12.09.2021 - 14:49 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Wasserspiele und Wohnen rund um den Wittgarten in Weiden

Der Wittgartendurchstich in Weiden verbindet seit Oktober 2019 den Stadtteil Stockerhut mit der Innenstadt. Die weiteren städtebaulichen Planungen in diesem Bereich greifen aber noch viel weiter. Jetzt muss ein Rahmenplan her.

Dem Josef-Witt-Platz (im Vordergrund) und dem Gelände rund um die Sparkasse kommt bei der Neugestaltung im Umgriff des Wittgartens eine besondere Rolle zu. Erhalten bleiben soll das ehemalige "Schlegel-Gebäude" (links).
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

Ein Projekt von epochaler Bedeutung wie das der städtebaulichen Planungen rund um den neuen Wittgarten braucht einen langen Atem. In seiner Zeit als Bürgermeister sprach Jens Meyer von einem "Prozess über viele Jahre". Das war 2018, als das Münchner Büro Dragomir Stadtplanung den Realisierungswettbewerb (Wittgarten, Wittgartendurchstich und Josef-Witt-Platz) gewann und mit der Bearbeitung des Rahmenplans beauftragt wurde. Dieser definiert die Ziele und stellt die Machbarkeit der nun folgenden Schritte dar. Der Rahmenplan ist nicht rechtsverbindlich, kann aber später Verbindlichkeit im Rahmen eines Bauleitplans erlangen.

Wasserbecken am Witt-Platz

Die Thematik wird am Donnerstag, 16. September, den Bau- und Planungsausschuss beschäftigen, der darüber abstimmt. Die Planer vom Büro Dragomir stellen den Stadträten ihre Ergebnisse vor. Die beinhalten auch die Anregungen aus der Bürgerbeteiligung im Oktober 2020. So gab es unter anderem die Forderung vieler Anlieger, den Verkehr zwischen Bahnlinie und Schweigerstraße neu zu ordnen sowie Grün- und Freiflächen zu verbessern. Auf Begeisterung stieß die Idee, den historischen Siechenweiher in einer Teilfläche nördlich der Stadtwerke neu zu schaffen. Das Thema Wasser soll sich später auch in Form eines Wasserbeckens auf dem Josef-Witt-Platz wiederfinden.

Positive Signale zum Projekt gibt es mittlerweile auch von der Regierung der Oberpfalz, über die man sich Fördermittel erhofft. Der Rahmenplan fand bei den Regensburgern im Juni Zustimmung, sowie bei der verwaltungsinternen Vorstellung im Juli.

Der Wittgarten mit der geplanten Wiederherstellung des früheren Siechenweihers ist das Herzstück. Doch greifen die Planungen auch in die Bereiche der angrenzenden Viertel samt Straßenzüge ein. Insgesamt wünschen sich Stadt und Planer, dass die Wohn- und Aufenthaltsqualität verbessert wird. Definiert wurden vier "Fokusbereiche" mit Schweigerblock, Stadtwerke-Areal, Siechenweiher und Karl-Heilmann-Block, die am Donnerstag näher erläutert werden sollen.

Schweigerblock

  • Die Häuserzeilen im sogenannten Schweigerblock werden aktuell durch die Baugenossenschaft Familienheim umgebaut. Es entstehen Grünflächen zur gemeinschaftlichen Nutzung. Die parkenden Autos verschwinden in einer Tiefgarage darunter. Dafür gab die Regierung der Oberpfalz vor kurzem grünes Licht. Soweit die kurzfristige Entwicklung. In die langfristige beziehen die Planer auch die westlichen Grundstücke mit ein. Hier bestehe im rückwärtigen Bereich noch Potenzial für weitere Wohnbebauung. Jedoch werde diese Möglichkeit nach Rücksprache mit den Grundstückseigentümern zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiterverfolgt.

Stadtwerke-Areal

  • Möglichkeiten für eine weitere Wohnbebauung und die Gestaltung hochwertiger Freiflächen sehen die Stadtplaner auf dem Gelände der Stadtwerke in der Gaswerkstraße. Dort und nördlich angrenzend sei Büronutzung vorgesehen. Um die Zufahrten in diesem Bereich einfacher zu gestalten, soll der Knotenpunkt Frauenrichter Straße/Gaswerkstraße/Siechenstraße neu gestaltet werden. So soll unter anderem die Gaswerkstraße abgehängt und künftig über die Fehrstraße erschlossen werden. Die Siechenstraße könnte zur Frauenrichter Straße hin Einbahnstraße werden. Das Gebiet um die Stadtwerke könnte somit hauptsächlich über die Fehrstraße erschlossen werden. Eine Tiefgarage würde auch hier in diesem Viertel Platz für die Gestaltung von Freiflächen schaffen.

