02.12.2019 - 15:03 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weiden als "kulturelles Hinterzentrum"

Miserabel ist das Zeugnis, das Kulturschaffende der Weidener Rathauspolitik ausstellen. Es sei zu viel abgebaut worden: Bayerische-Böhmische Musiktage weg, Literaturtage halbiert. Und die Max-Reger-Tage könnten besser vermarktet werden.

Weiden hat sich selbst kulturell abgehängt. Darüber macht sich Wut und Enttäuschung breit. Landestheater-Geschäftsführer Wolfgang Meidenbauer fordert dringend Räume für Kulturschaffende. Kein Verein könne auf Dauer die Mieten in der Max-Reger-Halle schultern.
von Helmut KunzProfil

Der Jazz-Zirkel, bei dem die europäische Crème de la Crème aufspiele, werde kaum wahrgenommen. Dies alles monierte Stefan Voit von der Kulturbühne Weiden. "Wir sind kein kulturelles Oberzentrum mehr. Wir sind kulturelles Hinterzentrum." Die Politik müsste sich mehr engagieren, forderte er.

Stattdessen: Nur Sonntagsreden von wegen der großen Bedeutung von Kultur. "Und bei den Theateraufführungen ist keiner von ihnen da." Früher sei in Weiden viel mehr losgewesen. "Damals haben uns die Nürnberger, Regensburger und Bayreuther beneidet." Heute gehe bei denen die Post ab. Zum Thema Literaturtage: "Wir wollten an die Schulen herantreten, wollten Schüler ans Lesen heranführen. Aber das war es der Stadt ja nicht wert." Petra Vorsatz betonte, ihr seien die Hände gebunden. Die Budgets ließen einfach keinen größeren Spielraum zu.

Meyer verteidigt Petra Vorsatz

Auf Initiative von Hildegard Ziegler hatte Bürgermeister Jens Meyer zum "Kultur-Brunch" ("Die Da-ist-was-los-Stadt") ins Café Mitte eingeladen. "Kultur ist eine meiner Herzensangelegenheiten", sagte Meyer. Bisher habe das Spardiktat gegolten. "Aber irgendwann muss damit Schluss sein. Man kann sich auch tot- und kaputtsparen." Kultur sei Sauerstoff für die Seele. "Wir haben hier ein facettenreiches kulturelles Leben. Das macht Weiden einzigartig." Immer wieder werde die Forderung laut, dass Weiden einen Kulturmanager brauche. "Wir haben eine Kulturmanagerin in der Person von Petra Vorsatz."

Wolfgang Meidenbauer vom Landestheater Oberpfalz beklagte, in Weiden fehle es an einem Aufführungsraum für 350 Personen. Das Landestheater sei froh, in der Regionalbibliothek spielen zu dürfen. Aber: Toiletten im Keller, keine Parkplätze und "Balken vorm Hirn".

Theater hänge nicht allein von dem ab, was auf der Bühne gespielt werde. "Da geht es auch ums Ambiente." Zu den Gebühren in der Max-Reger-Halle: "Ich glaube es gibt keinen Verein in der Oberpfalz, der während der Saison einen fünfstelligen Betrag stemmen könnte."

Voit dazu: "Wir waren vor längerer Zeit in Regensburg beim Intendanten und haben ihm das erzählt. Der hat nur mit dem Kopf geschüttelt, als er erfahren hat, dass man für die Halle Miete zahlen muss." Eine tolle Idee wäre gewesen, Räume im NOC-Parkhaus als Kunst-Multifunktionsraum zu nutzen, wie es Irene Fritz vorgeschlagen und Wolfgang Herzer ausgearbeitet habe. "Aber sie erhielten von der Stadt nicht mal eine Antwort."

Kritik an Kulturdezernenten

Kritisiert wurde auch das "Phantom-Verhalten" des Kulturdezernenten der Stadt, Reiner Leibl, der sich auf keiner einzigen kulturellen Veranstaltung blicken lasse.

Wer Geld will, muss laut Herzer Mitglied im Heimatring sein. Die Zuwendungen seien "Peanuts". Die Mietkosten für den Kunstverein finanziere er aus eigener Tasche. Er forderte einen Kulturmanager. Es gehöre ein professioneller Vermittler nach Weiden. Man war sich einig, dass im Kulturausschuss nicht nur Politiker sitzen sollten, sondern Leute, die täglich mit Kultur konfrontiert seien. "Wir wollen einen runden Tisch." Lukas Höllerer vom "Sündikat" fragte, welche Ideen die SPD, speziell Meyer, einbringen will. Meyer: "Ich bin heute hier, um Anregungen zu bekommen, wie man was besser machen kann."

Wolfgang Herzer vom Kunstverein Weiden hat den Glauben an eine kunstweisende Politik der Stadt längst aufgegeben.
Stefan Voit (Mitte) kritisiert unter anderem, dass Irene Fritz (Zweite von links) ein schlüssiges und ausgearbeitetes Konzept für Kulturräume in der NOC-Garage vorgelegt, von der Stadt aber niemals eine Antwort bekommen habe.
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