22.08.2019 - 15:09 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Wegen Sperrung von Weiden-West: Höllenfahrt durchs Wohngebiet

Die Gartenmöbel sind weggeräumt. "Drauß' sitzen kannst eh nicht mehr", sagt Nadja Rothballer. Tatsächlich: durch Tulpen- und Joseph-Haas-Straße in Weiden tobt der Verkehr. Stärker, lauter, gefährlicher, unerträglicher denn je.

Viel zu viel Verkehr. Vor allem Lastwagen sind auf der Joseph-Haas- und Tulpenstraße viel zu schnell unterwegs. Die Anwohner laufen – wie schon vor Jahrzehnten – Sturm gegen den „Lärmterror“, dem sie sich – nicht nur durch die Umleitung – verstärkt ausgesetzt sahen.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

"Wir sind in einer ausweglosen Not-Zwangslage", schimpft Ingenieur Josef Bayer, der seit Jahrzehnten an der Joseph-Haas-Straße wohnt. Stoßstange an Stoßstange, Spiegel an Spiegel düsen die Autos sowie zahlreiche Lastwagen über die "Renn-Strecke" zwischen Moosloh- und Pressather Straße. "Seit Montag haben wir den ganzen Autobahnverkehr", meint der 71-Jährige, der selbst bei der Autobahndirektion gearbeitet hat.

Autobahnanschluss dicht

Ein bisher zu oft genutzter Schleichweg wird zur offiziellen Ausweichstrecke. Die Anschlussstelle Weiden-West ist nämlich bis zum 6. September wegen dringender Bauarbeiten geschlossen. Die Fahrzeuge donnern auf den zur Autobahn fast parallelen Straßenzug durch das Wohngebiet. Für die Anlieger ist's "eine Katastrophe". Aus vielen Enttäuschungen klug geworden, gehen sie davon aus, dass zumindest ein Teil des Verkehrs weiterhin vor ihren Häusern rollt, wenn im September die Anschlussstelle Weiden-West/B 470 wieder offen ist.

Die Erfahrung habe den Bürgern in der Joseph-Haas- und Tulpenstraße vieles gelehrt, betont auch Helmut Wach, der vor Jahrzehnten die Initiative Tulpenstraße angeführt hatte. 600 Mann stark waren in den 90ern die Mitglieder der Initiative für den Bau der Nordtangente auf die Straße gegangen. Sie lieferten damit der Stadt das wichtige Argument für den Bau der umstrittenen Trasse durch das Brunnenschutzgebiet.

Zusagen gebrochen

"Wir haben fest damit gerechnet, dass sich bei uns der Verkehr reduziert. Aber dann hat uns die Stadt im Stich gelassen", stellt Wach nicht ohne Bitterkeit fest. Statt Verkehrsberuhigung, weiterer ampelgesteuerter Übergänge und strenger Durchfahrtsverbote für den Schwerlastverkehr im Wohngebiet gab es - erst nach langem Kampf - lediglich einige aufgemalte Parkbuchten, die die Straße optisch verengen und so den überregionalen Verkehr draußen halten sollten. "Funktioniert hat's nie. Was haben uns die Stadträte alles erzählt, aber keine der Fraktionen hat sich groß für uns eingesetzt. Drüben am Krumpes gäbe es solche Verkehrsverhältnisse sicherlich nicht."

Viermal sei ihr der Autospiegel bereits weggerissen worden, erzählt Nadja Rothballer. Sie parke nun "anderswo". Um den Verkehr während der Bauarbeiten an der gesperrten Anschlussstelle sicher durch das Wohngebiet "zu schaufeln", wurde nämlich ein absolutes Parkverbot erlassen. Der Verkehr nutzt jeden Meter: "Über die Straße kommst eh nicht mehr", stellt Rothballer fest.

Nadja Rothballer verschließt demonstrativ ihre Ohren. Der Lärm ist derzeit einfach nicht mehr auszuhalten. Das Verkehrsaufkommen auf der „Umleitung“ Tulpenstraße hat sich vermutlich verdoppelt.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.