22.04.2019 - 18:27 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Helfer entsetzt über Anschläge in "seinem" Sri Lanka

Der Weidener Sri-Lanka-Experte Richard Jedrys ist von den Anschlägen "total überrascht" worden. Noch vor einigen Tagen hat er mit Bekannten auf der Insel telefoniert. Anzeichen für ein Attentat seien nicht zu erkennen gewesen.

Richard Jedrys aus Weiden war als Entwicklungshelfer immer wieder auf Sri Lanka. Aber auch er wurde von den Anschlägen am Ostersonntag überrascht.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

"Völlig geschockt", "total überrascht": Richard Jedrys ist die Bestürzung über die Ostersonntag-Anschläge von Sri Lanka auch am Montag noch anzumerken. Dabei ist der Weidener ein Experte für den Inselstaat. Über Jahre leitete er den Verein "Familien Nothilfe Sri Lanka", war für Hilfsprojekte immer wieder auf der Insel, zuletzt vor zwei Jahren. Dann zwang ihn seine angeschlagene Gesundheit, das Amt abzugeben, und Mangels Nachfolger den Verein aufzulösen.

Kontakt hält er weiter, derzeit ist eine Lehrerin in Weiden zu Besuch, die die Patenkinder der Familie Jedrys in Sri Lanka unterrichtet. "Auch sie war völlig überrascht", sagt der 70-Jährige. Vor zehn Jahren ging in dem Inselstaat ein mehr als 25 Jahre andauernder Bürgerkrieg zu Ende. "Alle waren einfach nur froh, dass endlich Ruhe eingekehrt war", schildert Jedrys seine Erfahrung.

Christen und Muslime zählen zu den Minderheiten, die Mehrheit der Menschen sind Buddhisten, die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe stellen die Hindus. Im Bürgerkrieg standen sich die Regierung und indischstämmige Tamilen gegenüber, die einen unabhängigen Staat wollten. Muslime haben während dieses Krieges laut Jedrys, wenn überhaupt, nur eine Nebenrolle gespielt. Sogar während der Kämpfe konnte er durchs Land reisen, berichtet der Weidener. Beide Bürgerkriegsparteien hätten damals die Sicherheit von Europäern geachtet. Woher nun der Hass auf westliche Touristen und Christen komme - er wisse es nicht.

Wenige Tage vor dem Anschlag telefonierte Jedrys via Skype noch mit Bekannten auf der Insel. In dem Gespräch gab es keinerlei Anzeichen für eine Zuspitzung der Situation. Nach dem Anschlag konnte er seine Bekannten noch nicht erreichen. So ist Jedrys auf seine Erfahrung angewiesen, um die künftige Entwicklung einzuschätzen. Er geht davon aus, dass das immer noch sehr starke Militär in den nächsten Wochen und Monaten seine Präsenz verstärken wird. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass so schnell nochmals etwas passieren wird." Dafür dürfte es deutlich stärkere Kontrollen geben.

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