22.07.2019 - 10:57 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Zauberei und Clownerei statt Unterricht

Das ist doch ein Traum für jedes Grundschüler-Herz: Kurz vor den Sommerferien den Stundenplan außer Kraft zu setzen und abzutauchen in eine fantastische Zirkuswelt. Die Clausnitzerschule hat ihren Kindern dieses Abenteuer ermöglicht.

Keine Schmerzen zeigen die kleinen Fakire auf Glasscherben.
von Helmut KunzProfil

Knapp eine Woche lang durften die Schüler mit Artisten zusammenarbeiten und in einer echten Manege ein eigenes Zirkusprogramm auf die Beine stellen.

Seit über 20 Jahren entwickelt und praktiziert der Zirkus Gerhard Sperlich aus Recke bei Osnabrück mit großem Erfolg eine zertifizierte offene Projektarbeit für und mit Schulen, Kindertagesstätten und anderen pädagogischen Einrichtungen. Auch mit der Schule im Weidener Osten. „Eine tolle Zusammenarbeit mit der Clausnitzerschule“, sagte Zirkusdirektor Gerhard Sperlich, der vor zwei Jahren schon einmal sein Zelt auf dem Schulgelände aufgeschlagen hatte.

Er selbst und seine Kinder seien echte Artisten. Das mache die Arbeit leichter. „Es ist einfacher mit Schülern zu arbeiten, wenn die fühlen, dass diejenige, die sie anlernen, von der Sache auch etwas verstehen.“ Sperlich: „Wir kriegen das in drei Vormittagen hin, aus den Kindern so etwas wie Halbprofis zu machen.“ Zunächst musste die Hemmschwelle abgebaut werden. „Aber die wurden von Probentag zu Probentag immer besser. Ihr Selbstbewusstsein ist gewachsen.“

In der Manege standen Erst- bis Viertklässler. „Die Klassenverbände waren aufgelöst. Mir ist wichtig, Kinder zusammenzubringen, die nicht unbedingt jeden Tag auf dem Schulhof zusammenstehen.“ Er habe auch das eine oder andere Talent gesichtet. Das Tolle am Projekt: Alle helfen zusammen. „Das Zirkuszelt wurde von meinen Leuten und Vätern der Schulkindern innerhalb nur zwei Stunden aufgestellt", erklärte der Direktor. Eine besondere Erfahrung für die Papas. „Auch beim Abbau werden wieder Väter helfen.“ Die vier Vorstellungen, die ausnahmslos von den Clausnitzer Schulkindern gestaltet wurden, waren alle ausverkauft. „Die spielten vor jeweils 350 Leuten.“

Das Programm beinhaltete eine kleine Rahmengeschichte, die ihm persönlich sehr wichtig sei, sagte Sperlich. „Die Erde, der Umgang mit Mensch und Tier. Die Geschichte heißt ‚Der blaue Planet‘ und wurde von mir geschrieben.“ Die Vorstellung begann auch passend zum Thema mit Michael Jacksons „Earth Song“ und einem aufblasbaren Globus.

Ausnahmslos alle Kinder der Schule hatten ihre eigenen Rollen und durften sich als Teil des Ganzen sehen. Zauberei, Jonglage, Seiltanz, Fakire und Clowns. Das Publikum, während der Abendvorstellungen meist Eltern und Geschwister, vormittags Kindergärten, reagierte begeistert. Auch Schulleiterin Silvia Bäumler, die ab August in Ruhestand geht, freute sich sehr über eine ihrer letzten Amtshandlungen. „Kinder und Eltern sind begeistert.“

Vom normalen Turnunterricht unterscheide sich die Zirkusarbeit grundlegend. „Das ist schon mal die Atmosphäre: Manege, Sägespäne, Kostüme.“ Und natürlich Dinge, die im normalen Sportunterricht nicht gemacht würden: Zaubertricks etwa. „Und die verraten wirklich keinen Ton.“ Sie selbst sei bei einer der Vorstellungen von ihren Schülern in einer Kiste mit Schwertern durchbohrt worden. „Für die Kinder ein grandioses Erlebnis.“

Wie man sich bettet, so liegt man: Fakir auf dem Nagelbrett.
Hier haben Sie meine Eintrittskarte, die eigentlich einem anderen gehört. Ein Clown trickst seinen Sitznachbarn aus.
Einer wie Wilhelm Tell.
Trapezkünstler.
Prickelnder als das Einmaleins: Schüler-Fakir auf Glasscherben.
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