Weiden in der Oberpfalz
01.05.2022 - 14:19 Uhr

Warnung zum Tag der Arbeit in Weiden: Rentner rutschen in Armut ab

Es ist die erste Maikundgebung seit drei Jahren. Udo Fechtner von IG Metall und Oberbürgermeister Jens Meyer kritisieren Fehlentwicklungen und bedauern Krisen. Ein Altkanzler wird zum Parteiaustritt aufgefordert.

Oben auf der Freiluftbühne spielte die Stadtkapelle. Unten an den Biertischen saß die Politprominenz von Kommunen, Land und Bund. "Bezahlbar ist die halbe Miete", "Für Frieden ohne Wenn und Aber": Die rund um den Platz aufgehängten Transparente machten deutlich, woher der Wind am Sonntag wehte. Und Oberbürgermeister Jens Meyer hatte bei der Maikundgebung, zu der DGB und IG Metall Amberg aufgerufen hatten, hinterm Alten Rathaus eine Menge zu erzählen. „Vor zwei Jahren wäre das meine erste Veranstaltung als Oberbürgermeister gewesen", begann er seine Rede. Stattdessen hatte er dank Corona einen sehr ruhigen ersten Arbeitstag. Wie die Erfahrung leider zeigte, mit einer entbehrungsreichen Zeit im Schlepptau. "Da hat sich verdeutlicht, wie wichtig Arbeit für die Menschen ist."

Erst Corona, dann Krieg

"Existenzen standen auf dem Spiel, Angestellte wurden in die Kurzarbeit geschickt, viele verloren ihren Job oder mussten ihr Unternehmen oder Geschäft schließen", sagte Meyer. Das Homeoffice habe sich zwar als Segen entpuppt. Aber nicht jeder brachte dafür die entsprechenden Voraussetzungen mit. Das diesjährige Gewerkschaftsmotto "Gemeinsam Zukunft gestalten" könne er deshalb nur unterschreiben. "Auch wir in den Kommunen wollen mehr soziale Gerechtigkeit." Corona habe vieles verändert. Und kaum habe sich die Pandemie etwas gelegt, stehe die Menschheit vor neuen Herausforderungen: Der Krieg in der Ukraine mit all seinen explodierenden Energie- und Folgekosten und dem unermesslichen Leid in der ukrainischen Bevölkerung.

Eine Lanze brach Meyer für die Gewerkschaften und für deren Kampf um den Schutz von Tarifverträgen. "Rentnerinnen und Rentner sollen in Würde altern können. Darauf haben sie ein Recht." In diesem Punkt war er sich einig mit Hauptredner Udo Fechnter, dem zweiten Bevollmächtigten der IG Metall Amberg. Der knöpfte sich Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder vor, den er nicht zuletzt wegen dessen enger Putin-Freundschaft und der von ihm verschuldeten Rente mit 67 "ins Herz geschlossen" habe. "Lieber Gerhard, trinke deine zwei Flaschen Wein am Abend, aber bitte verlass die SPD."

"Abrutschen in die Armut"

"Die durchschnittliche Rentenhöhe bei Männern in der Oberpfalz liegt brutto zwischen 1050 und 1100 Euro." Diese Angaben würden sich auf Menschen beziehen, die 45 Jahre lang gearbeitet hätten. "Das ist ein Abrutschen in die Armut." Absolut unwürdig und respektlos sei das. Der große Beifall wurde auch von Bundestagsabgeordnetem Uli Grötsch und Landtagsabgeordnteer Annette Karl geteilt. Leider seien Gewerkschaften machtlos. "Eine Verbesserung der Rente funktioniert nicht über Tarifverträge. Da muss die Politik ran."

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ukraine-Krieges seien noch gar nicht abschätzbar. Und die AfD habe nichts Besseres zu tun, als Wladimir Putin oder den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, der gerade Völkermord an seiner indigenen Bevölkerung betreibe, zu hofieren. "Arschkriecher für Diktatoren! Das glaube ich, wäre die richtige Abkürzung für AfD." Veit Wagner von Amnesty International rief die Besucher dazu auf, den DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf schriftlich aufzufordern, sich dafür einzusetzen, dass die Arbeitsbedingungen auf den Stadionbaustellen von Katar verbessert würden.

 
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