06.03.2020 - 15:50 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Weiden ist bunt" organisiert Veranstaltungsreihe gegen den Rassismus

Rassismus bewusst wahrnehmen und dagegen eintreten. Dazu fordert das Aktionsbündnis "Weiden ist bunt" zusammen mit anderen Organisationen auf. Gelegenheit dazu besteht bei den Internationalen Wochen gegen Rassismus vom 15. bis 29. März.

Erst vor zwei Wochen hatte das Aktionsbündnis "Weiden ist bunt" angesichts der Anschläge von Hanau eine spontane Kundgebung organisiert, in der die Redner dazu aufforderten, gemeinsam gegen rechte Hetze aufzustehen.

Die Internationalen Wochen gegen Rassismus feiern in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen, erinnert Susanne Reinhardt von der Koordinationsstelle "Demokratie leben" und Integrationsbeauftragte der Stadt Weiden. Während in der Vergangenheit in Weiden dazu meist vereinzelte Aktionen stattfanden, gab es 2019 erstmals eine Veranstaltungsreihe. Das wird in diesem Jahr fortgesetzt. Gut ein Dutzend Organisationen hat sich dazu zusammengeschlossen.

"Gegen die Verrohung, die sich breit gemacht hat, muss man intensiv etwas tun." Veit Wagner, Sprecher von "Weiden ist bunt" und Leiter des Integrationsbeirats, verzichtet bewusst auf die Nennung einer bestimmten Partei. Ihm sei es zu verdanken, dass sich in Weiden ein so starkes Netzwerk gegen Rassismus engagiert, betont Herbert Schmid. Der Geschäftsführer von Arbeit und Leben in Bayern ist zugleich als Vertreter der Fachstelle für Partnerschaft und Demokratie mit engagiert. Insgesamt bringt sich ein Dutzend Organisationen in der Veranstaltungsreihe mit ein.

Konzert zum Auftakt

Mit dem Konzert des "Jerusalem Duos" setzt die Jüdische Gemeinde Weiden am Sonntag, 15. März, um 17 Uhr ein musikalisches Glanzlicht. Die Harfinisten Hila Ofer und der Saxofonist Andre Tsirlin vereinen in ihrer Musik Klassik mit Klezmer, jiddische Lieder mit Tango und Pop mit Volksweisen. Weil die Plätze in der Synagoge in der Ringstraße begrenzt sind, ist eine Kartenbestellung unter der Telefonnummer 0961/32794 erforderlich. Eintrittspreis: fünf Euro.

Zentrale Kundgebung

Die zentrale Kundgebung als Bekenntnis zu Solidarität und Menschenwürde steht unter dem Motto "Gesicht zeigen - Stimme erheben". Die Ansprache bei der Veranstaltung am Samstag, 21. März, um 11 Uhr am Oberen Markt hält Bürgermeister Jens Meyer. Jugendliche mit Migrationshintergrund schildern ihre Biografien. Auch für Musik ist gesorgt. Bilder von der Weidener Aktion werden zur zentralen Kundgebung der bayerischen Integrationsbeiräte in München übermittelt.

Generalversammlung der Muslime

"Kein Antisemitismus und Rassismus" lautet das Motto der Generalversammlung des Landesverbandes Bayern des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), die am Samstag, 21. März, erstmals in der Max-Reger-Stadt abgehalten wird. Gastgeber ist Imam Maher Khedr vom "Deutschsprachigen Muslimkreis in Weiden", der im Landesverband die Position des zweiten Vorsitzenden innehat. Oberbürgermeister Kurt Seggewiß sowie die Abgeordneten Uli Grötsch, Stephan Oetzinger und Christoph Skutella haben ihre Teilnahme zugesagt. Die Veranstaltung ist nur für geladene Gäste. Am Nachmittag werden die Teilnehmer die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg besuchen. Seggewiß will außerdem am Vorabend das Freitagsgebet in der Moschee des deutschsprachigen Muslimkreises besuchen.

Stadtführung auf jüdischen Spuren

"Weiden - auf jüdischen Spuren". Bei der Stadtführung am Sonntag, 22. März, erläutert Dr. Sebastian Schott vom Stadtarchiv den Teilnehmern die Orte in der Innenstadt, die das jüdische Leben in Weiden prägten beziehungsweise prägen. Treffen ist um 15 Uhr am Alten Rathaus.

Zeitzeuge Ernst Grube

Ernst Grube wurde als Kind nach Theresienstadt deportiert. Der 85-Jährige, bis heute unermüdlich als Zeitzeuge unterwegs, wurde vor kurzem mit dem Georg-Elser-Preis für Zivilcourage und zivilen Ungehorsam ausgezeichnet. Der in Regensburg lebende Sprecher der Lagergemeinschaft Dachau ist als Mitglied der "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten" (VVN-BdA) nicht unumstritten, weiß Herbert Schmid. "Er steht nur in Bayern unter Beobachtung des Verfassungsschutzes." Das Zeitzeugengespräch mit Ernst Grube samt Filmvorführung beginnt am Dienstag, 24. März, um 19 Uhr im Café Mitte.

Sexismus im Hiphop

Über "Sexismus im Hiphop" informiert die gebürtige Weidenerin Heidi Süß am Donnerstag, 26. März, um 19 Uhr im Schülercafé Scout. Der Vortrag der promovierten Hiphop- und Männlichkeitsforscherin richtet sich vor allem an Lehrer und andere Multiplikatoren.

Interkultureller Nachmittag

Zu einem interkulturellen Nachmittag lädt das Integrationsprojekt "Famak" am Samstag, 28. März, von 14 bis 18 Uhr ins Café Mitte ein. Neben arabischen Speisen werden Musik und Tanz von den Gruppen Ritmo Vulcanico, Dance Kids, Band Bubbles sowie der Sing- und Musikschule "Famak" serviert.

Moschee-Führung

Eine Führung durch die Moschee der Türkisch-Islamischen Gemeinde in der Frühlingsstraße 4 mit Stadträtin Sema Tasali-Stoll steht am Mittwoch, 25. März, um 15.30 Uhr auf dem Programm.

Ausstellung NS-Gewaltherrschaft

Noch bis 31. März läuft außerdem die Ausstellung "NS-Gewaltherrschaft am Beispiel Weiden" im Elly-Heuss-Gymnasium. Die Dokumentation von Stadtmuseum und Stadtarchiv ist zu den Schulöffnungszeiten zu besichtigen.

Die beteiligten Organisationen:

Von AK Asyl bis Jüdische Gemeinde

Ein Dutzend Organisationen haben sich für die Veranstaltungsreihe zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus zusammengeschlossen. Beteiligt sind: "Weiden ist bunt", Amnesty International Weiden, Arbeitskreis Asyl, der Integrationsbeirat der Stadt Weiden, Runder Tisch für neues Engagement, Arbeit und Leben in Bayern, Schule ohne Rassismus, Bunde der Deutschen Katholischen Jugend, Evangelische Jugend im Dekanat Weiden, Jüdische Gemeinde, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW):

Bei ihnen laufen die Fäden für die Veranstaltungsreihe zusammen: (von links) Veit Wagner ("Weiden ist bunt"), Integrationsbeauftragte Susanne Reinhardt und Herbert Schmid (Arbeit und Leben in Bayern).

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