11.03.2021 - 12:44 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Innenstadt: Lang diskutierte Ideen endlich umsetzen

Die Weidener City verödet. Kann ein Runder Tisch mit allen Akteuren helfen, die Misere zu überwinden? Ideen gibt es doch schon, heißt es im Stadtrat – man müsse sie nur endlich mal umsetzen.

Die Coronapandemie verschärft die Entwicklung, dass die Weidener Innenstadt verödet. Sie "mutet an wie eine Geisterstadt", meint OB Jens Meyer.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Nach einem Jahr Pandemie und vielen Wochen Lockdown schwindet bei zahlreichen Händlern und Gastronomen die Hoffnung. Diesen Freitag um 11 Uhr weisen sie mit einer Aktion am Oberen Markt auf ihre Lage hin. "Es geht um die nackte Existenz", weiß Oberbürgermeister Jens Meyer. Er erzählt aus Gesprächen mit den Betroffenen, in denen immer häufiger der Satz falle: "Ich weiß nicht, wie lange ich noch durchhalte."

Aktion der Händler am Freitag, 12. März

Weiden in der Oberpfalz

Der Innenstadt droht die Verödung – schon jetzt fühlt sich Meyer an eine "Geisterstadt" erinnert. Wie kann ihr neues Leben eingehaucht werden? Wie kann der stationäre Handel dauerhaft gegen die großen Online-Anbieter bestehen? Im Stadtrat wirbt Meyer für einen Runden Tisch, einen ständigen Austausch zwischen allen Beteiligten. Allerdings wird auch Kritik laut: Um die City attraktiver zu machen, hätte die Stadt lang diskutierte Vorhaben einfach mal umsetzen müssen, betont unter anderem CSU-Fraktionsvorsitzender Benjamin Zeitler.

Wo bleibt die Barrierefreiheit?

"Der Austausch alleine wird nichts beschleunigen", sagt Zeitler. Die Stadt solle nicht nur "Ideen sammeln, sondern auch umsetzen". Er erinnert an die Barrierefreiheit in der Fußgängerzone, bei der nichts vorangehe. "Umsetzen ist das Wichtigste überhaupt", stimmt Rainer Sindersberger (FDP/Freie Wähler) zu. Vor acht Jahren sei ein neues Beleuchtungskonzept diskutiert worden, Regensburg habe es ein Jahr später verwirklicht – im Gegensatz zu Weiden. Über die Barrierefreiheit werde seit zwölf Jahren gesprochen. "Bis heute haben wir es nicht geschafft, Gehplatten in die Altstadt zu legen." Stadtkämmerin Cornelia Taubmann nennt den Grund dafür: Bis 2018 hätte die Stadt einen Großteil der Kosten auf die Anlieger umlegen müssen, was nicht gewünscht gewesen sei. Unabhängig davon urteilt Sindersberger: "Eigentlich haben wir all die Dinge schon benannt, die wir ändern müssen."

Völlig pessimistisch äußert sich Manfred Schiller (AfD), selbst Einzelhändler: "Man darf nicht glauben, dass man mit dem Runden Tisch die Entwicklung aufhalten kann. In der Pandemie wird sie sich weiter verschärfen." Eigentlich habe der Niedergang der Innenstadt bereits in den 80er Jahren begonnen, als die Fußgängerzone kam, Parkplätze vor den Läden wegfielen und sich das Geschäft zu den Centern in den Außenbereichen verlagerte. Nach Schillers Überzeugung besteht die Chance der Innenstadt allein "in kulturellen und gastronomischen Aspekten" und darin, junge Leute für das Wohnen in der Altstadt zu begeistern.

Runder Tisch als "Game-Changer"

SPD-Fraktionschef Roland Richter erkennt im Runden Tisch die Möglichkeit, Kompetenzen zu bündeln und Nutzungskonflikte in der Altstadt auszugleichen. Die Themen reichten von Barrierefreiheit und Sicherheit bis hin zu Parken, ÖPNV, W-Lan sowie Digitalisierung der Geschäfte vor Ort, bei der die OTH helfen könnte. Solche Kommunikationsplattformen von Stadt und allen Akteuren hätten sich bewährt, erinnert Richter an den Runden Tisch zum heutigen NOC: "Das war der Game-Changer." Nach Förderprogrammen zur Belebung der Ortskerne erkundigt sich Brigitte Schwarz (SPD). Hier sei die Stadt auf dem Laufenden, versichert Taubmann. Als Beispiel den zweiten Anlauf fürs Programm "Smart City". "Wenn wir irgendein Förderprogramm finden, packen wir's sowieso an."

Einen Kritikpunkt an Meyers Initiative hat auch Genosse Richter: Der Bericht des OB diente lediglich zur Kenntnis. Der SPD-Fraktionschef hätte gerne abgestimmt: "Jawoll, der Runde Tisch wird eingerichtet!" Denn der versammle "viel Herzblut, viel Engagement" – "die Stadt wäre ja doof, wenn sie das nicht nutzen würde". Dabei hat Jens Meyer bereits vorher deutlich gemacht, dass er sein Vorhaben auch ohne Beschluss intensiv weiterverfolgen will: "Es ist mir eine Herzensangelegenheit."

Einzelhandelssprecher Tobias Sonna im Interview

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Runder Tisch Innenstadt

  • Funktion: Kompetenzen der gesamten Stadtgesellschaft bündeln, um die Attraktivität der Innenstadt zu steigern.
  • Ziele: unter anderem bauliche Aufwertung, neue Nutzungen in Leerständen, Barrierefreiheit, höhere Aufenthaltsqualität.
  • Teilnehmer: unter anderem Vertreter von Stadt, Gastronomie und Einzelhandel, Stadtmarketing, IHK, Wirtschaftsclub, NOC und City-Center, Wochen- und Bauernmarkt, Schaustellern und Immobilienbesitzern.
  • Auch eine "nachhaltige Bürgerbeteiligung" sei bei den Beratungen erwünscht.

 

 

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