14.03.2019 - 17:13 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Verbraucherzentrale warnt vor Identitätsdiebstahl

Vermeintliche Facebook-Freunde, die fremde Daten für eigene Einkäufe abgreifen: „Identitätsdiebstahl“ heißt diese Masche. Wie man sich davor schützen kann, wissen Elisabeth Graml von der Verbraucherzentrale und Polizist Dieter Melzner.

Die eigenen Daten im Internet schützen: Wie das geht, verraten Elisabeth Graml von der Verbraucherzentrale und Kriminalhauptmeister Dieter Melzner zum heutigen Weltverbrauchertag.
von Stefan NeidlProfil

Zwei Mitteilungen über Facebook, und schnell waren 40 Euro weg. Elisabeth Graml, Fachberaterin für Verbraucherfragen, betreut den Fall aus Weiden aktuell selbst: Über Facebook fragte ein Freund den Mann nach der Handynummer. Nachdem er sie verraten hatte, erhielt sein Handy eine SMS von einer unbekannten Nummer mit einem merkwürdigen Code. Diesen wollte der Facebook-Freund auch noch haben. Naiv leitete der Empfänger diesen an ihn weiter.

Der Code war eine TAN vom Mobilfunkanbieter zum Einkaufen über die Handyrechnung per "Mobile Billing". Der vermeintliche Freund hatte mit Hilfe von Handynummer und der Tan alles bekommen, was er zum online shoppen brauchte. Somit kaufte er auf Rechnung des Weideners ein. Das Geld war weg. Nachforschungen ergaben, dass der Facebook-Account gehackt worden war – ein Wildfremder hat sich der Social-Media-Freundschaft bedient.

Kein ungewöhnlicher Vorgang in einer digitalen Welt. "Vieles spielt sich über das Internet ab, die Betrugsmöglichkeiten sind dementsprechend groß", erklärt die Verbraucherschützerin. Neben dem "Mobile Billing" ist "Phishing" immer noch eine große Gefahr: Per E-Mail erhält der User eine Zahlungserinnerung oder ein Sonderangebot. Die weiterführende Webseite ahmt das Aussehen eines bekannten Anbieters nach. Beim Besuch der falschen Webseite wird der Nutzer aufgefordert, Zugangsdaten anzugeben - und liefert so Kriminellen seine Daten, die diese für ihre Zwecke verwenden.

Passwort richtig wählen

"Früher waren diese Seiten eher stümperhaft gestaltet und damit leicht zu erkennen. Heute sehen sie richtig authentisch aus", warnt Graml. Zum Schutz sei es wichtig, diese Phishing-Seiten zu erkennen. Außerdem ist ein sicheres Passwort unumgänglich. "123456 ist das am häufigsten gewählte Passwort in Deutschland", weiß die Expertin. Sie empfiehlt eine kryptische Schreibweise: mindestens zehn Zeichen lang, Groß- und Kleinschreibung abwechselnd, Sonderzeichen und in keinem Wörterbuch auffindbar.

Für jede Seite sollte der Verbraucher ein eigenes Passwort haben. Im Idealfall verwendet er einen Kryptonizer, eine Hilfe zur Verschlüsselung des gewünschten Passworts. Sollte jemand doch den Verdacht haben, Opfer von Internet-Betrügern zu sein, gilt es schnell zu handeln: bei Anbieter informieren, Konto sperren, Strafanzeige stellen.

200 Fälle im Jahr 2018

Kriminalhauptmeister Dieter Melzner kennt die Masche der Cyber-Kriminellen: "Oft werden nur Kleinbeträge abgebucht. Die bemerken oder interessieren die Leute erst einmal gar nicht. Aber 100 000 mal 5 Euro macht auch eine halbe Million." Die Arbeit erledigt der Computer.

Ein Betroffener kann überall Anzeige stellen. 2018 gab es in der nördlichen Oberpfalz knapp 200 Strafanträge wegen Identitätsdiebstahl. Die Dunkelziffer sei vermutlich ungleich höher. Die Ermittlung der Urheber ist schwierig, die Aufklärungsquote gering. Dennoch sollte keiner den Weg zur Polizei scheuen. So tat es auch der geprellte Facebook-Nutzer, der nun auf einen Ermittlungserfolg und auf ein Wiedersehen mit seinem Geld hofft.

Ein solcher Kryptonizer hilft bei der Verschlüsselung des Passworts und ist beispielsweise bei der Verbraucherzentrale zu haben.
Informationen zum Thema Identitätsklau im Internet:

Das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik (BSI) bietet ausführliche Tipps zur Auswahl eines sicheren Passworts:

https://www.bsi-fuer-buerger.de/BSIFB/DE/Empfehlungen/Passwoerter/passwo...

Die Verbraucherzentrale unterhält eine Datenbank mit aktuellen Phishing-Seiten:

https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/digitale-welt/phishingradar/ph...

Die Verbraucherzentrale Weiden veranstaltet dazu einen Info-Abend am Mittwoch, dem 27. März, um 18 Uhr im Studio L der Regionalbibliothek.

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