13.06.2019 - 19:44 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Auf Wildkräuterexpedition mitten in Weiden

Kein Dünger, keine Kühe, volle Sonne: Scheinbar ideale Bedingungen für viele wilde Kräuter, Blumen und Gräser, die auf dem Gelände hinter dem Verlagsgebäude von Oberpfalz-Medien in Weiden wachsen. Expertin Waltraud Witteler ist entzückt.

von Stephanie Hladik Kontakt Profil

„Das ist eine richtige Freude“, entfährt es ihr immer wieder, als wir gemeinsam über den Parkplatz von Oberpfalz-Medien spazieren. Kein typischer Ort, an dem man eine vielfältige Flora vermuten würde. Waltraud Witteler hatte die Redaktion angesprochen, dass auf dem kargen Boden durchaus Interessantes sprießt. Vom Gehsteig aus habe sie im Vorbeigehen Kräuter im Randstreifen hinterm Zaun entdeckt. Wir wollen es genau wissen und laden die Wildkräuterexpertin ein. In einer knappen Stunde findet sie 37 verschiedene Kräuter und Wildblumen.

Es sprudelt nur so aus ihr heraus. Ein Pflanzen-Bestimmungsbuch hat sie zwar dabei, braucht es aber nicht. „Das habe ich alles im Kopf“, lacht Witteler. Einen „Glücksfall“ nennt sie die echte Kamille (zu erkennen an den eingeklappten Blütenblättern und der hohlen Knospe), die zwar etwas klein, aber dafür umso zahlreicher in der Mitte des Platzes prächtig gedeiht. Direkt daneben reckt sich die Hundskamille. Das gelb-weiße Köpfchen ist für den Laien von der „echten“ kaum unterscheidbar, nur das Blattwerk ist fedriger.

Es gibt viel zu entdecken: Weiß-Klee („Prima Hummelfutter“), Breitwegerich („Eine Trittpflanze, die Fußabdrücke verzeiht“), Schwarzer Senf, das kleine Fuchsschwanzgras, weißes Berufkraut („Heißt auch Feinstrahl“), Kuckuckslichtnelke ... Waltraud Witteler ist begeistert von der Artenvielfalt mitten in der Stadt. Sie will damit sagen: „Es lohnt sich, vor der eigenen Haustür mal genauer hinzuschauen.“ Die Expertin plädiert dafür, die Natur einfach mal machen zu lassen. „Die Pflanzen, die dann wachsen, sind genau die Pflanzen, die auch für den Boden an dieser Stelle geeignet sind.“ Von den Samenmischungen für Blühstreifen hält Witteler nicht viel. „Die Hälfte der Sämereien wird nicht aufgehen, weil der Standort nicht passt.“

Dafür scheint das Plätzchen an der Weigelstraße ideal. Obwohl in der prallen Sonne gelegen, gedeihen hier auch Arten wie der schattenliebende Gundermann. Außerdem gibt es viel krausen Ampfer („Den mögen die Bauern nicht“), die Kompassdistel („Richtet sich mit der schmalen Blattseite nach dem Sonnenstand aus, um Wasser zu sparen“), den bienenfreundlichen Hopfen-Schneckenklee, Johanniskraut, die Schafgarbe, den Scharfen Hahnenfuß, das Pfennigkraut, den Wiesenkerbel, Huflattich, Königskerze, Acker-Schachtelhalm und den Weißen Gänsefuß („Bei uns vergessen, in Indien wird er extra angebaut“).

Die Tour endet, doch noch bevor Waltraud Witteler das Gelände verlässt, hat sie weitere Pflänzlein entdeckt. Sie schaut eben genau hin ...

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