14.09.2018 - 18:35 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Unterer Markt: "Den halben Tag lang nur tote Hose"

Die Weidener CSU-Fraktion klagt im Bauausschuss über die Umwandlung von Einzelhandelsflächen: Immer mehr Cafés und Kneipen lassen tagsüber Altstadt veröden

Leer gefegt. Besonders bei schlechtem Wetter haben Besucher am Unterer Markt sehr viel Platz.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

(wd) Die Wirte übernehmen zunehmend das Regiment in der Altstadt. Die Untere Markt ist bereits fest in ihrer Hand. Nun greifen sie auf den Oberen Markt. Das zumindest ist die Befürchtung der CSU-Stadtratsfraktion. So äußerten im Bau- und Planungsausschuss Alois Lukas und Markus Bäumler ihre ernsten Sorgen um die "schleichende Vergastronomisierung", bei der die Einzelhändler auf der Strecke zu bleiben drohten.

Anlass der Diskussion war am Donnerstag der Antrag zur Nutzungsänderung für das Anwesen Schulgasse 2 ("Leder Kaufmann"). Hier soll angeblich ein Restaurant mit Vinothek einziehen. Es fehlen zwar noch Detailpläne, barrierefrei erreichbare Toiletten und die Ablöse von acht Stellplätzen. Aber das Vorhaben ist grundsätzlich genehmigungsfähig, betonte Baudezernent Oliver Seidel. Übrigens: Auf der Süd- und Westseite des Oberen Marktes deutet sich ebenfalls die Umwandlung bisheriger Einzelhandelsflächen in gastronomische Betriebe an.

Nur am Abend Betrieb

Lukas und Bäumler erinnerten daran, dass bereits seit langem das Gesamtkonzept für die künftige Entwicklung der Altstadthäuser ausstehe. Es solle mit seinen Vorschlägen besonders den Einzelhandel stärken. Dies sei vor allem in Hinblick auf die Herausforderungen nötig, die mit der Eröffnung der Stadtgalerie zu bewältigen sind. Am Unteren Markt zeigten sich die Nachteile der überbordenden Belegung mit Cafés, Restaurants und Kneipen, so Lukas. "Den halben Tag lang nur tote Hose." Nur am Abend herrsche Betrieb - dann in Bayerns schönstem Straßencafé.

Nach der Nutzungsänderung komme sicherlich der Wunsch auf eine Außenbestuhlung am Oberen Markt, befürchteten die CSU-Stadträte weiter. Die Freiflächen würden damit immer kleiner. Dies habe sich ebenfalls schon am Unteren Markt gezeigt. Die Altstadt brauche jedoch Geschäfte, "die gesucht werden". Das Innenstadtkonzept müsse möglichst schnell vorgelegt und umgesetzt werden. "Es nutzt uns nichts mehr, wenn die Gastronomie bereits vorherrscht und tagsüber die Innenstadt entvölkert", betonte Lukas.

Eine völlig andere Sichtweise verdeutlichten jedoch SPD und Bürgerliste. Alles sei besser als Leerstand, stellte Stefan Rank (Bürgerliste) fest, Niemand wolle eine gewerberechtliche Diskussion führen. Die Gastronomen hätten durchaus ihre Berechtigung. "Und jede Zeit hat ihre Schwerpunkte und Erfordernisse." Bäumler widersprach: Niemand wolle Leerstand. Aber eine "Nutzung um jeden Preis" helfe der Innenstadt in der Gesamtschau auch nicht weiter. Deshalb sei das Gesamtkonzept zur Entwicklung der Innenstadt, über das seit zwei Jahren gesprochen werde, überfällig und im Sonderausschuss Innenstadt zu behandeln.

Hohe Mieten

Karlheinz Schell (SPD) bemerkte, dass die Wirte am Unteren Markt die Grenzen für die Außenbestuhlung einhielten. Nicht die Kaufleute, sondern die Wirte seien derzeit in der Lage, die geforderten Mieten auch zu erwirtschaften. Dies unterstrich auch Hildegard Ziegler, die sich deutlich äußerte: Die Nutzungsänderungen seien nach dem Baurecht zulässig. Wolle die Stadt eine Nutzung vorgeben, hätte sie eben das Haus in der Schulgasse erwerben müssen. Sie sehe zwar die ausufernde Außenbestuhlung in der Altstadt durchaus sehr kritisch. "Die Wirte sollten deshalb mit realistischem Blick sehen, was möglich ist." Es gebe aber keinen Anlass, beim vorliegenden Antrag ein Exempel zu statuieren. Die Sprecherin der SPD-Fraktion im Bauausschuss machte deutlich, dass sie von der Diskussion des Innenstadtkonzepts im nur beratend tätigen Sonderausschuss nicht begeistert sei.

Auch Veit Wagner (Grüne) sprach sich für die Nutzungsänderung aus. Alois Lukas, Hans Sperrer und Markus Bäumler blieben bei ihrem Nein.

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