Im DJK-Sportheim wurde am Donnerstagabend nicht lange um den heißen Brei herumgeredet, sondern Tacheles gesprochen. Beim „Ehrenamts-Kummerkasten“ trafen Vereinsvertreter auf die Ehrenamtsbeauftragte der bayerischen Staatsregierung, Gabi Schmidt, und brachten ihre Sorgen offen auf den Tisch. Eingeladen hatten die Freien Wähler. Markus Emmerich übernahm die Begrüßung und stimmte auf einen Abend ein, der vor allem eines zeigte: Das Ehrenamt lebt. Aber es steht unter Druck.
Der Tenor zog sich wie ein roter Faden durch die Gesprächsrunde: Vereinsarbeit solle wieder Spaß machen und nicht Angst, erklärte Bürgermeister Reinhold Wildenauer. Genau diese Angst, so waren sich viele einig, habe in den vergangenen Jahren zugenommen. Besonders das Thema Haftung beschäftige zahlreiche Vorsitzende. „Jeder redet über diesen rosa Elefanten. Es könnte ja was passieren“, sagte Schmidt und verwies zugleich auf die Realität: Fälle, in denen Vorstände tatsächlich privat haften müssten, seien extrem selten. Dennoch habe sich die Sorge „regelrecht hochgeschaukelt“.
Aus den Reihen der Vereine kam deshalb ein klarer Wunsch: mehr Sicherheit. Eine Versicherungslösung für Vereinsvorstände wurde als sinnvoller Schritt diskutiert. „Die Angst ist da“, brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt, auch wenn statistisch wenig passiere. Ein Angebot könne helfen, Hemmschwellen abzubauen und wieder mehr Menschen zur Übernahme von Verantwortung zu bewegen.
Ein zweiter großer Komplex: Steuern und Bürokratie. Gerade größere Vereine stießen hier an ihre Grenzen. Ohne Steuerberater gehe es oft nicht mehr, hieß es. „Das funktioniert sonst gar nicht“, erklärte der Stadtverbandsvorsitzende für Leibesübungen, Reinhard Meier, mit Blick auf umfangreiche Etats, Angestellte und wirtschaftliche Aktivitäten. Schmidt zeigte Verständnis und plädierte dafür, die Finanzämter stärker als Partner zu sehen. Informations- und Gesprächsabende der Finanzbehörden, speziell für Vereine, könnten helfen, Unsicherheiten abzubauen und Ehrenamtliche zu entlasten.
Doch nicht nur strukturelle Fragen treiben die Vereine um. Auch der Nachwuchs in den Führungsetagen bereitet Sorgen. Viele junge Menschen seien grundsätzlich bereit, sich zu engagieren, würden aber zu selten angesprochen oder fänden sich in gewachsenen Strukturen schwer zurecht. Gefordert wurde deshalb eine neue Willkommenskultur. Auch zeitlich begrenztes Engagement und das junger Menschen müsse akzeptiert werden. „Wenn nicht vorgelebt wird, wird nicht nachgeahmt“, sagte Schmidt und verwies auf die Bedeutung von Vorbildern.
In diesem Zusammenhang kam auch das Thema Anerkennung zur Sprache. Bisher stünden häufig langjährige Verdienste im Mittelpunkt. Doch wie motiviert man junge Menschen? Die Idee: Frühzeitige Ehrungen für engagierte Nachwuchskräfte, brachte EV-Weiden-Chef Benjamin Zeitler ein. Wichtig sei dabei die richtige Balance. „Das ist keine Geringschätzung der Älteren“, sagte er, sondern eine zusätzliche Würdigung für diejenigen, die sich neben Ausbildung, Beruf und Familie einbringen. Ein „Zuckerl“, das zwar nicht alles entscheide, aber doch ein Zeichen setze.
Trotz aller Herausforderungen wurde auch deutlich, dass die Basis stimme. Die Vereinslandschaft sei stark, das Engagement groß. Gerade im Jugendbereich gebe es funktionierende Beispiele (FC Weiden-Ost, EV Weiden), in denen Integration und Gemeinschaft gelebt würden, sagte Zeitler. Umso wichtiger sei es, diese Strukturen zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Am Ende blieb die Erkenntnis, dass viele Probleme lösbar seien, wenn man sie nur offen anspreche. Formate wie der „Kummerkasten“ könnten dazu beitragen, den direkten Draht zwischen Ehrenamt und Politik zu stärken. Oder, wie es sinngemäß mehrfach formuliert wurde: Weniger Hürden, weniger Angst und wieder mehr Freude am Mitmachen.













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