26.03.2020 - 16:08 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Gärtnereien: Viele Frühjahrsblüher landen auf dem Kompost

Primeln, Gänseblümchen, Osterglocken stehen zur Zeit in voller Blüte. "Die Schließung kommt zur Unzeit", sagt Obermeister Andreas Gloßner. Was in den nächsten Wochen nicht weggeht, landet auf dem Kompost.

Ein buntes Blütenmeer bestimmt zur Zeit das Bild in der Gärtnerei von Wolfgang Krauß. Doch wenn die Frühjahrsblüher in drei Wochen nicht verkauft werden können, landen sie auf dem Abfall.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

"Das ist eine dramatische Lage", urteilt Andreas Gloßner. Der Weidener Gärtnermeister steht an der Spitze der Gartenbaugruppe Weiden und Umgebung. In den Betrieben steht jetzt eigentlich die Hauptsaison an. Den Beginn machen die Frühjahrsblüher, die zum Großteil noch vor Ostern über die Verkaufstheken wandern. Doch seit Samstag müssen auch die Gärtnereien ihre Türen geschlossen halten. Trotzdem laufen die Arbeiten dahinter weiter.

Viele Betriebe setzen auf verstärkten Lieferservice. "Aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt Wolfgang Krauß. "Das rettet den Umsatz nicht, den wir ansonsten in dieser Zeit machen." Ausgeliefert wird ohne direkten Kontakt zu den Kunden. Ein Fahrzeug reicht im Moment, um die Bestellungen, die per Telefon, Mail oder über Facebook in seiner Gärtnerei eingehen, an die entsprechenden Adressen zu bringen. Krauß hofft, dass das noch mehr wird.

Floristinnen in Kurzarbeit

Für seine fünf Floristinnen hat er bereits Kurzarbeit angemeldet. Fünf weitere Mitarbeiter hat er in der Produktion. Die benötigt er dringend. "Wir ziehen ja auch Salate, Gemüsepflanzen und Kräuter", sagt Krauß. "Die müssen jetzt gedüngt, gegossen und gepflegt werden. "Das schaff' ich unmöglich alleine."

Seine große Hoffnung ist, dass der Verkauf nach Ostern wieder erlaubt wird. "Das könnte uns retten." Denn was die Branche bis Mai nicht verdient habe, sei den Rest des Jahres nicht mehr aufzuholen.

Zwei Drittel des Jahresumsatz würden ab Mitte/Ende März bis Mitte Juni gemacht, erklärt auch Ulrike Steinhilber. Ihr Mann Kurt Steinhilber betreibt die Gärtnerei in Schirmitz, sie selbst das Blumengeschäft in der Tannenbergstraße/Ecke Leuchtenberger Straße. Sie haben zehn Floristen, für die Kurzarbeit angemeldet wurde. Die Gärtner arbeiten weiter in der Produktion.

Sommerware benötigt Platz

Zwar setzt auch der Betrieb in Schirmitz auf Lieferservice. Trotzdem geht Ulrike Steinhilber davon aus, dass ein Großteil der Frühjahrsware zur Wegwerfware wird, falls die Geschäfte in drei Wochen nicht wieder öffnen können. Aurikel, Ranunkel, Gänseblümchen: "Wir haben an die 100000 Pflanzen, weil wir auch für den Großhandel produzieren. Wenn wir das nicht verkaufen können ...". Jedes Gärtner- und Floristenherz würde da bluten. "Aber wir brauchen diesen Platz auch für die Sommerware." Als da wären, Gemüsepflanzen, Salat und Kräuter.

Von einer drohenden Insolvenz geht Ulrike Steinhilber trotzdem nicht aus. Eine Soforthilfe für den Zierpflanzenanbau gibt es bisher noch nicht. Der Bayerische Gärtnereiverband mache sich aber dafür stark. "Wir werden wohl einen Kredit aufnehmen müssen." Denn der Betrieb will Entlassungen vermeiden. Sie setzt darauf, dass das Geschäft im nächsten Jahr wieder besser läuft. "Die Gesundheit geht jetzt vor. Das ist klar. Wir müssen froh sein, wenn wir alle gesund da raus kommen."

"Irgendwie wird's weitergehen", meint auch Andreas Gloßner, der einen Teil seiner Mitarbeiter in der Grabpflege einsetzt. Alle Betriebe seien derzeit in der Bredouille, wobei sich andere Waren länger halten würden als Pflanzen. Obwohl er mit Sorge in die Zukunft schaut, gibt er sich zuletzt optimistisch: "So lange die Sonne jeden Tag aufgeht, geht's weiter. Denn dann wächst wieder was."

Hinter den verschlossenen Türen der Gärtnerei sind Wolfgang Krauß und seine Mitarbeiter derzeit mit der Pflege der jungen Salat- und Gemüsepflanzen beschäftigt.
Händlerin gibt Sortiment kostenlos ab:

Mit Blumen Freude schenken

Der Beschluss kam spontan. Nachdem klar war, dass Ulrike Steinhilber in ihrem Blumenladen an der Leuchtenberger Straße den Verkauf stoppen muss, wollte sie anderen Menschen in dieser Zeit "wenigstens ein bisschen Freude schenken".

"Eine kleine Geste", wie sie sagt. Sie stellte ihre Frühjahrsblüher Anfang der Woche vor das Geschäft mit dem Hinweis, jeder dürfe sich kostenlos bedienen. "Die Ware war an einem Tag ratzeputz weg."

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.