12.11.2018 - 18:44 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidenerin verlor fast alles bei Feuer in Kalifornien

Das Paradies ist zur Hölle geworden: Ein Feuer hat den Ort Paradise im Norden Kaliforniens fast völlig zerstört. Betroffen ist auch eine dort lebende Weidenerin. Sie und ihre Familie verloren fast alles. Sie freuen sich über Spenden.

von Sonja Kaute Kontakt Profil

"Ich hab' gemeint, wir sterben, weil so viele Autos auf der Straße waren und wir direkt an dem Feuer vorbeifahren mussten. Mein Sohn hat immer wieder gesagt ,Mami, da ist Feuer!'" Kerstin Norten, geborene Kriemer, erinnert sich an die Flucht aus ihrem Heim am Donnerstag. "Gegen 6.30 Uhr ist die Feuerwehr gerufen worden. Um 8 Uhr habe ich das Haus verlassen. Unser Mitbewohner wollte seine Tochter in die Schule bringen und meinte ,Es regnet Asche'. Ich bin raus, da war schon überall Rauch und starker Wind. Mein Mann Justin war in Sacramento und hatte um 4 Uhr das Haus verlassen." Die 32-Jährige nimmt Sohn Alex, der gerade erst drei Jahre alt geworden ist, die zwei Katzen und zwei Hunde, rafft ein paar Kleidungsstücke für Ehemann und Sohn zusammen ("Für mich habe ich nichts eingepackt"), sammelt drei Zahnbürsten ein und stopft Papiere in eine Tüte. "Ich hoffe, dass da alle wichtigen Dokumente drin sind", sagt sie. "Dunkel wie mitten in der Nacht" sei es gewesen, als sie das Haus verließ. Zurückgekommen ist die 32-Jährige bisher nicht: "Innerhalb weniger Stunden ist die ganze Stadt abgebrannt."

Ein Bekannter der Familie schleppt vor Ort verbrannte Autos ab. "Er hat Fotos von unserer Straße gemacht. Deshalb wissen wir, wie es dort aussieht." Zwei Dinge scheinen das Feuer überstanden zu haben: das große Planschbecken der Familie sowie ein Spielzeug, das die 32-Jährige ein paar Tage zuvor zum Mitnehmen für andere auf die Straße gestellt hatte. Auf einem Foto ist inmitten der Trümmer die Waschmaschine zu erkennen. Das macht der Weidenerin Hoffnung: "Ich hatte zwei Stunden vor der Flucht Wäsche angestellt. Vielleicht ist sie noch in der Maschine."

Die junge Mutter ist mit Sohn und Tieren bei ihrem Schwiegervater nahe San Francisco untergekommen. Ihr Ehemann, den sie in Vilseck kennengelernt hat, bleibt bei einem Bekannten in Sacramento. "Wir versuchen, sehr positiv zu sein. Wir sind froh, lebend da rausgekommen zu sein und bekommen viel Unterstützung von den Familien und Freunden hier und in Deutschland. Alles ist ersetzbar, aber unser Leben nicht."

Wie viel der Dreijährige von der Katastrophe mitbekommen hat, ist nicht klar. "Wir wissen nicht, ob er das versteht. Aber er erzählt jedem, dass seine Spielsachen abgebrannt sind und dass er bald neues Spielzeug bekommt." Seine Eltern versuchen, sich nicht anmerken zu lassen, was passiert ist. Am meisten schmerzt Kerstin Norten der Verlust ihres Laptops, "wegen der Fotos von dem Kleinen und der Familie". Ebenfalls vermutlich verbrannt ist ein antiker Spiegel, den sie von ihrer Mutter bekommen hatte. "Der hat angeblich sogar den Zweiten Weltkrieg überstanden. Den kann man nicht ersetzen." Die Nortens hoffen auf Unterstützung vom amerikanischen Staat und auf Spenden. "Jeder Cent hilft. Wir sind für jede Kleinigkeit dankbar." Die Versicherung hat bereits signalisiert, für die privaten Sachen nicht aufzukommen.

Zurück nach Paradise wird die Familie nicht ziehen. Sie möchte in Sacramento ein neues Leben anfangen.

 

Kommentar:

Nicht vorstellbar - Angemerkt von Sonja Kaute

Man kann sich das alles nicht vorstellen, wenn man es nicht selbst durchgemacht hat, es ist einfach nur schrecklich. So schildert Kerstin Norten, was ihr und ihrer jungen Familie durch das Feuer in ihrem Wohnort in Kalifornien passiert ist. In der Tat: Es ist von Weiden aus nicht vorstellbar, wie es sich für die junge Frau anfühlt, von jetzt auf gleich das gesamte Hab und Gut zu verlieren, das Zuhause in Trümmern zu sehen. Noch dazu mit einem kleinen Kind, das nichts mehr zum Spielen hat. Aber das Ausmaß der Feuersbrunst wird von Weiden aus sichtbar: Die Fotos, die die Familie mit Weidener Wurzeln übermittelt, erinnern an Bilder aus Kriegszeiten. Umso beeindruckender, dass Kerstin Norten am Telefon gefasst wirkt und nicht zuletzt ihrem Sohn zuliebe versucht, positiv in die Zukunft zu blicken. Katastrophen wie diese rücken aber auch ins Bewusstsein, was wirklich wichtig ist im Leben. „Wir sind froh, dass wir alle heil raus sind, alles andere ist ersetzbar“, schreibt die gebürtige Weidenerin auf ihrer Facebook-Seite. Das und die Unterstützung der Familie sowie der Freunde aus der neuen und alten Heimat spenden ihr nun Trost und die nötige Kraft für einen Neuanfang.

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