22.07.2021 - 17:45 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidener Stadtrat nach zwei Jahren enttäuscht: Baulandsuche stößt an enge Grenzen

Die Suche nach Wohnbauland ist in der Stadt Weiden schwieriger denn je. Ein neuer Flächennutzungsplan soll für Entspannung sorgen. Seit 2018 diskutieren die Stadträte. Stefan Rank (Bürgerliste) nennt die bisherigen Ergebnisse "jämmerlich".

Als Fläche mit der "Nummer 24" rücken die Äcker in den Naabwiesen, jeweils gegenüber Edeka-Markt (rechts) und Schützenhaus als Wohnbauland in den fortgeschriebenen Flächennutzungsplan. Ein Investor aus Weiden plant hier seit längerem einen großzügigen Geschosswohnungsbau.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Die Stadt Weiden hat einen Zweispalt aufzulösen: Die Staatsregierung hat das Motto vom sparsamen Umgang mit Flächen ausgegeben. Zudem gilt der Grundsatz "Innen- vor Außenentwicklung". Bauverwaltung und das mit dem Entwurf der Fortschreibung des Flächennutzungsplanes beauftragte Fachbüro Dragomir (München) kommen an diesen Vorgaben nicht vorbei. Gleichzeitig sollen sie aber Entwicklungsflächen für eine Wohnbebauung finden.

Baulandausweisung schwierig

"Wir werden den rechtlichen Nachweis führen müssen, dass die zusätzlich ausgewiesenen Wohnbauflächen notwendig sind. Ich will nicht verschweigen, dass wir Hürden sehen. Aber wir versuchen, uns zu präparieren. Unser spezifischer Bedarf lässt sich ableiten. Für Einfamilienhaus-Grundstücke in der Stadt gibt es eine extrem hohe Nachfrage", betont Baudezernent Oliver Seidel im Bau- und Planungsausschuss.

Deshalb untersuchte das Planer-Team bisher mehr als drei Dutzend Gebiete, erstellte "Flächensteckbriefe", bewertete Vor- und Nachteile, vergab Punkte. Über die Eignung der verschiedenen Areale diskutieren Bauausschuss und Stadtrat. Dabei war auch schon eine Ehrenrunde fällig, in denen die Noten nochmals geprüft wurden. Am Montag wird der Stadtrat wieder über Baulandausweisung diskutieren.

Wunderbares Baugebiet

In der Sitzung des Bauausschusses stand besonders eine Fläche in Weiden-Ost (nordwestlich der Einmündung der Südost-Tangente in die B22, westlich Butterhof) im Fokus. Großer Vorteil: Der Grundstückseigentümer (unter anderem auch einer Dauerkleingarten-Anlage) ist an der "Entwicklung" seiner Fluren interessiert, so dass hier relativ schnell gebaut werden könnte.

Allerdings kündigt etwa Stadtrat Bernhard Schlicht (Freie Wähler) seinen Widerstand an. Das Vorhaben berge großes Konflikt-Potenzial: Das Baugebiet greife ins Biotop Schirchendorf-Graben ein, verhindere die möglichen Verlängerung der Südost-Tangente zur Staatsstraße nach Tröglersricht.

Lückenschluss logisch

Derartige Konflikte sehen aber weder Gerald Bolleininger (SPD) noch Hans Sperrer (CSU). Diese zusätzliche Baufläche sei ein wunderschönes Angebot für Bauwillige. Zu den wertvollen Naturschutzflächen werde selbstverständlich Abstand gehalten. Sperrer erwartet nicht, das die Südost-Tangente je nach Osten weitergebaut wird. "Alle, die hier von einer Straße träumen, werden dasselbe erleben wie wir mit dem Gewerbegebiet Weiden-West IV", prophezeit er. Für Stefan Rank (Bürgerliste) ist aber auch beides möglich: Wohngebiet und Straßenverlängerung. Der Lückenschluss vom Butterhof nach Tröglersricht sei die "logische Vollendung des Tangentennetzes". Dazu erklärt Baudezernent Seidel, dass bei der weiteren Bearbeitung des Mobilitätskonzeptes (es wird ebenfalls am Montag im Stadtrat beraten) die Verlängerung der Tangente vertieft untersucht werde.

Enttäuscht zeigt sich Stefan Rank. Er vertritt die Ansicht, dass nur mit einem großzügigen Angebot an Wohnbauflächen die Grundstückspreise in Weiden auf ein vertretbares Niveau zurückgeführt und Bauwillige in der Stadt gehalten werden könnten. Es sei "jämmerlich", was von der untersuchten Gebieten nun tatsächlich als Wohnbauentwicklungsflächen übrig bleibe. "Das ist erschreckend wenig. Der Berg hat eine Maus geboren."

Dazu betont Seidel, dass die Planer für alle denkbaren Flächen eine fachliche Bewertung vorgenommen hätten. "Wenn wir in diesem Planungshorizont von 15 bis 20 Jahren keine Verwertung sehen, dann werden wir darüber nachdenken müssen, wie sich unsere Stadt weiterentwickelt. Dann müssen wir die ein oder andere Fläche wieder aus der Reserve ziehen."

Am Montag, 26. Juni, haben die Planer und die Stadträte im Gustl-Lang-Saal der Max-Reger-Halle ab 15 Uhr wieder das Wort.

Hintergrund:

Neues Bauland ausweisen

  • Künftiger Baugrund in Weiden-Ost: 4,7 Hektar östlich Auffahrt Südost-Tangente zur B 22, 7000 Quadratmeter Ecke Schirmitzer Weg/Leuchtenberger Straße (südlich Postkeller) sowie im Nordwesten entlang des Edeldorfer Weges
  • Gut 4,7 Hektar in den Naabwiesen am Krebsbach (gegenüber Schützenhaus und Edeka für Geschosswohnungsbau)
  • Gänzlich neu: 1,4 Hektar südlich Schustermooslohe (bisheriges Kleingartengebiet)
  • Rothenstadt Schließung innerer Baulücke in
  • Rehbühl: 7,2 Hektar Am Rehmühlbach sowie Flächen hinüber zum Gewerbegebiet Pfreimter Weiher
  • Hammerweg: Östlich Schubertstraße ("so groß wie möglich“).
  • ArrondierungBereits im Jahr 2018 votiert der Stadtrat für die Aufnahme von mehr als zehn weiteren Arrondierungsflächen in den Vorentwurf des Flächennutzungsplanes

 

 

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