Siechenweiher und Wittgarten

  • Die Wiederherstellung des historischen Siechenweihers sehen die Projektplaner als zentrales Element. Auf dem hier entstehenden Freizeitareal könnten Aktivflächen, ein Café oder ein Biergarten etabliert werden. Wege sollen eine Umrundung des Sees ermöglichen, aber auch den Anschluss an die Stadtquartiere. Das Bachbett des Mühlbachs soll angepasst werden. Vorstellbar sei ein Spielplatz mit Wasserspiel. Westlich der Schweigerstraße soll durch Wohnbebauung und soziale Einrichtungen (z. B. Kita) nachverdichtet werden, so dass eine räumliche Kante zum Straßenraum hin entsteht.

Karl-Heilmann-Block

Der westliche Teil kann im Süden durch einen neuen Baukörper baulich erschlossen werden. Die Experten sprechen von einer "prägenden Raumkante". Parkraum könnte dabei in einer Tiefgarage untergebracht werden. Neu geordnet werden soll auch die südliche Freifläche zwischen den Bahngleisen, die im Moment die Firma Witt als Parkplatz nutzt. Hier ist ein Parkdeck angedacht, das als Lärmschutz fungieren könnte. Das bestehende Rückhaltebecken der Stadtwerke soll nicht überbaut werden. Der restliche Bereich im Süden könnte zur Grünfläche werden, mit Anbindung an den Siechenweiher.

Von einer Beschlussfassung in der Bauausschusssitzung ausgenommen sind laut Sitzungsvorlage vorerst die Bereiche Sparkasse und Josef-Witt-Platz. Hier sehen die Planer einen unmittelbaren Zusammenhang für eine gemeinsame Projektentwicklung. Es seien noch weitere Gespräche zwischen Stadt und Grundstückseigentümern erforderlich, heißt es vonseiten der Verwaltung.

Das Sparkassenareal stellte bereits im Wettbewerb eine zentrale Entwicklungsfläche dar. In Absprache mit den Grundstückseigentümern wurden vier Varianten zur Neugestaltung erarbeitet. Darin spielen zum Beispiel Tiefgaragen, die Schaffung von "Raumkanten" hin zu Bahnhofstraße und Witt-Platz, zentrale Flächen im Innenbereich des Sparkassengeländes und eventuelle ein Hotel, Gastronomie oder ein neues Kino entlang der Bahnlinie eine Rolle.

Mehr Aufenthaltsqualität soll auf der Fläche am Josef-Witt-Platz geschaffen werden. Zusammen mit dem Sparkassenplatz und dem Übergang zur Max-Reger-Straße soll so ein zusammenhängender öffentlicher Raum entstehen. Hierzu könnten unter anderem einheitliche Straßenbeläge, Stadtmöbel oder Beleuchtungskörper verwendet werden. In Anlehnung an den Siechenweiher soll auch hier das Thema Wasser nochmal aufgegriffen werden, zum Beispiel mit einem Becken mit Wasserspiel auf dem Witt-Platz und östlich der Bahnhofstraße. Die Planer fassen auch eine weitere Bebauung (Büro- und Wohnnutzung) in diesem Bereich ins Auge, eventuell mit einem Café als belebendem Element. Weitere Abstimmung zwischen Stadt und Grundstückseigentümer seien vorgesehen.

Ideen für den neuen Wittgarten in Weiden

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Schweigerstraße: Parkplätze kommen unter die Erde

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Auf dem Parkplatz beim Karl-Heilmann-Block könnte ein Parkdeck entstehen. Das würde auch als Lärmschutz für die dortigen Wohnblöcke fungieren.
Info:

Der Wittgartendurchstich

  • Eine Wegeverbindung von der Innenstadt zum Stadtteil Stockerhut war seit Jahrzehnten gewünscht, jedoch unter anderem wegen der Unterquerung der Bahnlinie schwierig.
  • Erste Planungen gab es bereits 1994.
  • 2016, 22 Jahre später, gibt der Bauausschuss grünes Licht für einen städtebaulichen Ideenwettbewerb „Wittgarten und Josef-Witt-Platz“.
  • Im Oktober 2017 ist Spatenstich für den Wittgartendurchstich.
  • Im Februar 2018 gewinnt das Planungsbüro Dragomir aus München den Ideenwettbewerb.
  • Oktober 2019 Einweihung des Durchstichs.
  • Die 230 Meter lange Unterführung kostet 5,8 Millionen Euro.

 

 

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