Weiden in der Oberpfalz
31.07.2018 - 16:44 Uhr

"Das Wort schaut blöd zurück": Veit Wagner zu 20 Jahren Rechtschreibreform (mit Quiz)

Nuss statt Nuß, Schifffahrt statt Schiffahrt: Heute vor 20 Jahren ist die Rechtschreibreform in Kraft getreten. Veit Wagner, Stadtrat und ehemaliger Deutschlehrer am Kepler-Gymnasium, blickt zurück.

Veit Wagner hat den Duden immer griffbereit. Gabi Schönberger
Veit Wagner hat den Duden immer griffbereit.

(jak) Das vor 20 Jahren neu eingeführte Rechtschreibsystem verringerte die 212 vorherigen Regeln auf nur noch 112. Die Zeichensetzung wurde sogar von 52 Regeln auf neun verschlankt. Ziel war ein einfacheres, für alle deutschsprachigen Länder gültiges Regelwerk.

ONETZ: Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an die Rechtschreibreform denken?

Veit Wagner: Es ist immer überraschend, wenn sich plötzlich Gewohntes ändert. Aber Sprache ändert sich immer wieder und hat sich über die Jahrhunderte immer wieder verändert. Ob man die einzelnen Änderungen nachvollziehbar findet oder nicht, man muss sie halt einüben. Es ist ja sehr ruhig geworden an der Rechtschreib-Front. Man schüttelt schon manchmal den Kopf, aber im Großen und Ganzen ist das schon verständlich.

ONETZ: Bei welchen Regeln schütteln Sie denn den Kopf?

Veit Wagner: Bei den drei-konsonantigen Wörtern: Betttuch, Flusssenke, Schifffahrt. Warum hat man da nicht gesagt: Zwei müssen reichen? Das fand ich nicht gut, auch wenn ich es akzeptieren kann. Es gibt aber auch Worte, die schaut man blöd an, und das Wort schaut blöd zurück. "Seeelefant" zum Beispiel.

ONETZ: Weitere gute oder schwierige Regeln?

Veit Wagner: Die Regel mit dem scharfen ß und ss ist klar, einfach und logisch. Was oft falsch gemacht wird, ist die Großschreibung bei "gestern Abend" oder "bis auf Weiteres". Und die Zusammen- und Getrenntschreibung. Bei mir steht der Duden immer griffbereit in der Nähe.

ONETZ: Ist richtige Komma-Setzung schwierig?

Veit Wagner: Man muss aufpassen, dass man den Sinn eines Satzes richtig wiedergibt. Zum Beispiel in diesen Sätzen: "Der Mensch denkt, Gott lenkt." Oder "Der Mensch, denkt Gott, lenkt."

ONETZ: Sie waren bei der Reform Deutschlehrer. Wie sind Sie mit der Umsetzung der Regeln umgegangen?

Veit Wagner: Uns wurde gesagt: Seid mal großzügig. Wir haben Fehler zeitweise nur unterkringelt und das Richtige daneben geschrieben. Wenn man die Regeln aber gerade erst durchgenommen hatte, musste das natürlich stimmen. Man hat immer wieder intensiv nachgeschlagen, um sich auf sicherem Boden zu bewegen, was sicher auch nicht immer der Fall war. Was ich wichtig finde: Wenn es öffentlich wird oder bei Bewerbungen, dann sollte man schon genau auf die richtige Schreibung achten. Heute gibt es ja Rechtschreib-Programme, die man über den Text laufenlassen kann. Das ist das Mindeste.

ONETZ: Was fasziniert Sie persönlich an der deutschen Sprache?

Veit Wagner: Eine andere Sprache als die Alltagssprache zu entdecken, das reizt mich, in Büchern oder beim Kabarett Spielen. Man sollte viel öfter in Worte hinein horchen.

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