02.10.2020 - 15:35 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weiden-Ost Schauplatz für "Beckenrand Sheriff"

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Marcus H. Rosenmüller dreht in der Vohenstraußer Straße in Weiden Nachtaufnahmen für seinen neuen Film. Mit Blaulicht, Stunts und einer Verfolgungsjagd.

Regisseur Marcus H. Rosenmüller (links) und Sebastian Bezzel (Mitte) besprechen die nächste Einstellung.
von Helmut KunzProfil

„Auf geht’s. Packen wir’s an mit Schwung!“, motiviert Marcus H. Rosenmüller seine Mannschaft. Dreimal darf Peter Meiler mit seinem Mercedes SLC 280, Baujahr 1977, im Hintergrund fett durchs Bild fahren. Die Vohenstraußer Straße einmal rauf und runter. Immer an der Polizeistreife vorbei, die gerade drehbuchgerecht eine Motorradfahrerin überprüft. Schließlich lässt Rosenmüller den Weidener dann doch von seiner Assistentin zurückpfeifen. Meilers Auto sei zu laut für diese Szene, meint Star-Regisseur "Rosi" und lässt kurzerhand Meilers ganzen Stolz gegen den BMW eines anderen Komparsen austauschen.

Das Fahrzeug mit dem Stern wird im neuen Rosenmüller-Kinofilm „Beckenrand Sheriff“ definitiv also nicht zu sehen sein. Meiler nimmt’s gelassen. Die Chance, sich im fertigen Film doch noch selber entdecken zu können, sei gar nicht mal so schlecht, sagt er. „Ich bin heute zum dritten Mal dabei.“ Vor wenigen Tagen stand er schon mal für die Produktion vor der Kamera, als Mitglied einer Statistengruppe, die in Pleystein gegen die Schließung des Freibads demonstrierte.

Die wichtige Ausfallstraße im Weidener Osten ist in der Nacht von Donnerstag auf Freitag für den gesamten Verkehr gesperrt. In Höhe Biberstraße/Hirtenweg hat die Filmcrew ihr Equipment aufgebaut. Das Catering befindet sich unten im Bauhof. Ein Gewusel an Mitarbeitern und Filmtechnikern. Dazu Kameras, Beleuchtung, Ton. Sicherheitsleute schließen Autos, die mit dem Dreh nichts zu tun haben, weiträumig weg. Trotzdem schlüpft das eine oder andere Anwohner-Fahrzeug durchs Netz. Zuschauer sind geduldet, müssen sich aber an die Anweisungen halten. Die Crew trägt Mund-Nasenschutz-Masken. Auch Meiler muss sich alle paar Tage einem Corona-Test unterziehen und das negative Ergebnis der Produktionsleitung vorlegen. „Sonst dürfte ich nicht mitmachen."

Eine Frau aus Floß fotografiert und filmt das Set mit ihrem Handy. Die Verantwortlichen sehen das nicht gern. Geparkt hat sie in einer Seitenstraße. „Ich war gerade auf dem Heimweg und konnte nicht durch. Jetzt schau ich mich hier um. Ich will Promis sehen. Wann wird bei uns schon einmal ein Film gedreht? So oft kommt das nicht vor. Schön, wenn hier mal was los ist.“ Rund 60 Neugierige, auch Kinder, beobachten die Dreharbeiten. Es macht ihnen überhaupt nichts aus, immer wieder die Straßenseite wechseln zu müssen. Kein Fremder darf im Bild zu sehen sein.

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Pleystein

Drei Minuten Film pro Tag seien die Regel, so heißt es. Beim Dreh muss man viel Geduld aufbringen. Das bekommt auch Günter Kaudel mit. Seit zwei Stunden steht er sich die Beine in den Bauch. "Ich will das auch sehen", sagt er. "Gesehen habe ich allerdings noch nicht viel. Die machen zehnmal das Gleiche." Seit einer Woche weiß der Anwohner, dass hier heute Nacht Filmarbeiten stattfinden würden. "Wir hatten Post in den Briefkästen und wurden darauf hingewiesen, dass es durchaus etwas lauter werden könnte."

