04.09.2018 - 12:05 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nicht vermittelbar

Eine Pirkerin will einen achtjährigen Hund aus dem Tierheim "retten". Doch der Tierschutzverein gibt ihn nicht her: Der achtjährige Schäferhund-Mischling sei "nicht sozialisierbar".

Hund Füli.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Es könnte eine so schöne Geschichte sein. Sie würde von einem Hund handeln, der schon als Welpe in Ungarn dem Tod geweiht ist. Der kleine Schäferhund-Mischling wird gerettet, kommt ins Tierheim Weiden, gilt dort aber schnell als scheu, als "schwierig". Eine tierliebe Pirkerin beschäftigt sich über Jahre intensiv mit dem Problemhund. Sie will ihm bei sich sogar ein neues Zuhause geben. Doch das Happy-End bleibt aus: Der Vorstand des Tierschutzvereins lehnt die Anträge ab. Er will den Vierbeiner im Heim behalten. Die Frau versteht die Welt nicht mehr. Der Hund leide im Zwinger. "Es ist grausam."

Die Frau heißt Inge Liebl. Im April eskalierte die Auseinandersetzung zwischen ihr und dem Tierschutzverein Weiden und Umgebung: Der Vorstand kündigte ihr die Mitgliedschaft. Nun wandte sich die Pirkerin an Oberpfalz-Medien. Ihr Vorwurf: Das Tierheim Weiden sperre Hunde dauerhaft ein, nur um von der Kommune die Pauschale für Fundtiere zu kassieren. Vorsitzende Mariele Junak widerspricht vehement. Ihr gehe es ums Tierwohl - und mehr: "Wir haben auch eine Verantwortung gegenüber den Menschen." Ein unsicherer, nicht sozialisierbarer Hund könnte eine große Gefahr sein.

Eigentlich waren es zwei Hunde. Füli und Mary, zwei Geschwister, von Tierschützern gerettet aus einer Tötunggsstation in Budapest. Gerade vier Monate sind die Schäfer-Mischlinge jung, als sie das Weidener Tierheim im April 2011 aufnimmt. Doch auch intensivstes Training habe nicht gefruchtet, erzählt Vorsitzende Junak: "Wir haben einsehen müssen, das bekommen wir nicht hin." Füli und Mary seien wohl bereits die "zweite oder dritte Generation verwilderter Hunde" gewesen, die nie Kontakt zu Menschen hatten. "Auf jegliche Form von Stress reagierten sie panisch." Nach einem Jahr geben es die Betreuer auf, die Hunde therapeutisch zu traineren.

Martina Liebl lernt die Vierbeiner im Jahr 2015 kennen. Ab 2016 engagiert sie sich im erweiterten Betreuerkreis im Tierheim, hat auch von daher viel Kontakt mit ihnen. Füli habe Vertrauen zu ihr gefasst, behauptet die Pirkerin. Im Dezember 2017 stellt sie den Antrag, den Hund zu sich zu nehmen. Darin verweist sie auch auf eine mit ihr befreundete Hundetrainerin, die mit Füli kostenlos arbeiten würde. Der Vorstand lehnt den Antrag ab. Einstimmig. "Wir werden Füli und Mary, nachdem sie seit 8 Jahren zusammen leben, nicht trennen", schreibt Mariele Junak. Sie zitiert einen externen Experten vom Hundezentrum Mittelfranken, einen Hundegutacher und die Amtsveterinärin. Sie alle hätten dringend davon abgeraten, Füli zu vermitteln. Der Hund sei "ein Fluchttier, das panisch reagiert, und sollte sie nicht ausweichen können, dann vermutlich auch ihre Zähne einsetzen wird".

Liebl lässt dennoch nicht locker. So wendet sie sich unter anderem an den Deutschen Tierschutzbund, an den Blaulicht e. V. und die Tiernothilfe "Vermiss mich nicht". In den Briefen fährt sie schwere Geschütze auf: "Füli und Mary sitzen im Knast, ohne zu wissen, warum. (...) Die Hunde gehen kaputt." "Das ist kein Tierschutz, keine Rettung, das ist Tierquälerei." Die Pirkerin erreicht damit nichts - außer ihren Rauswurf beim Tierschutzverein. "Zum einen sind diese Beschuldigungen haltlos", schreibt Junak in der Begründung, "und zum anderen haben Sie durch ihre Vorgehensweise das Ansehen des Tierschutzvereins und unser Vertrauen unwiderbringlich beschädigt." Gegenüber Oberpfalz-Medien erwähnt die Vorsitzende zudem, Liebl habe sich im Umgang mit den beiden Hunden nicht an die Anweisungen der Tierheimleitung gehalten.

Mittlerweile gibt es nur noch Füli. Schwester Mary habe nach einem schweren Bandscheibenvorfall, bei dem starke Lähmungen aufgetreten seien, eingeschläfert werden müssen, bedauert Mariele Junak. Auch die Tatsache, dass Füli nun allein ist, könne aber nicht zu einem Umdenken in Sachen Vermittlung führen. "Der Hund wird nie ein Familienhund sein. Er hat nie ein Halsband getragen, ist nie im Auto gefahren." Im Tierheim gehe es Füli gut. "Sie ist gut integriert, weiß, welcher Hund hier der Chef ist." Und sie sei kein Einzelfall. In der Schustermooslohe gebe es vier oder fünf Hunde, die einfach nicht vermittelbar seien. Für sie sucht der Verein kein neues Zuhause, sondern "Paten".

Martina Liebl freilich hilft das nicht weiter. Sie erneuert ihren Vorwurf der "Tierquälerei" und führt ihre Probleme mit dem Vorstand auf persönliche Animositäten zurück: "Ich habe mich da hinten wohl zu sehr engagiert." Junak will nun eine frühere Ankündigung wahrmachen: den Rechtsanwalt einschalten. Liebls Vorwürfe seien rufschädigend.

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