20.04.2019 - 05:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Zeigt her Eure Ostereier!

Künstler, Federvieh-Besitzer und Osterbrunnen-Verzierer: Menschen aus Weiden und dem Landkreis Neustadt zeigen, wie sie ihre Ostereier dekorieren und erzählen die Geschichte ihrer Dekoidee.

Claudia Janotta (23) lebt in Parkstein und hat dieses marmorierte und mit Dekoband und Federn verzierte Ei gestaltet. Die Mitarbeiterin von Goldschmiede Gruhle in Weiden präsentiert es zusammen mit Stefan Gruhle (43).
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Zwei Stunden hat es gedauert, bis Claudia Janotta das Gänseei mit blauer und rosa Farbe, Dekoband, Federn und Glitzer verziert hatte. Zu recht stolz präsentiert die Mitarbeiterin der Goldschmiede Gruhle in Weiden das Ei zusammen mit Stefan Gruhle. „Die Farben muss man in einen Behälter tröpfeln, etwas vermischen und dann für den Marmor-Effekt das Ei reinhalten“, erklärt sie. Für die Farbkombination hat sie sich von den Goldschmiede-Schaufenstern inspirieren lassen.

Harmonierende Kreidefarben in Blau- und Grautönen, winzige Menschen-Figuren: So hat die Künstlerin Marthe Leitenmayr aus Kohlberg ihre Ostereier gestaltet.

„Ich bin ein harmoniesüchtiger Mensch“, sagt Künstlerin Marthe Leitenmayr. Deswegen mag die in Kohlberg lebende Österreicherin harmonische Farben. Ihre Ostereier hat sie mit sanften Kreidefarben in Blau- und Grautönen sowie Weiß angemalt. „Wenn ich etwas Neues gestalte, passt es immer zu dem, was ich eh gerade mache. Momentan mache ich viel mit Skulpturen“, erzählt sie. Deshalb hat sie auf ihre Eier winzige weiße Kunststoff-Figuren geklebt. „Das sind Sportler oder Sonnenbadende.“

Im Vordergrund ist links ein Taucher mit Flossen und Ausrüstung zu sehen. Rechts mittig spielt eine Figur Tennis, andere Mini-Menschen liegen entspannt ausgestreckt auf dem Ei. Manche der weißen Winzlinge hat die 53-Jährige quer halbiert und dann aufgeklebt. Ihre Oberkörper scheinen so aus dem Ei hervor zu steigen. Steht die mit Sand gefüllte Ei-Schale in der Sonne, werfen die kleinen Menschen schöne Schatten.

Einen Vormittag lang hat die Künstlerin an ihren Eiern gewerkelt. „Am längsten dauert‘s, bis du weißt, was du willst.“

Tobias Sonna, Inhaber von „Sonna Geschenke und Haushaltswaren“ und Vorsitzender des Einzelhandelverbands Weiden, verzierte seine Eier aus regionaler Herkunft mit Blumen und Gräsern aus der Stadt sowie Öko-Eierfarben.

Tobias Sonna, Inhaber von „Sonna Geschenke und Haushaltswaren“ und Vorsitzender des Einzelhandelverbands Weiden, verzierte seine Ostereier - aus dem regionalen Handel - mit Blumen und Gräsern, die er in der Stadt entdeckt hatte. Diese legte er auf die Eier, steckte sie in einen Nylonstrumpf, verzurrte diesen und färbte die Eier mit Ökofarben. „Es hat unheimlich viel Spaß gemacht“, erzählt er. „Der Weg war das Ziel. Wenn man so etwas macht, kann man erst wertschätzen, was für Arbeit zum Beispiel im Osterbrunnen steckt.“

Anita Uschald (43) lebt mit ihrer Familie in Neunkirchen und ist Delegierte der Landsmannschaft Ost- und Westpreußen zum Heimatring. Günther Magerl (69) war viele Jahre lang Vorsitzender des Heimatrings. Er lebt in Weiden.

Gleich drei Menschen sind an der Verzierung der Ostereier für den Brunnen am Oberen Markt in Weiden beteiligt. Elfriede und Günther Magerl grundieren die Eier in zwei Schritten, Anita Uschald bemalt sie mit Pinseln verschiedener Stärken. Danach sorgt das Ehepaar Magerl mit Klarlack für Beständigkeit. Das funktioniert: Viele der Eier am Osterbrunnen halten schon seit sechs Jahren und gehören zum ersten Satz Eier, an dem auch die Schüler der Stötznerschule mit Förderlehrerin Luise Amschl einst kräftig mitgewirkt haben.

„Für die einfachen Motive brauche ich fünf Minuten, für die schweren bis zu 30 Minuten“, so Anita Uschald. Meist malt sie Blumen, Blüten, Striche oder Wellen auf die Eier. Die drei sorgen für Nachschub, wenn von den gut 2900 echten Eiern am Weidener Osterbrunnen welche kaputt gehen oder gestohlen werden. Mindestens 100 Eier müssen sie jedes Jahr ersetzen. Günther Magerl kontrolliert die Eier am Brunnen etwa alle zwei Tage.

Ein Federvieh ziert passender Weise das Ei von Landwirt Jakob Walberer (23) aus Schwarzenbach bei Pressath. Angemalt hat es seine Schwester Eva.

Frisch aus dem mobilen Hühnerstall von Jakob Walberer stammt sein mit einem Huhn bemaltes Ei. Der Schwarzenbacher Landwirt erklärt: Er selbst hat es nicht mit grüner und gelber Acrylfarbe bemalt, sondern seine Schwester Eva (26). Er sei da weniger begabt. Die 350 Hühner, die Walberer in einem mobilem Stall und auf einer Wiese am Ortseingang hält, liefern pro Tag rund 300 Eier.

Manfred Urban vom Tierpark Gleitsbachtal in Irchenrieth zeigt ein mit Baum, Wiese und Blumen bemaltes Ei. Geliefert hat es nicht einer seiner Hasen, sondern eines seiner Seidenhühner.

Manfred Urban stammt ursprünglich aus Schwandorf. Er hat seine Baumschule in Irchenrieth aufgegeben und führt auf dem Gelände direkt an der B 22 stattdessen seit 2010 den Tierpark Gleitsbachtal mit Exoten bis hin zu vom Aussterben bedrohten alten Haustierrassen.

Die Verbundenheit zur Natur, die Manfred Urban im Tierpark auslebt, zeigt sich auch in seinem Ei mit Baum, Wiese und Blumen. Das finden sogar seine weißen Osterhasen gut, die sofort angehoppelt kommen, wenn er das Gehege betritt und ihnen etwas Gras anbietet. Gelegt hat das Ei eines der Seidenhühner, die man neben Schafen, Ziegen, Pfauen, Kängurus, Emus und vielen weiteren Tieren im Gleitsbachtal erleben kann. „Eier haben wir immer mehr als genug. Damit versorgen wir die ganze Familie“, sagt Urban.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.