Kulissenbauer legen einen fiktiven Zebrastreifen quer über die Biberstraße. „Keine Angst, morgen früh um 6 Uhr ist der wieder weg.“ Später muss er nochmal nachgeglättet werden, weil hin und wieder Anwohnerautos durchgelassen werden müssen. Einmal muss die Straße kurz für einen Notarzteinsatz geräumt werden.

Unmittelbar hinter der Zebrastreifen-Attrappe parkt ein weißer VW-Käfer mit britischem Kennzeichen: „LMW 28 IF“. Dämmert was? 1969 - Beatles - Abbey Road. Welche Rolle dieser Käfer im Film spielen wird, bleibt ein Geheimnis. Vier Crew-Mitglieder marschieren zur Gaudi von Regisseur Rosenmüller über den Streifen. Der hält den Gänsemarsch des Quartetts mit seinem Handy fest. Überhaupt geht es am Set sehr locker und familiär zu. Die einzige laute Stimme, die trägt, gehört dem Aufnahmeleiter. "Wir drehen. Ruhe bitte!"

Knapp zwei Stunden lang dauern allein die Szenen mit einem Motorrad. Die Honda CB 200, ein 1975er Baujahr, hat nämlich wenig Lust sich mit den beiden Schauspielern Sarah Mahita (wird von einer Stuntfrau gedoubelt), Dimitri Abold und dem Schaumstoffkameraden Mister Ed auf dem Sattel die Straße hinunter zu quälen. Die Maschine muss mehrmals kräftig angeschoben werden. "Auf geht's. Nur keine Müdigkeit vortäuschen!" Rosenmüller sitzt im VW-Bus, der das Motorrad mit einer Kameravorrichtung die Straße runter Richtung TÜV verfolgt.

Gegen Mitternacht tritt unmittelbar vor dem Zebrastreifen ein Stuntman im Porsche kräftig auf die Bremse. Anlauf genommen hat er weit hinten in der Biberstraße. Der Grund für den abrupten Stopp: Eine Entengruppe überquert die Straße. Vom Federvieh ist allerdings weit und breit nichts zu sehen. Die Tiere werden später per Computeranimation zugespielt. Nach wenigen Minuten springt Franz-Eberhofer-Darsteller Sebastian Bezzel in der Rolle des Bauunternehmers Albert Dengler geschockt aus dem Auto. Auch er soll im Laufe der Nacht noch gehörige Schwierigkeiten mit der Film-Polizei bekommen.

Ein Nachbarin Kaudels holt einen Pappbecher unter ihrem Mantel hervor. "Ich bin einfach rüber zu Sebastian Bezzel, als er sich gerade einen Kaffee holte. Da habe ich ihn um ein Autogramm gebeten. Weil er keine Autogrammkarte dabei hatte, schrieb er seine Unterschrift auf diesen Pappbecher." Der werde jetzt in ihrer Wohnung einen Ehrenplatz bekommen. Wie er so war, der Bezzel? "Nett. Er wirkte aber etwas angestrengt, musste ja gleich wieder weiterdrehen."

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Kommentare

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Roxanne Dudek

Das war so nervig. Ich bin nach der Fahrschule zur Tanke zu Fuß und wieder zurück weil ich da wohne und die wollten mich nicht durchlassen aus einem 4 min heim weg wären fast 25 min weg geworden. Als ob mich das interessiert was die da machen.. war schon von 6 Uhr morgens auf und so lange in der Arbeit dann fahrschule, total müde und dann das.. hätten die darauf weiter bestanden dann wäre ich einfach durch.. ich war sowas von müde... als ob ich außen rum laufen würde an der Schule und der Schneckenbrücke vorbei und fast bis zur Ampel vor an der vohenstaußer str

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