19.02.2021 - 15:53 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weiden: Lockdown trifft auch Pfandflaschensammler

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Unermüdlich ist der Neustädter Uwe Bösl täglich mit seinem Fahrrad in Weiden unterwegs und sucht die Abfallkörbe nach Pfandflaschen ab. Ein schwer verdientes Zubrot in Coronazeiten.

Magere Ausbeute. Nur diese einzige Flasche findet Uwe Bösl an diesem Tag in den Müllkörben.
von Helmut KunzProfil

Der Lockdown in der Pandemie trifft auch Pfandflaschensammler. "Nicht ganz so stark, wie ich angenommen hatte", gibt sich Uwe Bösl genügsam. Der Rentner ist vielen Weidenern durch seine Streifzüge auf dem Fahrrad durchs Stadtgebiet bekannt. Seine Markenzeichen: Eine Holzkiste auf dem Gepäckträger und mehrere Plastiktaschen am Lenker. Obwohl es aus den Abfallkörben in der Innenstadt momentan nicht viel zu holen gibt, macht sich der Neustädter, soweit es das Wetter zulässt, weiterhin täglich auf den Weg nach Weiden. Da kommen leicht 30 Kilometer am Arbeitstag zusammen.

"Ich fahre auch, wenn es schneit. Was soll ich denn daheim?" Vorletzte Woche konnte er nicht radeln, weil seine Schaltung defekt war. "Mein Händler hatte keine Ersatzteile. Das hat ewig gedauert, bis er die bekommen hat." Unterdessen habe er in seiner Wohnung wie auf heißen Kohlen gesessen. "Was hätte ich in dieser Zeit verdienen können?"

"Natürlich finde ich jetzt weniger Pfandflaschen und Pfanddosen als noch vor der Coronakrise. Wegen des Lockdowns machen sich die Leute rar in der Innenstadt." Und sie würden natürlich dementsprechend weniger wegwerfen. Übers Knie gebrochen machten seine Umsatzeinbußen bei der Pfandrückgabe seit dem Lockdown rund 50 Prozent aus, rechnet Bösl nach. Besonders gespürt habe er die Auswirkungen der Corona-Verbote am Faschingssonntag, erzählt er. Weshalb? "Weil der Neustädter Faschingszug, der auf das Jahr hochgerechnet seine Haupteinnahmequelle ist, ausfiel. "Nix war's!"

Wie schleppend aktuell die Ausbeute seiner Sammlungen läuft, zeigt sich an diesem Tag vor dem Alten Rathaus. Bösl hat gerade mal eine einzige Flasche in seiner Kiste. "Und die habe ich auch noch mitgebracht", sagt er. "Nur gut, dass gerade Winter ist. Da mache ich ohnehin weniger Umsatz als im Sommer." Bösl bessert mit dem Flaschensammeln seine Rente auf. "Seinen Job" erfülle er mit Leidenschaft, wie er sagt. "Die Leute stecken mir auch einiges zu. Viele kennen mich. Da gibt's mal Gratis-Pfandflaschen, aber auch schon mal zwei Euro für einen Imbiss."

Bösl radelt jeden Tag nach Weiden. Das macht er schon seit 2002. Die Zahlen auf seinem Tacho, der inzwischen zigfach überschrieben wurde, sprechen für sich: "In den vergangenen 19 Jahren bin ich 245.000 Kilometer geradelt." Darauf sei er stolz.

Info:

So viel Geld bringt das Flaschenpfand

  • Die Höhe des Flaschenpfands ist nicht verhandelbar. Händler müssen Verbrauchern den gesetzlich vorgeschriebenen Betrag auszahlen.
  • Bei Einwegflaschen mit dem DPG-Zeichen erhalten Verbraucher 25 Cent zurück.
  • Für die meisten Bier-Flaschen gibt es 8 Cent.
  • Für andere Mehrwegflaschen gibt es 15 Cent. Hier handelt es sich meist um Glasflaschen.

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