21.09.2020 - 17:50 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidens erstes Tiny-House: So riesig ist winzig

Manch Wohnzimmer ist für sich allein schon größer. Doch hier reichen 34 Quadratmeter für ein ganzes Haus. Klein, aber fein. Alles ist da in diesem Tiny-House. Kein Gefühl von Enge in Weidens wohl erstem Wohn-Winzling in der Wiesenstraße.

von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Nicht nur die Planer und Bauherren, Stefanie und Harald Rippl, sind von ihrem "Sommer-Projekt" schwer begeistert. Auch die Gäste, die zur Einweihung am Freitag kommen, darunter Bürgermeister Lothar Höher, Baudezernent Oliver Seidel sowie Günther Kamm, Geschäftsführer der SGW Stadtbau, staunen über das Raumwunder. Seidel durfte sich mit seinen Mitarbeitern auch ein dickes Lob der Bauherren abholen. Es habe natürlich Diskussionen gegeben. Aber die Bauverwaltung sei den neuen Weg mitgegangen. Das Ergebnis überzeuge.

Komplette Wohnung

Gerade mal zehn auf knapp vier Meter groß, bietet das Tiny-Haus zwei Schlafzimmer, separate Toilette, Badezimmer, Küche (mit Induktionsherd, Spüle, Waschmaschine, Trockner) Essbereich (Vierer-Tischgruppe) sowie in der Mitte einen offenen Wohnbereich (mit TV, Wlan, Speed-Box, Espresso-Maschine, Elektro-Kaminofen mit Farbenspiel sowie ausziehbarer Couch für die Schlafplätze fünf und sechs). Den Wohnraum erweitern die breiten Glastüren auf die acht mal drei Meter große Terrasse.

Das eingeschossige Gebäude steht auf einem inzwischen "verkleideten" Tender, kann deshalb schnell bewegt werden. Geheizt wird mit Strom. Natürlich gibt's eine kontrollierte Be- und Entlüftung. Das Haus erreicht KfW-70-Standard, könnte zum KfW-Effizienzhaus 55 hochgerüstet werden.

Kind der Coronakrise

Das Ehepaar Rippl, das sich ansonsten alten Häusern verschrieben hat, bezeichnet sein jüngstes Projekt als "Kind der Coronakrise". "Im normalen Geschäftsbetrieb hätten wir nie die Zeit gefunden, uns mit dieser neuen Wohnform zu beschäftigen." Die Idee war nämlich schon älter.

Dem Trend folgend, hatten die Ripps für eine Fläche in Weiden-Ost, derzeit noch im Außenbereich, die Möglichkeiten erkundet, dort sogar eine Tiny-Haus-Siedlung zu errichten. Wenngleich sich diese Idee nicht realisieren lässt, so bleibt doch die Faszination der Häuschen. Schnell findet sich ein geeigneter Standort, eine kaum genutzte Restfläche an Wiesen- und Tannenbergstraße. Gerade mal 260 Quadratmeter misst der Garten mit altem Unterstand. "Nur Mähen und Saubermachen. Es hat genervt und Geld gekostet", gesteht Harald Rippl.

"Mit konventionellen Ideen kann man 260 Quadratmeter schlecht erschließen. Also ideale Voraussetzungen für was ganz anderes. Somit haben wir ein Tiny-House - wie ein Auto - konfiguriert. Größe, Aufteilung, Küche, Klimaanlage bis hin zu den Bodenbelägen, Möbeloberflächen und Gardinen. Das Gute: Man braucht nur eine Schottertragschicht, keine Fundamente, die später wieder schwer zu entfernen sind und natürlich die Anschlüsse." Das Gesamtinvest für das "Sommer-Projekt" einschließlich Gartengestaltung (mit reaktiviertem Brunnen), liegt übrigens zwischen 90 000 und 100 000 Euro.

Ideal für kleine Flächen

Das Ehepaar Rippl hofft, dass sein "Tiny" Bauprojekt in Weiden zum Umdenken führt. "Kleine Flächen, aber auch Grundstücke, die als Wertanlage gekauft und nicht benutzt werden, könnten angemietet und dann für fünf bis zehn Jahre mit einem Tiny-House bebaut werden" , erklären Stefanie und Harald Rippl. Dies seien zwar nur kleine Schritte, sorgten aber für Wohnraum und eine gewisse Nachverdichtung. Als Problem erwiesen sich die uralten Bebauungspläne, die überarbeitet und angepasst werden müssten. Und: "Unser Bauausschuss sollte weniger jeden Carport besprechen, sondern vielmehr den Weg ebnen für solche Bauprojekte. In Amberg wurde ein Teil eines Neubaugebietes für Tiny-Häuser ausgewiesen." Vorteil der kleinen Gebäude: Die "Bauzeit" sei kürzer, die Genehmigung einfacher, da viele der Hersteller bereits Zertifizierungen haben. Zwei Monate nach der Bestellung rollte der Tieflader aus Polen an.

Das Fazit der Rippls: "Klar, beim ersten Baby lernt man und es gibt einige Dinge, die ich beim nächsten Haus anders machen würde. Aber wie die Bilder zeigen, aus einer leerstehenden Fläche in Top-Lage ist echt was geworden. Und für Stefanie als Architektin und mich als ,Denkmal-Mensch' ist dies eine völlig neue Erfahrung mit einem wirklich ein gelungenen Projekt." Die Begeisterung hält also an.

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