Premiere für die Stadt Weiden: Künstler Gunter Demnig verlegt die ersten Stolpersteine in der Stadt Weiden. Sie erinnern an Holocaustopfer. Der Historiker Dr. Sebastian Schott (Stadtarchiv Weiden) hat eine Liste mit neun weiteren möglichen Standorten erarbeitet. Es handelt sich dabei um die letzten Wohnadressen jüdischer Holocaust-Opfer. Eine davon ist der Untere Markt 17. Hier lebte Familie Steinhart.
Familie Steinhart, Unterer Markt 17
Paulina Steinhart (58), SS-Lager Trawniki (Polen) 1942, verschollen
Walter Steinhart (63), ermordet im KZ Auschwitz 1943
Die alleinstehende Kaufmanns-Witwe Pauline Steinhart (ihr Mann Richard ist 1927 verstorben) hat keinen leichten Stand. In der Reichspogromnacht 1938 brechen SA-Kommandos in die Häuser jüdischer Familien ein, verprügeln die Bewohner und verwüsten ihre Wohnungen. Für Pauline Steinhart geht der Alptraum am Tag danach weiter. Vor ihrem Haus sammeln sich am Vormittag bis zu 80 johlende Kinder. Jugendliche versuchen, die von der Witwe verrammelten Fensterläden und die Haustür zu öffnen. Dies gelingt durch Unterstützung eines in der Nähe wohnenden Metzgers, der mit einem Schürhaken nachhilft. Kinder steigen ein und verwüsten die Wohnung. So schildern es Zeugen bei staatsanwaltlichen Ermittlungen 1946. Die Witwe läuft zur Polizeiwache, erhält dort keine Unterstützung und kehrt zu ihrem Haus zurück. Erst nach zwei Stunden verläuft sich der Großteil der Meute.
Schon in den Vorjahren ist Pauline Steinhart Zielscheibe der Nazis. 1934 unterstellt ihr die "Bayerische Ostmarkt" einen "krassen Fall jüdischer Habsucht". Sie verlange zu viel Miete für ihre Wohnungen am Unteren Markt. Sie wird zu einer Geldstrafe verurteilt. Als sie 1938 zu einem Mieter sagt, wenn nur die "Saupartei" endlich aufhöre, bringt ihr das erneut eine Anzeige ein.
1942 gehört die Witwe zu der Gruppe Weidener Juden, die als letzte deportiert werden. Schwager Walter wird im KZ Auschwitz ermordet. Paulines Spur verliert sich im Ghetto Piaski.
Stolpersteine
- Stolpersteine erinnern an die Opfer in der Zeit des Nationalsozialismus (www.stolpersteine.eu)
- Die Gedenksteine aus Messing werden vor ihrem letzten Wohnort ins Trottoir eingelassen
- Ein Stein kostet 120 Euro
- Wer Stolpersteine stiften möchte, kann sich an das Stadtarchiv in Weiden (E-Mail-Adresse: ) wenden oder den Betrag an die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (Verwendungszweck „Stolperstein“) überweisen: DE52 7535 0000 0000 1929 30






















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