02.02.2021 - 16:11 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Vorstoß von Weidener CSU-Stadtrat: Corona-Schnelltests für alle Bürger am gleichen Tag

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Manche mögen ihn belächeln, aber das ist dem CSU-Stadtrat aus Weiden, Hans-Jürgen Gmeiner, egal. Er ist der festen Überzeugung, dass sich die Pandemie mit Corona-Schnelltests für alle Bürger am gleichen Tag eindämmen lässt.

Kostenlose Schnelltests für alle Bürger, die zu einem einheitlichen Termin durchgeführt werden, könnten die Corona-Pandemie eindämmen, meint Hans-Jürgen Gmeiner. Der CSU-Stadtrat macht sich deshalb für eine entsprechende Aktion stark.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Das Thema brennt dem CSU-Stadtrat Hans-Jürgen Gmeiner aus Weiden so auf den Nägeln, dass er sich vor kurzem sogar mit einem Schreiben an Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin gewandt hat. Seine Idee: Alle Bundesbürger sollten den Schnelltest für daheim kostenlos zugesandt bekommen, ihn am gleichen Tag machen und bei positivem Ergebnis in Quarantäne bleiben. "Dann würde die Zahl der Infizierten auf jeden Fall sinken", sagt er. Am Montagabend wollte er diesen Vorschlag für die Bürger im Raum Weiden-Neustadt/WN-Tirschenreuth in der Videositzung der CSU-Stadtratsfraktion einbringen. "Die CSU-Fraktionen könnten einen gemeinsamen Vorstoß in dieser Richtung unternehmen." Er fürchtet allerdings, dass dieser Vorschlag an der Finanzierungsfrage scheitern könnte.

Brief an Angela Merkel

Noch sinnvoller wäre es seiner Ansicht nach ohnehin, wenn alle Bundesbürger den Schnelltest am gleichen Tag durchführen würden. Deshalb hat sich Gmeiner schriftlich an Bundeskanzlerin Angela Merkel gewandt. "Ich habe den Brief auch an CSU-Fraktionschef Benjamin Zeitler geschickt und an Bundestagsabgeordneten Albert Rupprecht. Er will das Schreiben an einen Staatssekretär weitergeben." Eine Antwort aus dem Bundeskanzleramt hat er noch nicht erhalten, zweifelt sogar ein bisschen dran, ob das überhaupt erfolgen wird, weil er ja nur "ein kleines Licht" sei. Ein Regierungssprecher erklärte dazu auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien, dass der Brief auf jeden Fall beantwortet werde.

In dem Schreiben bezeichnet Gmeiner den Kampf gegen Corona als "nationale Aufgabe" und schlägt folgenden Verfahrensablauf vor: Die Bürger werden per Presse und Werbung auf den Test vorbereitet. Ein Testtermin wird festgelegt. Die Schnelltests werden an alle Bürger versandt. Alle testen sich am selben Tag. Die positiven Ergebnisse sollen bei den Getesteten zu einer Veränderung des Verhaltens führen. Außerdem sollte eine Plattform eingerichtet werden, auf der sich die positiv Getesteten eintragen.

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Weiden in der Oberpfalz

Dass Letzteres dem Datenschutz widersprechen dürfte, ist für Gmeiner kein Hindernis. "Wenn's um Leben und Tod geht, ist mir der Datenschutz egal", erklärt er gegenüber Oberpfalz-Medien. Außerdem könnte man so zugleich älteren Menschen helfen, die auf Unterstützung zum Beispiel beim Einkaufen angewiesen sind. Und auch das Argument von möglichen falsch positiven Tests lässt er nicht gelten. Gmeiner argumentiert: "Wenn von drei Personen in einem Haushalt eine positiv getestet wird und alle drei in Quarantäne gehen, dann wird das Virus nicht weitergetragen. Sollte das Ergebnis falsch positiv gewesen sein, würde das ja nicht schaden." Angesichts der neuen Virus-Mutanten, die sich noch schneller ausbreiten, wäre diese Eindämmung sogar noch wichtiger. Und obwohl an Corona-Leugner und Masken-Verweigerer nur schwer ranzukommen sei, ist Gmeiner überzeugt: "Auch Corona-Leugner sind neugierig. Einige würden den Test sicher machen und bei positivem Ergebnis erstaunt feststellen, dass es das Virus doch gibt."

Landratsamt Neustadt: Sinn der Aktion scheint fraglich

Was den CSU-Mann antreibt? "Mir tun die Kinder leid. Sie sind die großen Verlierer dieser Pandemie." Aber auch seine privaten Lebensumstände: Seine Mutter ist über 80 Jahre, zähle damit zur Risikogruppe, ebenso wie einer seiner Söhne, und seine Frau sei als Arzthelferin – wie Tausende im Gesundheitswesen – täglich dem Risiko ausgesetzt. "Wir müssen wieder agieren, nicht nur reagieren", fordert Gmeiner. Nur mit einer großen nationalen Anstrengung sei diese Krise zu bewältigen. Selbst einen eingängigen Slogan hat er parat: "Deutschland sucht den Supervirus." Er sieht seinen Vorschlag als Ergänzung zur Impfkampagne, keinesfalls als Ersatz. Und wegen der gefährlichen neuen Virus-Mutanten dränge die Zeit. "Ich weiß nicht, wie meine Idee ankommt", räumt er ein. Für ihn steht allerdings fest: "Einen Versuch ist es wert."

"Die Tests würden nur eine Momentaufnahme abbilden", gab dagegen Claudia Prößl zu bedenken, die am Montag stellvertretend für den Leiter des Gesundheitsamts zu dem Vorschlag Gmeiners Stellung bezog. Als medizinischer Laiin erscheine der Sprecherin des Landratsamtes Neustadt/WN der Sinn einer derartigen Aktion eher fraglich. "Es wäre trotzdem nicht zu verhindern, dass sich die Menschen direkt nach dem Schnelltest wieder irgendwo anstecken", selbst wenn ihr Test negativ ausgefallen wäre. Zudem ließen sich nicht alle anderen angrenzenden Landkreise, wie Amberg-Sulzbach, Wunsiedel oder Bayreuth hermetisch von der Nordoberpfalz abschirmen.

"Auch Corona-Leugner sind neugierig. Einige würden den Test sicher machen und bei positivem Ergebnis erstaunt feststellen, dass es das Virus doch gibt."

Hans-Jürgen Gmeiner

Hans-Jürgen Gmeiner

 

 

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