16.12.2018 - 16:26 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weiden wird kreisfrei in einer wilden Zeit

Zwanzig Jahre lang bemüht sich die Stadt Weiden darum, kreisfrei zu werden. Erst kurz nach dem Kriegsende 1918 gelingt dies. Eine Ausstellung im Neuen Rathaus informiert über Einzelheiten.

Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz (Siebte von rechts) erläutert den Besuchern der Eröffnungsfeier die Ausstellung.
von Siegfried BühnerProfil

Wer sich für die Geschichte der Stadt Weiden interessiert, sollte sich die Ausstellung im Neuen Rathaus nicht entgehen lassen. „100 Jahre Kreisfreiheit der Stadt Weiden“ - unter diesem Titel sind dort noch bis 16. Januar interessante Bilder und Dokumente der Zeitgeschichte zu besichtigen. Zu sehen sind zahlreiche Originaldokumente über die Loslösung der Stadt Weiden aus dem Bezirk Neustadt/WN. Daneben wird dem Besucher ein umfassender Einblick in die wirtschaftlichen und politischen Geschehnisse in der Stadt am Ende des Ersten Weltkriegs geboten.

Bürgermeister Jens Meyer eröffnete die Ausstellung mit den Worten: „Es war eine wilde Zeit, gepaart mit Kriegsfolgen, Hungersnot und Plünderungen.“ Meyer wies auch darauf hin, dass diese Ausstellung der Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz zu verdanken sei. Sie führte die Besucher dann auch durch die Exponate.

Eingangs hatte sie berichtet, wie es überhaupt zur Kreisfreiheit der Stadt kommen konnte. „Weiden ist bis zur Jahrhundertwende immer größer geworden und immer mehr Geld kam in die Stadt.“ Alleine zwischen 1880 bis 1900 habe sich die Bevölkerungszahl auf 10000 Bürger verdoppelt. Es gab auch zahlreiche Baumaßnahmen, darunter den Rathausumbau und die Erweiterung der Wasser-, Gas- und Stromversorgung.

Schon 1898 hätten 9 Gemeindebevollmächtigte die Loslösung aus dem Bezirksamt Neustadt sowie die direkte Unterstellung unter die Regierung der Oberpfalz gefordert. Gelungen sei dies jedoch erst im November 1918. Zahlreiche Dokumente aus diesen Monaten werden in den Vitrinen präsentiert.

So unter anderem ein Aktenvermerk vom 17. Dezember 1918 mit dem Satz: „Heute ist an die Stadt folgendes Telegramm eingelaufen: Gratuliere zur Kreisunmittelbarkeit ab dem 1. Januar 1919.“ Unterzeichnet war das Telegramm von SPD-Innenminister Erhard Auer. Vorangegangen waren die Zustimmung der Regierung in Regensburg, ein positives Bürgervotum und die Einigung mit dem Bezirk Neustadt über eine „Abstandszahlung“ von 250000 Mark.

Meldungen im Oberpfälzischen Kurier über die Kreisfreiheit, Bekanntmachungen im „Gesetz und Verordnungsblatt des Volksstaats Bayern“ sowie der „Unmittelbarkeits-Akte des Königlichen Bezirksamts Neustadt“ sind ebenfalls zu sehen. Die Ausstellung informiert zudem über wichtige zeitgeschichtliche Ereignisse der unmittelbaren Nachkriegszeit in Weiden sowie wichtige strukturelle Gegebenheiten der Stadt. So widmen sich einzelne Vitrinen den Themen Eisenbahn, den Porzellanproduzenten Bauscher und Seltmann sowie den Glasfabriken. Die Besucher erfahren außerdem, wie das Textil- und Bekleidungsunternehmen Witt mit der örtlichen Bauernschaft zusammengearbeitet hat und welche Folgen die Kriegsnot damals ausgelöst hat.

Die scherzhafte Frage „Feiern eigentlich die Neustädter heute auch, dass sie uns los sind?“ wollte beziehungsweise konnte die Kulturamtsleiterin allerdings nicht beantworten.

Georg Knorr, Bürgermeister in Weiden im Jahre 1918, auf einem von Friedrich Roscher angefertigten Gemälde.
Hier ist die Kreisfreiheit niedergeschrieben.
Volksaufruhr in Weiden anlässlich der Ermordung von Ministerpräsident Kurt Eisner.
Akte des Bezirks Neustadt über die Kreisfreiheit Weidens
Oberpfälzer Kurier meldet die Kreisfreiheit
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