01.06.2018 - 16:31 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Wohnen im Denkmal

Der Schweigerblock ist fast 100 Jahre alt. Das Denkmalamt hat ihn vor dem Abriss gerettet. Doch ein Baudenkmal zu sanieren ist nicht einfach.

Die öffentliche Besichtigung des CSU-Ortsverbands stößt auf großes Interesse.
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

Im Hof flattert die Wäsche, ein Kind rennt durch das Treppenhaus, Leute unterhalten sich im Hof - fast könnte man meinen der Schweigerblock ist schon fertig. Doch es ist nur eine Baubesichtigung, zu der der CSU-Ortsverband Stockerhut eingeladen hat. Vom trendigen Anfang Dreißiger bis zum Rentner mit Dackel und Enkel strömen die Interessierten in die Schweigerstraße. Einige, weil sie dort als Kind schon gespielt haben, andere weil sie dort mal wohnen wollen.

Im Hof flattert die Wäsche, ein Kind rennt durch das Treppenhaus, Leute unterhalten sich im Hof - fast könnte man meinen der Schweigerblock ist schon fertig. Doch es ist nur eine Baubesichtigung, zu der der CSU-Ortsverband Stockerhut eingeladen hat. Vom trendigen Anfang Dreißiger bis zum Rentner mit Dackel und Enkel strömen die Interessierten in die Schweigerstraße. Einige, weil sie dort als Kind schon gespielt haben, andere weil sie dort mal wohnen wollen.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, erklärt Architekt und Stadtrat Karlheinz Beer, der die Sanierung in enger Zusammenarbeit mit der Eigentümerin, der Baugenossenschaft Familienheim, gerade plant. Beer sieht es als "Glücksfall" an, dass das Gebäude aus den 1920ern erhalten bleibt. Fraktionskollege Hans Sperrer, dessen Familie seit Generationen gegenüber in der Frauenrichter Straße wohnt, erzählt: "Ich konnte mir einen Lächeln nicht verkneifen, als die Häuser zum Baudenkmal erklärt wurden. Ich erinnere mich, dass mein Vater bei unserem Haus den Stucksockel einfach weggeschlagen hat, weil er ein Staubfänger war." Sperrer ist froh über die Maßnahme: "Sonst wäre unser Haus auch unter Denkmalschutz." Beer dagegen plädiert für mehr Sanierungen und gegen Städte, die uniform gebaut sind. "Wir können nicht Gutes abreißen und dafür Schlechtes neu hinbauen", findet Beer. Das sei in Weiden in den letzten 10 Jahren leider zu oft passiert. "Wir alten Leute können halt nicht so viel Miete bezahlen", wirft ein Mann ein. Beer erklärt, dass eine Sanierung nicht unbedingt teurer sei, bedenke man Zuschüsse und günstige Darlehen.

Herausforderung: Statik

Doch die Sanierung der 33 Wohnungen in der Schweigerstraße 1, 3, 5, 7, 9 und 11 ist mühsam, das muss er zugeben. "Jede kleinste Detailfrage muss mit dem Denkmalamt geklärt werden." Eine Herausforderung sei die Statik. Die Standards des 21. Jahrhunderts müssen auf einen Bau aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts angewendet werden. Neue Fußböden mit Trittschall belasten die Deckenkonstruktion ganz anders als alte Böden. Auch die Wärmedämmung ist eine Problem. Eine Kunststoff-Dämmung führe bei Altbauten sehr oft zu Schimmel. Der Architekt will das vermeiden, und die Dämmung über die Fenster, das Dach und ein gutes Heizsystem abfangen.

Auch die Mieter sind bei solch einem Bau in der Verantwortung. "Man muss das Haus atmen lassen", erklärt Beer. Einen Aufzug wird es im Schweigerblock nicht geben. Das sei zu aufwendig und die Miete würde zu teuer sein. "Wir bieten genug behindertengerechte Wohnung in anderen Immobilien", erklärt die Vorstandsvorsitzende der Baugenossenschaft, Christine Maier.

"Sehr solide"

Bei der Qualität der Baumaterialien kommt der Architekt ins Schwärmen: "Das ist eine sehr, sehr solide gebaute Immobilie." Er deutet auf die Wände der Wohnungen. "Das sind massive Ziegel, kleinteilig und handgefertigt. Wenn man heutzutage in der Qualität bauen würde, könnte man das gar nicht mehr bezahlen."

Die Besucher strömen durch die großzügigen Wohnungen mit den breiten Fluren und richten schon in Gedanken die Zimmer ein. Der Weg durch die Küche führt zu den lichtdurchfluteten Loggien, mit den abgerundeten Fenstern. Später sollen sie überdachte Balkone werden. Doch bis hier jemand sitzt, kann es noch dauern. Die Detailfragen mit dem Denkmalamt sind fast geklärt, danach geht erst die konkrete Planung los. Doch in ein paar Jahren kehrt wieder Leben hinter der grünen Fassade ein.

Wenn man heutzutage in der Qualität bauen würde, könnte man das gar nicht mehr bezahlen.

Architekt Karlheinz Beer

Es scheint so, als wäre der Schweigerblock schon bewohnt.
Zwischen 60 und 125 Quadratmetern groß werden die neuen Wohnungen, für die große Familie bis zum Single.
Architekt Karlheinz Beer erklärt den Interessierten die Planungen.
Info:

Denkmalamt rettet Schweigerblock

Es hätte nicht viel gefehlt und der Schweigerblock würde heute vermutlich gar nicht mehr stehen. Die Stadt hatte 2014 schon den Vorbescheid zum Abriss erteilt, die Mieter waren ausgezogen, Pläne für den Neubau erstellt - da stoppte das Denkmalamt das Vorhaben. Die Münchener Behörde erklärt die Häuser, erbaut im Jahre 1926, zum Baudenkmal. Der „expressionistischen Heimatstil“ sei ein wichtiges Zeugnis des Wohnungsbaus in der Zeit der Weimarer Republik, heißt es in der Begründung. Die Eigentümerin Baugenossenschaft Familienheim ist zuerst nicht begeistert, doch jetzt arbeitet sie mit Architekt Gerhard Beer geduldig an den Sanierungsplänen.

Der CSU-Ortsverein lud zum Besichtigungstermin ein.
Selbst auf der Baustelle sehen die Räume bereits schön aus.
Großes Interesse bei der öffentlichen Besichtigung.
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