29.11.2018 - 14:22 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Wohnungsnot betrifft viele junge Weidener

Etwa 200 junge Erwachsene in Weiden haben kein eigenes Dach über dem Kopf. Sie leben - wenn's kalt ist - bei Freunden oder Verwandten. Im Sommer sogar oft im Freien.

Familien mit Kindern werden schon seit über 20 Jahren nicht mehr in den Notunterkünften in der Schustermooslohe untergebracht. Aber immer mehr junge Erwachsene in Weiden schlüpfen bei Freunden unter oder leben im Sommer sogar unter freiem Himmel.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Diese Zahl nannte Ursula Barrois am Mittwoch im Ausschuss für Jugendhilfe und soziale Fragen. Seit 40 Jahren betreibt sie Obdachlosenarbeit in Weiden, hat dafür den Verein "Die Initiative" ins Leben gerufen. Für die Zukunft prognostizierte sie große Herausforderungen auf diesem Sektor.

Zum einen durch die bereits erwähnten jungen Erwachsenen, die keine eigene feste Bleibe haben. Wenn sie nicht als obdachlos gemeldet sind, gelten sie offiziell als wohnungslos. "Dauert das längere Zeit, verfestigt sich auch eine schwierige Persönlichkeitsstruktur." Daneben gibt es aber noch weitere Gruppen, die große Probleme auf dem ohnehin sehr angespannten Wohnungsmarkt haben. Dazu zählen Mütter, die mit ihren Kindern im Frauenhaus leben und eine eigene Wohnung suchen, entlassene Häftlinge, psychisch Kranke, Süchtige aber auch ältere Menschen, die in eine Notsituation geraten sind.

Um diese Probleme aktiv anzugehen, will "Die Initiative" ihre Zusammenarbeit mit Wohnungsbaugesellschaften und sozialen Einrichtungen noch weiter verstärken. Denn, so Barrois: "Das lässt sich nur gemeinsam lösen."

Dabei hat die Obdachlosen-Initiative in der Vergangenheit bereits viel erreicht. Beim Start 1979 lebten noch fast 120 Bewohner in der Schustermooslohe, zwei Drittel davon waren Kinder und Jugendliche, berichtete Ursula Barrois. Doch seit mindestens 20 Jahren wurde keine Familie mehr in diese Notunterkünfte eingewiesen. "Das ist ein Riesenerfolg."

Die Zahl der Obdachlosen, die in der ehemaligen Barackensiedlung und in den Schlichtwohnungen der Stadt leben, ist auf 35 im Jahresschnitt gesunken, wobei es einen häufigen Wechsel gibt. Im Jahr 2018 sind bis Ende September 40 Personen neu gekommen und genauso viele wieder gegangen. Der größte Teil bleibt ein bis sechs Monate. "Wer länger als ein Jahr dort lebt, hat sehr schlechte Perspektiven auf dem Wohnungsmarkt." Dabei hat der Verein in diesem Jahr große Unterstützung erhalten. "Wir haben tatsächlich drei Privatvermieter gefunden, die Klienten von uns aufgenommen haben. Das ist fast wie ein Sechser im Lotto", sagte Barrois. Ihre große Hoffnung ist, dass sich Nachahmer finden.

Die Gruppe der Durchreisenden ist in den vergangenen 15 Jahren stark geschrumpft. "Dafür gibt es immer mehr Leute, die stationär in Weiden bleiben." Sie müssten individuell aufgefangen und nicht als reiner Verwaltungsakt betrachtet werden, forderte Barrois. Wichtig sei hier auch das Zusammenspiel zwischen pädagogischen und Verwaltungskräften bei der Stadt.

"Für mich gehören die Notunterkünfte in der Schustermooslohe weggerissen und etwas Neues gebaut", sagte Stadtrat Josef Gebhardt (SPD). Ein Punkt, dem die Initiative-Vorsitzende nicht zustimmte. "Viele der Unterkünfte sind heuer renoviert worden, und eine nach der anderen wird von der Stadt möbliert." Sie dankte der Stadt auch für die Finanzierung einer festen Stelle. Denn obwohl ihr die Obdachlosenarbeit am Herzen liegt: "Ein Leben lang möchte ich's nicht machen."

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.