14.06.2019 - 16:38 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weiden will kommunale Hilfspolizisten

Ein kommunaler Ordnungsdienst soll künftig die Polizei unterstützen. Obwohl die Anzahl der Kriminalitätsdelikte in Weiden so niedrig ist, wie seit zehn Jahren nicht, will OB Kurt Seggewiß diesen Vorschlag dem Stadtrat schmackhaft machen.

Zwei Mitglieder vom „Freiwilligen Streifen- und Ordnungsdienst“ gehen im niedersächsischen Stade durch die Fußgängerzone. Die Maßnahme soll das Sicherheitsgefühl der Bürger stärken. Das Polizeipräsidium Oberpfalz und Oberbürgermeister Kurt Seggewiß fänden so etwas auch in Weiden gut. Es handle sich dabei um etwas anderes als die Sicherheitswacht oder "Senipol".
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Die Spitzen der Oberpfälzer Polizei empfehlen dem OB diesen Schritt in einem Sicherheitsgespräch am Freitag. Regensburg hat so einen Ordnungsdienst bereits, in Amberg hat der Stadtrat dafür gestimmt.

Doch auf den ersten Blick passt dies nicht zur Kriminalitätsstatistik 2018 in der Stadt. "Zwei von drei Straftaten werden aufgeklärt", freut sich Präsident Norbert Zink aus Regensburg über die Arbeit seiner Weidener Kollegen. Zudem sinken seit Jahren die Häufigkeitszahlen. 3140 Straftaten bedeuten einen neuen Tiefstwert seit 2009.

Trotzdem: "Wir haben ein paar Hotspots, wo die Ressource Polizei Unterstützung gebrauchen könnte", sagt Seggewiß. Auf Nachfrage nennt er als Beispiele den ZOB und das Stadtbad. Außerdem gebe es in der Stadt relativ viele Ladendiebstähle, ergänzt Polizeidirektor Klaus Müller. Diebstähle machen überhaupt das Gros der Straftaten aus. 2018 waren es 853. Das entspricht 27 Prozent aller Delikte. Darunter sind auffallend viele geklaute Fahrräder.

Weniger Einbrüche

Das alles fällt unter "Straßenkriminalität". Sie ist fast der einzige Wert, der eine erfreuliche Bilanz der Beamten ein bisschen verhagelt. Bei Körperverletzung (113 Fälle), Sachbeschädigung (370) oder Wohnungseinbrüchen (8 Versuche, 6 tatsächliche) zeigt die Kurve weiter nach unten. Ähnliches gilt für den Bereich um den Bahnhof, für den die Bundespolizei zuständig ist.

Warum dann ein kommunaler Ordnungsdienst? Polizeipräsident Zink spricht von einem bundesweiten Phänomen. Die objektive Sicherheitslage steige in allen Ländern, doch die Bürger fühlten sich zunehmend bedroht. Vor allem Innenstädte lösten bei bestimmten Menschen ungute Gefühle aus. Etwa bei älteren Damen. Zink: "Sie haben die meiste Angst, obwohl sie statistisch am seltensten Opfer werden."

Allerdings bestechen auch manche Ecken in Weiden nicht durch Lieblichkeit. Beispiel ZOB: Schlägereien, Betrunkene, Pöbeleien, Verstöße gegen das Kontaktverbot, rechtsradikale Musik, penetrante Bettelei - mit all dem hatte die Polizei vergangenes Jahr am Busbahnhof zu tun. "Wir hatten da schon mal Aufpasser", erklärt Seggewiß. "Das hat geholfen, aber kaum waren die weg, wurde es wieder schlechter." Der OB denkt an zwei bis drei Leute für den Ordnungsdienst. Das muss allerdings erst durch den nächsten Haushalt. "Ich weiß nicht, ob ich das noch in meiner Amtszeit erlebe", blickt er Richtung 2020.

Mit einer Entwicklung in der Nähe des ZOB ist die Polizei dagegen hochzufrieden. Gab es 2017 noch 132 Anzeigen in der Tuningszene rund um das Parkhaus an den Naabwiesen, waren es 2018 nur noch 20.

Dafür ist die Statistik im Bereich Rauschgift durchwachsen. Mit 346 Delikten ist der Stand annähernd so hoch wie 2017. Das spricht aber auch für Ermittlungserfolge und Ermittlungsdruck der Beamten. Am häufigsten werden in Weiden Cannabisprodukte und Crystal Meth konsumiert. Zum Leidwesen von Thomas Gallei von der Kriminalpolizei ist auch Heroin wieder auf dem Vormarsch, "zum Teil im zweistelligen Grammbereich". Häufig kommt es aus Norddeutschland oder Nordrhein-Westfalen.

Mehr Handysünder

Bei den Verkehrsunfällen sieht es wieder besser aus, erklärt Polizeivizepräsident Thomas Schöniger. 1589 Mal krachte es in der Stadt insgesamt. Dabei wurden 301 Menschen verletzt, eine Frau kam auf der A 93 bei Frauenricht ums Leben. Unterm Strich ist es der niedrigste Wert seit 2015. Risikofaktoren hinter dem Steuer sind junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren sowie Senioren über 65. Letztere verursachten 181 Unfälle mit 44 Verletzten. Das ist ein Zehn-Jahres-Höchstwert.

Daneben erwischt die Polizei immer mehr Handysünder. 2018 waren es 439 (2017: 238). Interessant ist ein Aspekt bei Fahrerfluchten, bei denen viele an missglückte Parkmanöver vor Supermärkten denken. Tatsächlich machen die nur 11 Prozent aus. "Das ist kein Kavaliersdelikt. Bleiben Sie an der Unfallstelle, und wenn Sie etwas beobachten, rufen Sie die 110", bittet Schöniger. Das gilt auch in Sachen Diebstähle und Einbrüche, unterstreicht Präsident Zink: "Wenn Ihnen in Ihrer Straße etwas komisch vorkommt, überwinden Sie einfach die Hemmschwelle und rufen Sie schnell 110."

In Weiden lebt es sich sicher. Dieser Ansicht sind (von links) OB Kurt Seggewiß, Polizeipräsident Norbert Zink und sein Vize Thomas Schöniger.
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