Weiden in der Oberpfalz
14.01.2019 - 16:20 Uhr

Willibald Härning überraschend verstorben

In der Weidener Kommunalpolitik war er eine schillernde Figur, als Chef des Haus- und Grundbesitzervereins ein fleißiger Arbeiter. Zwei Wochen nach seinem 82. Geburtstag die traurige Nachricht: Willibald Härning ist tot.

Bis zuletzt arbeitete Willibald Härning für den Haus- und Grundbesitzerverein. Bild: Kunz
Bis zuletzt arbeitete Willibald Härning für den Haus- und Grundbesitzerverein.

Er war CSU-Ortsvorsitzender und SPD-Mitglied, Rothenstädter Gemeinderat und Weidener Stadtrat, bekennender Monarchist und Großwildjäger. Langweilig wurde es nie mit Willibald Härning. Den 80. Geburtstag feierte er am Neujahrstag vor zwei Jahren auf einem Schiff der "Amadeus"-Flotte in Budapest. Härning war eine schillernde Figur. Und ein fleißiger Arbeiter. Fast tagtäglich war er noch in seinem Büro beim Haus- und Grundbesitzerverein anzutreffen – "bis zum letzten Atemzug", wie Vorsitzender Lutz Freiherr von Hirschberg erzählt. Völlig überraschend starb Härning am Montagmorgen. Vor zwei Wochen war er 82 Jahre alt geworden.

Sein politisches Elternhaus habe ihn geprägt, erzählte Willibald Härning einmal in einem NT-Interview, schon der Großvater sei "Mitglied der Bayerischen Heimat- und Königspartei" gewesen. Der junge Rothenstädter heuerte zunächst zwar bei Junger Union und CSU an, aus seiner Faszination für das alte Königreich Bayern machte er jedoch nie einen Hehl. Als ausgewiesener Ludwig-II.-Experte, ausgestattet mit engen Kontakten zum Hause Wittelsbach, unterstützte er Verschwörungs- und Mordtheorien. Fast schon ein Stück neuere Stadtgeschichte sind Härnings spektakuläre politische Rochaden: Nachdem er sich für die Eingemeindung von Rothenstadt und Ullersricht nach Weiden ausgesprochen und sich damit gegen "seine" CSU gestellt hatte, ging er zur SPD. Als Genosse sang er (buchstäblich) Loblieder auf OB Hans Schröpf (CSU) – bis ihn dieser im Jahr 2000 wieder zur CSU holte. Die Wähler haben ihm das Wechselspiel verziehen: Dem Stadtrat gehörte der Rothenstädter 30 Jahre an, von 1978 bis 2008.

Beruflich wirkte er 44 Jahre lang bei der Eisenbahn, privat war er liiert, wurde aber als "passionierter Junggeselle" beschrieben. Eine andere Passion: die Jagd. Auf Vermittlung von Michail Gorbatschow legte er auf Bären in Sibirien an, auch der Nordpol und Südafrika zählten zu seinen ausgefallenen Jagdrevieren.

Auf Mitgliederjagd ging er für den Haus- und Grundbesitzerverein. Auch das überaus erfolgreich: In seiner Ära als Vorsitzender, die 1994 begann, erhöhte sich die Mitgliederzahl von 1445 auf rund 4000. Nach sechs Amtszeiten kandidierte er 2017 nur mehr als zweiter Vorsitzender, prompt ernannte ihn der Verein zum ersten und bisher einzigen Ehrenvorsitzenden. "Man kann sagen, er war der Verein", betont Nachfolger von Hirschberg. Neben hohen Auszeichnungen des Verbandes erhielt Willibald Härning die Bundesverdienstmedaille und die Kommunale Verdienstmedaille. Wann er beigesetzt wird, war noch nicht zu erfahren.

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