Weiden in der Oberpfalz
14.06.2024 - 12:18 Uhr
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Zähes Ringen um Wohnmobil-Stellplatz beim Stadtbad Weiden

Die Debatte zieht sich seit Jahren. Eine Entscheidung für einen neuen Stellplatz für Wohnmobile erhofft sich der Bauausschuss bei einer Ortsbegehung. Am Ende steht fest: der bisherige Favorit wird es nicht.

Früher wurden hier Feste gefeiert, heute wird die Fläche als Parkplatz genutzt. Hin und wieder auch von Wohnmobilen. Einen dauerhaften Stellplatz für sie wird es aber auf dem Areal zwischen Flutkanal und Waldnaab nördlich des Stadtbades nicht geben, auch wenn die Mehrheit der Stadträte ihn seit vielen Jahren favorisiert. Das Grundstück liegt im Überschwemmungsgebiet. Im Falle eines Hochwassers hätten die Camper aufgrund der „Insellage“ keine Chance. „Wenn die Welle kommt, kann kein Amt mehr reagieren. Die ertrinken dort“, formuliert es Helmut Jahn, Abteilungsleiter im Wasserwirtschaftsamt Weiden (WWA), drastisch. „Von uns wird es deshalb keine Zustimmung geben.“

Die Aussage sitzt und sorgt trotzdem für Unverständnis im Bauausschuss am Mittwoch. „Warum haben wir dann überhaupt die Brücke beim Wehr erneuert?“, will Hans Sperrer (CSU) bei der Ortsbegehung im Stadtbad wissen. Sie war schließlich ausschlaggebend, dass nach der Ertüchtigung auch Wohnmobile sie befahren dürfen. „Deshalb haben wir das neue Wehr doch gebaut“, ist Gerald Bolleininger (SPD) irritiert, und „Leerrohre für Gas- und Wasseranschlüsse mit verlegt“, ergänzt Hans Forster (CSU).

„Der Platz ist ideal“ (Stefan Rank, Bürgerliste) und FW-Stadtrat Bernhard Schlicht nennt Neu-Ulm oder Kissingen als Beispiele für Städte, die viel größere Stellplätze an Donau und Main gebaut hätten – mit Genehmigung des WWA unter Auflagen.

"Wasser ist in 20 Minuten da"

Ganz so einfach ist es nicht. Größere Städte an Flüssen hätten bei Hochwasser ganz andere Vorwarnzeiten, erklärt Helmut Jahn. „Da geht es um Tage. Das lässt sich nicht auf Weiden übertragen. Für uns ist der Pegel der Waldnaab bei Neustadt/WN entscheidend. Erreicht er Meldestufe 4, dann ist das Wasser in 20 Minuten in Weiden. Der Zusammenfluss von Flutkanal und Naab fungiert im Ernstfall wie ein Trichter, das Wasser staut sich zurück.“

„Wie dramatisch ein Hochwasser sein kann sehen wir doch in Südbayern, Weiden traf es im Jahr 2011“, erinnert Oberbürgermeister Jens Meyer. Zuletzt war die Hochwasserlage an Weihnachten 2023 kritisch. Die aktuellen Bilder vor Augen, will keiner im Gremium verantworten müssen, wenn doch was passiert.

Bliebe eine Alternative am östlichen Ende des Stadtbads. Sie war vor Jahren schon mal im Gespräch. Idyllisch gelegen und über die Straße zum Parkplatz des Kepler-Gymnasiums zu erschließen. Zum Höhenausgleich müsste das Gelände aufgeschüttet werden. Die Zahl der Stellplätze läge mit 6 allerdings deutlich niedriger, erläutert Marion Stelzl vom Stadtplanungsamt. Und: Das Wasserwirtschaftsamt sieht hier keine Probleme.

Wohnmobile innerhalb des Bads?

Einige Stadträte aber schon. Von „zu kleiner Fläche“ bis „unrentabel“ reichen die Argumente. „Wir wollen doch das Stadtbad so erhalten, wie es ist“, wirft Gisela Helgath (Die Basis) ein, die ebenso wie Hans Forster (CSU) Mitglied im Stadtbad-Förderverein ist. „Den haben wir dann gegen uns, da können Sie sicher sein.“ Helgath wollte sich hier auf der Wiese keine Fahrzeuge vorstellen.

