Gegenüber lockt die Kultkneipe "Max und Muh". Bis zum Ein- und Ausgang der Tiefgarage sind es fünf Meter, die Fußgängerzone beginnt. Trotzdem steht der Laden an der Ecke Türlgasse/Allee leer. Nicht zufriedenstellend, diese Situation. Zunehmende Leerstände und damit verbundene sogenannte Trading-Down-Effekte sorgen für Alarmstimmung in der Stadtverwaltung.
So sieht die Wirtschaftsförderung dringenden Handlungsbedarf, um einerseits die Potenziale in der Innenstadt zu untersuchen und dort andererseits sinnvolle Empfehlungen zur Aktivierung des Stadtkerns zu entwickeln. Die Aufgabe soll ein externes Institut mit dem Aufbau eines Leerstandskatasters und anschließendem Leerstandsmanagement übernehmen. Da trifft es sich gut, dass die Staatsregierung in Bayern ein Förderprogramm "Erhebung der Innenentwicklungspotenziale" aufgelegt hat. Damit könnten 60 Prozent der Gesamtkosten von rund 56 000 Euro finanziert werden. Der Finanzausschuss hat das Vorgehen in seiner Sitzung am Dienstag abgesegnet. Wirtschaftsförderer Nicolas Lahovnik, der inzwischen auch die Aufgaben eines City-Managers übernommen hat, sieht Handlungsbedarf in allen Städten. "Der Online-Handel bedroht die Zentren." Deshalb müsse man die traditionellen Geschäfte unterstützen, sich zukunftsgerecht aufzustellen. Dazu zählt auch das Stichwort Digitalisierung.
Größere Leerstände sieht Lahovnik derzeit vor allem in den Seitengassen in der Altstadt. Aber auch die Lage in der Max-Reger-Straße sei nicht hundertprozentig zufriedenstellend. Oberpfalz-Medien hat festgestellt, dass es in der Haupteinkaufsstraße aktuell drei Leerstände gibt. Einer soll durch Rieker-Schuhe beseitigt werden. In der Schul- und in der Türlgasse sowie auf der Allee sind es insgesamt über zehn.
Der städtische City-Manager ist allerdings überzeugt, dass mit der Eröffnung des Einkaufszentrums NOC im März 2019 ein Aufschwung einhergeht, der die Lage insgesamt verbessern werde. Abgesehen davon sind intensive Gespräche mit Eigentümern zu den Themen Nutzung, Preise, Mieten und Kooperationen geplant. Hier sieht Lahovnik ebenso wie OB Kurt Seggewiß in der Max-Reger-Straße als besonders gelungenes Beispiel die bauliche Verbindung von "H&M" und City-Center. Ferner erwartet er durch den Gutachter Workshops mit Bürgerbeteiligung und Fachleuten. Außerdem sind 200 Interviews mit Passanten geplant.
SPD-Fraktionschef Roland Richter erinnerte an die Hertie-Schließung, die sich 2019 zum zehnten Mal jährt. Trotz des schweren Schlages sei Weiden ein attraktiver Standort geblieben. Die Ansiedlung des Top-Unternehmens Hallhuber vor kurzem bezeichnete er als Fingerzeig: "Meine Frau ist begeistert." Das NOC werde die Magnetfunktion übernehmen.
Ähnlich sieht es CSU-Kollege Wolfgang Pausch. Das Gutachten entspreche einer alten CSU-Forderung. Man müsse den Gesamtstandort sehen und ein attraktives Umfeld schaffen. Positiv bewerteten auch Grünen-Sprecher Karl Bärnklau und Reinhold Wildenauer (Bürgerliste) das Förderprogramm. Für sie kommt es allerdings fast schon zu spät. "Das hätten wir auch schon vor ein paar Jahren haben können." Jetzt werde es vom Freistaat gefördert, entgegnete OB Seggewiß. Und E-Commerce habe sich erst zuletzt rasant gesteigert. Wirtschaftsförderer Lahovnik zerstreute Sorgen von Dagmar Nachtigall (CSU) und Reinhard Meier (Bürgerliste) vor Folgekosten. Ein Konzept werde geliefert. Darüberhinaus gehende Handlungsmöglichkeiten müssten neu bewertet werden.
Das City-Management als neue Aufgabe der Wirtschaftsförderung beschäftigt am Mittwoch auch den Wirtschaftsbeirat. Sie beinhaltet auch eine geplante enge Zusamenarbeit von NOC und dem Stadtmarketingverein, wie Stadtkämmerin Cornelia Taubmann gegenüber Oberpfalz-Medien erläuterte. "Der City-Manager soll das steuern."













Handel ist Wandel
Der Untere Markt war mal das große Sorgenkind in der Stadt. Nichts los, tote Hose. Dann kamen der Wochenmarkt und das Bekleidungshaus Wöhrl und es kam die Hoffnung auf bessere Zeiten. Schließlich kam die Gastronomie und mediterranes Lebensgefühl. Seitdem ist der Untere Markt wieder obenauf. Am anderen Ende der Innenstadt riss die Hertie-Schließung ein riesiges Loch. Wie sollte es jetzt weitergehen mit der Einkaufsstadt Weiden? Überhaupt nicht vorstellbar.
Aber es ging weiter. Doch solche Veränderungen wird es immer geben. Und sie sind schon wieder in Gang. So gibt es inzwischen den Online-Handel und in einem Vierteljahr kommt das Einkaufszentrum NOC. So mancher Händler aber bekommt angesichts der neuen Veränderungen das große Flattern. Leerstände will keiner haben. Dabei steht Weiden laut städtischem City-Manager im Vergleich ähnlich großer Städte noch gut da. Trotzdem ist es gut, dass die Stadt die Potenziale des Kernbereichs und Möglichkeiten zur Aktivierung untersuchen lässt. Noch besser werden, lautet die Devise. Genügend Geschäfte sind schon so weit. Da verhindert auch der Online-Handel nicht, dass es bei ihnen läuft.
Volker Klitzing