11.02.2019 - 16:09 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Zugunglück: Ursache ist weiterhin unklar

Zeugenvernehmungen und Gutachten sollen Licht ins Dunkel bringen. Polizeipressesprecher Mario Schieder: "Alle Beteiligten hatten großes Glück."

Folgenschwere Begegnung am Bahnübergang bei Latsch: Ein Zug raste am Sonntagvormittag in ein Auto.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Auch bis zum späten Montagnachmittag stand noch nicht fest, wie es zu dem Zugunglück am Sonntagvormittag auf dem Bahnübergang Richtung Latsch gekommen war. Der Autofahrer, der Zugführer und eine unbeteiligte Zeugin müssen laut Polizeipressesprecher Mario Schieder noch vernommen werden, um den Unfallhergang zu klären. Außerdem steht das Gutachten des hinzugezogenen Sachverständigen noch aus.

Fest steht dagegen nach Schieders Worten, dass alle Beteiligten „sehr, sehr glimpflich“ davongekommen sind. „Der Autofahrer konnte nach einem kurzen Check im Krankenhaus gleich wieder heim.“ Der Zugführer hatte offenbar einen Schock davongetragen, aber keinen körperlichen Schaden. Die sieben Passagiere blieben unverletzt. Der Regionalzug hatte das Auto des Landkreisbewohners (24) am Heck erfasst.

Weiden in der Oberpfalz

Ob ein technischer Defekt der Schrankenanlage oder ein Fehlverhalten des Autofahrers schuld an dem Unfall war, muss noch ermittelt werden.

Bundesweit gab es laut DB-Pressestelle 2016 bei 140 Unfällen an Bahnübergängen 29 Todesopfer. Zu 95 Prozent seien diese Unfälle auf Fehler der Straßenverkehrsteilnehmer zurückzuführen. 21 Prozent der Fälle ereigneten sich trotz geschlossener Halb- oder Vollschranken.

Sollte die Schrankenanlage an einem Bahnübergang nicht funktionieren, läuft laut Pressestelle der Bahn folgendes Szenario ab: „Der Fahrdienstleiter erhält ein entsprechendes Signal und zeigt das dem Lokführer an. Der muss dann vor dem Bahnübergang anhalten, das ist quasi eine zusätzliche Schutzmaßnahme von unserer Seite.“ Ist der Übergang frei, gibt es einen Signalpfiff und der Zug fährt weiter. Unabhängig davon habe jeder Autofahrer grundsätzlich die Verpflichtung, sich zu vergewissern, dass er den Bahnübergang gefahrlos überqueren kann, betont der Pressesprecher.

Er verweist außerdem auf die Präventionskampagne „sicher drüber“, zu der sich Deutsche Bahn, ADAC, Bundespolizei und weitere Partner zusammengeschlossen haben. Ziel sei es, Kollisionen durch Aufklärung zu vermeiden. 2017 meldeten die Partner: Die Zahl der Unfälle an bundesdeutschen Bahnübergängen hat sich seit dem Start der Kampagne im Jahr 2002 von 294 auf 140 mehr als halbiert.

Richtiges Verhalten am Bahnübergang::

Bremsbereit sein, Signale beachten

Zum richtigen Verhalten an Bahnübergängen geben die Beteiligten der Gemeinschaftsaktion „sicher drüber“ – darunter auch die Deutsche Bahn – folgende Tipps:

  • Bahnübergänge erkennst Du am Andreaskreuz. Das Verkehrszeichen zeigt an, dass der Zug hier stets Vorrang hat – auch an Fuß-, Feld-, Wald- oder Radwegen!
  • Nähere Dich dem Bahnübergang langsam und sei bremsbereit! Weiße Baken mit roten Streifen zeigen Dir an, wie weit der Bahnübergang noch entfernt ist.
  • Beachte die Verkehrszeichen mit der zulässigen Geschwindigkeit!
  • Auf keinen Fall überholen!
  • Achte auf akustische Signale der Bahnübergangsanlage oder der Züge!
  • Verringere die Lautstärke Deines Radios! Nimm die Kopfhörer ab!
  • Blicke am Andreaskreuz in Ruhe nach beiden Seiten über die Strecke! Fahre erst weiter, wenn Du Dich genau vergewissert hast, dass kein Zug kommt!
  • Bleibe bei rotem Licht am Bahnübergang immer stehen, auch wenn die Schranken noch oben sind! Bei gelbem Licht und rotem Blinklicht ebenfalls anhalten!
  • Geschlossene Schranken bedeuten Stopp! Sie schließen nicht ohne Grund! Umfahre sie niemals und klettere nicht darüber!
  • Bleibt Dein Fahrzeug auf dem Bahnübergang liegen, verlasse es und rufe die 112 an. Dein Leben ist wichtiger als Dein Auto!
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