05.08.2018 - 14:06 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Wohnungsmarkt in Weiden anders

Es ist eine untypische Wahlveranstaltung. SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen stellt nicht sich, sondern den Gast und das Thema "Wohnraum" in den Mittelpunkt. Preiswerter sei knapp in Weiden, sagt Annette Karl. Günther Kamm kennt Gründe.

Wohnen ist zu teuer, sagt sie. Explodierende Bauvorschriften seitens der Politik treiben Miet- und Betriebskosten in die Höhe, kontert er. Bei „Kohnen Plus“ sprechen SPD-Spitzenkandidatin und stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Natascha Kohnen (Mitte) und Günther Kamm, Geschäftsführer der Stadtbau Weiden, über das Thema Wohnraum in Weiden.
von Siegfried BühnerProfil

(sbü) Mit langanhaltendem Beifall begrüßten die Zuhörer im Schützenhaus SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen. Dann ging es zur Sache bei "Kohnen Plus". So nennt sich die Veranstaltungsreihe, bei der die Politikerin mit einem Gast aus der Region spricht. Das Thema in Weiden lautete "Wohnraum". Gesprächspartner war Günther Kamm, Geschäftsführer der Stadtbau GmbH.

Landtagsabgeordnete Annette Karl wies einleitend darauf hin, in Weiden hätte zwar der Bestand an Wohnungen zugenommen, doch sei es schwierig geworden, eine preiswerte Wohnung zu finden.

"Nicht vorhersehbar"

Kohnen ergänzte, keiner könne sagen: "Ich wohne nicht." Bezogen auf Bayern sagte sie, "es reicht nicht nur Hörsäle und Verwaltungsgebäude zu errichten, denn das Wohnungsthema gehört immer dazu". Stadtbau-Chef Kamm stellte fest, "die Immobilienwirtschaft von München ist nicht mit der Weidens vergleichbar". Die Stadtbau hätte über viele Jahre 10 bis 15 Prozent Leerstände gehabt. Zuzüge von Asylbewerbern, Rentnern und Hochschulmitarbeiter führten seit 2015 dazu, dass die Schwankungsreserve schnell verbraucht wurde. Fehlende Kleinwohnungen außerhalb produzieren Zuzügen in die Stadt: "Landwirte scheuen den bürokratischen Aufwand von Mehrfamilienhäuser." Die Nachfrageentwicklung sei nicht vorhersehbar gewesen.

Politik nicht unschuldig

Zudem gebe es in Weiden viele brachliegende Grundstücke. Wegen drohender Besteuerung beim Verkauf warteten die Eigentümer ab. Sie wollen lieber Vererben. "Aber wir haben keine Spekulationssituation." Die Preissteigerung seit zwei Jahren sei im knappen Angebot begründet. Um investieren zu können, brauche die Stadtbau eine Einstiegsrendite von 3,5 bis 4 Prozent. Ein Großteil der Flächen würde durch nötige Parkplätze verbraucht. Wenn der Staat sich von der Finanzierung zurückziehe, "gilt die Betriebswirtschaft", sagte Kamm. Investitionen müssten auch langfristig und nachhaltig sein.

Einen "schwarzen Peter" schob Kamm auch der Politik zu. Sie habe "explodierende Bauvorschriften" beschlossen. 80 Prozent der Miet- und Betriebskostensteigerung sei darauf zurückzuführen. Skeptisch gibt er sich bei der stärkeren Nutzung des Erbbaurechts - "Es kommt langfristig billiger, wenn gekauft wird" - oder bei Mehrgenerationenhäuser - "Das fällt bei Mieterwechsel schnell zusammen". Er sieht in Weiden auch weniger einen Bedarf für Sozialwohnungen, denn "Investoren gehen verantwortungsvoll um, mit dem was notwendig ist".

Über die Wohnraumsituation in Weiden diskutierten SPD-Landtagsspitzenkandidatin Natascha Kohnen (sitzend, links) mit Stadtbau-Weiden-Geschäftsführer Günther Kamm. Organisiert haben den Abend Landtagsabgeordnete Annette Karl (stehend, links) und SPD-Bezirksgeschäftsführerin Gisela Birner.

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