Oberbürgermeister Meyer findet den Bereich sogar idyllischer als die Variante auf dem Parkplatz. Hinter Anpflanzungen könnte man den Stellplatz optisch „verschwinden“ lassen. Skeptische Blicke. Beim Zurücklaufen durch das Bad, das am Mittwoch von zahlreichen Müttern mit Kindern gut besucht ist, stellt Meyer fest, dass der mögliche Stellplatz im hinteren Bereich eigentlich gar nicht zu sehen ist und nicht stören würde. Zustimmung aus der Gruppe.

Weiter geht’s zur letzten Alternative zwischen Dr.-Pfleger-Straße und Süd-Ost-Tangente. Für Bau- und Planungsdezernent Alkmar Zenger durchaus eine Überlegung wert. Verkehrsgünstig, im Grünen und man sei über den Flutkanal am Mittleren Wehr schnell in der Stadt. 20 Stellplätze und mehr könnten hier entstehen. Allerdings sei das Grundstück nicht erschlossen, der Ausbau mit Versorgungsleitungen verursache hohe Kosten, die er im Moment noch nicht einschätzen könne. Immerhin: Das Wasserwirtschaftsamt hat hier gar keine Bedenken. „Das Gelände ist eingedeicht und vor Hochwasser geschützt“, stellt Jahn fest.

Gisela Helgath findet die Lage nicht schlecht, Brigitte Schwarz ist es zu laut. Stefan Rank schmeckt der „höhere Finanzbedarf“ gar nicht. „Die Kämmerei wird Hurra schreien.“

Zurück im Rathaus drängt der Oberbürgermeister auf eine Entscheidung. Die Diskussion beginnt von Neuem. „Aus finanziellen Gründen zurückstellen“, plädiert Markus Bäumler. Die CSU-Fraktion sehe weder für die „teuerste Variante“ eine Chance noch halte sie 6 Stellplätze für rentabel. „Zu lange werde schon diskutiert. Das Hochbauamt muss sich um wichtigere Projekte kümmern und außerdem handelt es sich um eine freiwillige Leistung.“ Gisela Helgath findet den bisherigen Stellplatz an der WTW eigentlich gar nicht so schlecht, wie immer gesagt wird. Sie sei jedenfalls dagegen, dass das Stadtbad zugebaut wird. „Es würde aber die Attraktivität des Bades und von Weiden steigern“, kann Stefan Rank sich mit der Alternative im östlichen Bereich anfreunden. „Vielleicht gibt es ja auch Fördergelder.“

„Eventuell bringen wir bis zu 8 Plätze unter“, versucht Baudezernent Zenger eine Entscheidung zu erleichtern. Die Erschließung könnte geländeschonend geplant werden, es müsste auch kein Baum weg.

Nach über zwei Stunden fällt ein Beschluss mit 6:4 Stimmen. Die Verwaltung wird beauftragt, die Alternative im östlichen Bereich des Stadtbads näher zu untersuchen und die Kosten zu ermitteln.

Info:

Wohin mit dem Wohnmobil-Stellplatz in Weiden?

  • 2010: Stadtratsbeschluss, einen Wohnmobil-Stellplatz auf dem Parkplatz an der Weidener Thermenwelt mit geringer Ausstattung zu errichten (Zwischenlösung besteht bis heute)
  • 2015: Standort zwischen Dr.-Pfleger-Straße und Süd-Ost-Tangente kommt ins Spiel
  • Seit mehreren Jahren wird auch Standort am Parkplatz nördlich des Wehrs beim Stadtbad favorisiert
  • 2017: HVA (Hauptverwaltungsausschuss) sieht beim Stadtbad Hochwassergefahr; Bauausschuss sucht nach Alternativen
  • 2018: Im Zuge der Planungen für den neuen Flächennutzungsplan rückt das Areal an der Süd-Ost-Tangente wieder in den Fokus
  • 2021: Parkplatz beim Stadtbad ist Favorit – wenn die Brücke am Wehr ertüchtigt wird
  • 2023 Erneuerung Wehrbrücke beim Stadtbad
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