzwischen "fixer und wichtiger Bestandteil und Impulsgeber der Institution", betont ZU-Präsidentin Prof. Dr. Insa Sjurts. Seit 1. Juli übt ein gebürtiger Weidener das Amt aus: Fabian J. Zitzmann.

Erst am vergangenen Montag hat der 23-Jährige sein eigenes Büro am Campus bezogen. Zuvor war es der Arbeitsplatz von Josefine Meibert, bei der sich ihr Nachfolger einen Monat lang eingearbeitet hat. Seit vier Jahren studiert Zitzmann zusammen mit mehr als 1000 Kommilitonen an der Stiftungshochschule am Bodensee Soziologie, Politik und Ökonomie im Bachelor-Studiengang. Immer wieder kehrt er in seinen Geburtsort Weiden zurück, um die Familie zu besuchen – sein Vater ist Sparkassen-Chef Ludwig Zitzmann. Der Filius ging in die Rehbühlschule und ins Kepler-Gymnasium. Nach einer Zwischenetappe in Regensburg machte er das Abitur in Stein an der Traun (Landkreis Traunstein). Die Note? "Durchaus gut." Zudem wurde er für sein schulisches Engagement mehrfach ausgezeichnet. Die Erkenntnis, dass Bildungsstätten nicht nur zum Pauken taugen, mündet noch heute in viele zusätzliche Aktivitäten. "Ich will das Umfeld, in dem ich lebe, gerne mitgestalten", sagt der 23-Jährige. An der Zeppelin-Universität ist Zitzmann unter anderem Beirat der "Student Lounge e. V.", die studentische Initiativen und Veranstaltungen fördert. Ferner war er Mitglied des Landesfachausschusses "Bildung und Wissenschaft" der FDP Baden-Württemberg und stellvertretender Vorsitzender für Programmatik im Landesverband der Liberalen Hochschulgruppe.

Und nun ist er also studentischer Vizepräsident. Ein seltenes Amt, das sich bisher nur eine Handvoll Universitäten in Deutschland leisten will. Und ein ungemein wertvolles, meint Zitzmann: "Die ZU bindet ihre Studierenden auf außergewöhnliche Weise in strategische und operative Entscheidungen mit ein. Die studentische Vizepräsidentschaft ist dabei ein Beleg für den hohen Anspruch der Institution an sich und ihre Studierenden. Leider ist dieses starke Instrument der studentischen Partizipation noch viel zu selten in der deutschen Hochschullandschaft vertreten." Vor zehn Jahren habe es als "mutiges Experiment" gegolten, bemerkt Chefin Sjurts, heute sei die studentische Perspektive in der Führung nicht mehr wegzudenken an der ZU. Neben der ZU leisten sich nur die Fachhochschule Potsdam, die Hochschule Eberswalde und die Uni Rostock studentische Vizepräsidenten. Friedrichshafen räumt dem Studentenvertreter laut Zitzmann allerdings weit mehr Kompetenzen ein. So hat er Budget- und Mitarbeiterverantwortung.

Der 23-Jährige musste sich in drei Bewerbungsrunden bewähren, bevor ihn in der vierten der Senat wählte. Nun ist er hauptamtliches und vollwertiges Mitglied des fünfköpfigen Präsidiums. Zu dessen Aufgaben zählen die strategische Strukturplanung sowie die Qualitätssicherung. Zitzmanns Ziele: "die Individualisierung, Internationalisierung und Digitalisierung der ZU ausbauen".

Und das ist ein Full-Time-Job, "so nebenbei studieren" geht nicht. Diese Karriere will Fabian Zitzmann nach seinem Präsidentschaftsjahr weiterverfolgen – indem er nach dem Bachelor den Master in Angriff nimmt. Konkrete berufliche Ziele hat er sich nicht vorgenommen. "Da möchte ich mich ungern festlegen. Im Leben wird es immer wieder Möglichkeiten geben." Denkbar sei "natürlich" auch eine politische Karriere. Zukunftsmusik. Als Vizepräsident der ZU hat er erstmal genug zu tun. Mit den Professoren im Führungsgremium verkehrt er auf Augenhöhe – aber ein solcher Umgang "ist eigentlich auch schon in der DNA dieser Universität verankert". Andere Hochschulen haben da Nachholbedarf. Die allermeisten sogar. Auch an einer bayerischen Universität wäre Zitzmann der Weg ins Präsidium verwehrt geblieben: Das hiesige Hochschulgesetz sieht eine derartige Mitwirkung von Studenten nicht vor. Noch nicht? "Ich hoffe natürlich, dass andere dem Beispiel der Zeppelin-Universität folgen."

Zeppelin-Universität als Vorreiter:

"Mutiges Experiment" wird ein Erfolg

Die Zeppelin-Universität in Friedrichshafen war Vorreiter. Vor zehn Jahren wagte sie es als erste Hochschule der Republik, einen studentischen Vizepräsidenten zu berufen. Damals habe es als "mutiges Experiment" gegolten, bemerkt Präsidentin Prof. Dr. Insa Sjurts, heute sei die studentische Perspektive in der Führung nicht mehr wegzudenken an der ZU. Fabian J. Zitzmann betont: "Die ZU bindet ihre Studierenden auf außergewöhnliche Weise in strategische und operative Entscheidungen mit ein. Die studentische Vizepräsidentschaft ist dabei ein Beleg für den hohen Anspruch der Institution an sich und ihre Studierenden. Leider ist dieses starke Instrument der studentischen Partizipation noch viel zu selten in der deutschen Hochschullandschaft vertreten."

Neben der ZU nutzen es nur die Fachhochschule Potsdam, die Hochschule Eberswalde und die Uni Rostock. Friedrichshafen räumt dem Studentenvertreter laut Zitzmann allerdings weit mehr Kompetenzen ein. So hat er Budget- und Mitarbeiterverantwortung.

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