24.09.2018 - 00:23 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Unwetter hinterlässt Spur der Verwüstung in Weiden

Der Spuk am Sonntagabend dauert gerade mal 15 Minuten. So lange fegt das Sturmtief "Fabienne" über Weiden und den Landkreis Neustadt. Es hinterlässt massive Schäden, die die Einsatzkräfte bis weit in die Nacht auf Trab halten. Verletzt hat sich aber niemand.

von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

(shl/mte) "Seit 18.30 Uhr gingen 278 Notrufe bei uns ein. Daraus ergaben sich 191 Einsätze", sagt Jürgen Meyer, stellvertretender Leiter der Integrierten Leitstelle Nordoberpfalz zweieinhalb Stunden nach dem der Sturm losgebrochen war. 112 Mal mussten die Feuerwehren, unterstützt vom Technischen Hilfswerk, im Landkreis Neustadt ausrücken. "Dort waren Mantel, Eschenbach und Grafenwöhr massiv betroffen." In Weiden galt es, 64 Einsätze zu bewältigen. Der Landkreis Tirschenreuth blieb mit nur 15 Einsätzen vom Sturmtief fast unberührt, sagt Meyer.

Baumstämme liegen quer über den Straßen, auf der B 22 bei Leuchtenberg gibt's kaum mehr ein Durchkommen. Schwer wird's auch auf der Staatsstraße zwischen Weiden und Mantel. Die A 93 in Fahrtrichtung Süden ist fast drei Stunden gesperrt, damit das Technische Hilfswerk die Bäume zuerst zwischen den Auffahrten Nord und West, später zwischen West und Süd kleinsägen kann. Entsprechend staut sich der Verkehr. Auch auf der Schiene stockt's. Die Bahnstrecke zwischen Weiden und Schwarzenbach ist mehrfach wegen Aufräumarbeiten gesperrt.

"Irre, wie viele Autos"

Zeitgleich gehen auch die Notrufe bei der Polizei Weiden ein. Vor allem Autobesitzer melden Schäden, sagt Dienstgruppenleiter Klaus Dockter. "Ja, es ist irre, wie viele Autos betroffen sind", bestätigt Meyer von der ILS. So hebelte der Sturm in der Jahnstraße eine haushohe Tanne samt Wurzelwerk aus. Sie fiel gleich auf mehrere Wagen. Allein im Schätzlerbad knicken 50 Bäume um. Überall auf den Straßen zeugt der Blätter- und Ästeteppich vom Unwetter. Die ersten Kehrmaschinen rücken bereits in der Nacht aus, um das Gröbste zu beseitigen.

Ohne Strom und Telefon

Die Wucht von "Fabienne" zeigt sich auch in abgedeckten Dächern, etwa in der Waterloostraße und bei der Bundeskasse in der Moosbürger Straße in Weiden sowie in Waidhaus und Grafenwöhr. "Ein Geräteschuppen eines Kinderspielplatzes wurde herumgewirbelt", sagt Meyer. Ein Trampolin liegt am Gehweg. Viele Haushalte sind ohne Telefon. Gespenstisch schwarz sind manche Straßenzüge, hinter Fenstern flackert Kerzenlicht. "Teile Weidens haben keinen Strom. Das reicht vom Hammerweg über die Mooslohe und den Rehbühl bis Neunkirchen", weiß Stadtbrandrat Richard Schieder, der neben der Feuerwehr Weiden auch die Ortsteilwehren koordiniert.

Mit sechs Streifen rücken die Polizeiinspektionen Weiden, Neustadt und die Verkehrspolizei Weiden aus. Sie unterstützen die Feuerwehr, die vielen umgewehten Warnbarken an Baustellen und Verkehrsschilder aufzustellen, nehmen aber auch Unfälle auf. Auch Teile des Baugerüsts am Noc stürzen um. "Am Montag werden wir erst eine endgültige Schadensbilanz ziehen können", sagt Meyer. "Ich vermute bis dann sind es weit über 200 Einsätze."

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