10.09.2019 - 16:06 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Der vergessene Radweg – oder: Warum der Bürgersteig in der Dr.-Pfleger-Straße so breit ist

Nur für wenige Tage gab es von mehr als drei Jahrzehnten schon mal einen Radweg in der Dr.-Pfleger-Straße. Ein Planungsfehler ließ ihn schnell zum Bürgersteig werden.

Der Bürgersteig (Mitte) war mal als Radlweg geplant und gebaut. Er ist immer noch asphaltiert, während der ursprüngliche Fußgängerbereich gepflastert ist. Als Radweg dürfte er aufgrund seiner geringen Breite heute auch nicht mehr ausgewiesen werden. Rechts daneben der neu abmarkierte Radlerschutzstreifen.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Hier war doch schon mal so was ..., sinniert der ältere Herr. Und er glaubt, sich daran erinnern zu können, dass in der Dr.-Pfleger-Straße in Weiden, zwischen "Carlson" und "K+L Ruppert", doch tatsächlich mal ein Radweg gebaut war. "Jetzt mach' ma an Radlweg an den Radlweg", meint er zu den jüngst auf der Fahrbahn abmarkierten Radler-Schutzstreifen und geht eilig weiter. Sollte er sich richtig erinnern?

Die Stadt Weiden Ende der 80er Jahre: Die Max-Reger-Städter sind mächtig stolz auf die Innenstadtentwicklung, auf die Fußgängerzone, die wiederum erst mit dem Anker-Durchbruch möglich wurde. Denn der Verkehr kann westlich an der Altstadt vorbei, vom Adolf-Kolping-Platz hinunter zum Großparkplatz Naabwiesen und hinaus auf die Südost-Tangente geleitet werden. Zu dieser autogerechten Stadtentwicklung gehört es, die Dr.-Pfleger-Straße als Zubringer zur Tangente - richtig großzügig - gleich vierspurig zu planen und auch auszubauen. Dabei ahnen die meisten im Stadtrat, dass je ein Streifen für die Anker-Geschäfte als Parkplatz vor der Ladentür ausgewiesen wird. Auch in anderen Straßen haben dies die Stadtväter mehrfach praktiziert (und mussten deshalb später auch Fördergelder wieder zurückzahlen).

Und richtig: Da war in der Dr.-Pfleger-Straße noch was, das damals gleich mal mitgeplant- und gebaut wurde: beidseitige Radwege. Diese beginnen bzw. enden oben - ohne den nötigen sicheren Anschluss - am Issy-les-Moulineaux-Platz. Ebenso fehlen die Anschlüsse unten an der Kurt-Schumacher-Allee sowie vor dem Zentralen Omnibus-Bahnhof. Aufgrund der gefährlichen Situationen, denen die Radler damals ausgesetzt sind, wenn sie zurück auf die Fahrbahn vor die Autos rollen, reagiert die Stadt: Die asphaltierten Streifen bleiben somit nur sehr kurz Radwege. Die Schilder verschwinden quasi über Nacht.

Dennoch sind heute noch immer Radler auf den längst zu Gehwegen umgewidmeten Radlstreifen unterwegs. Die Fußgänger sollten in diesem Bereich der Dr.-Pfleger-Straße ursprünglich nur auf dem Pflasterbelag durch die Arkaden und entlang der Anker-Gebäude geführt werden.

Nachdem sich die Radlwege als Fehlplanung erwiesen hatten, erweiterte die Stadt den Fußgängerbereich, wandelte die Radwege zu Gehsteigen um. Die geplasterten Flächen zwischen "neuem Gehweg" und den Gebäuden werden seitdem den Geschäften per Sondernutzungserlaubnis - und damit gegen Bezahlung - als multifunkionale Vorbereiche überlassen. Diese geschäftliche Nutzung darf sich aber nicht auf den Gehweg ausdehnen.

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