"Froija heit's des niad geb'n“, meinte Braun mit einem Augenzwinkern und hat unter diesem Titel Geschichten verfasst, die er in Weiherhammer vorlas. „Mit Ottmar Braun haben wir heute fast schon einen literarischen Star hier“, meinte Agnes Kaufmann vom Büchereiteam und begrüßte die etwa 150 Gäste.
Mike Biller umrahmte den Abend mit Akkordeonspiel und Gesang. „Michel, was hast du vor 45 Jahren gemacht?“, war die erste Frage Brauns. Antwort Billers: „Da war ich in der vierten Klasse, und du warst mein Lehrer. “ Auch Braun erinnerte sich an seine Schulzeit mit Lehrerin Fräulein Hampl, deren Nichte aus Mantel, Rektorin Elisabeth Graßler, im Publikum saß. "Mit Fräulein Hampl waren wir im Frühling schon am Weiher. Sie hat uns die Frühblüher erklärt, wir haben sie bestaunt und gezeichnet, die Schneeglöckchen, Krokusse und viele andere Pflanzen." Reporter hätten heutige Schüler nach Frühblühern gefragt. „Gibt es da 'ne App?", sei als Gegenfrage gekommen.
Festtage sind den Kindern in unserer Zeit schon willkommen, nur der Grund ist nicht mehr so deutlich. Nach Osterm befragt, vermuteten einige dass da wohl der Osterhase aufersteht, der vorher an einer Kreuzung ums Leben kam. "Anstatt die Feiertage wie früher in der Kirche zu verbringen, gehen die Eltern mit dem Nachwuchs auf Kreuzfahrt."
„Wichtig waren früher Bittgänge“, erzählte Braun. Die Weiherhammerer gingen nach Mantel zur Moritzkirche und die Manteler zogen Richtung Weiherhammer. Und wenn sich die Prozessionen trafen, versuchte man sich gegenseitig mit Gebet und Gesang zu übertönen. „Früher schrieb man Briefe. Ein Brief nach Amerika dauerte sechs Wochen, für schnelle Nachrichten kam ein Telegramm. "Das war sehr teuer", erinnerte sich der Autor. Jetzt, mit den Nachrichten mit dem Smartphone, verzichte man weitgehend auf Wörter und setzt Emojis. Braun outete sich: "Erst sagte ich ,WhatsApp hat nur der Depp', aber jetzt hab ich es auch."
Braun ging auf sprachliche Besonderheiten ein: „Auf der Turnhall“, „in d'Wein eine“, „Unterm Weiher“. Da hatte er ein passendes Gedicht dazu, und Biller begeisterte mit einem zu Herzen gehenden Lied vom „Großvater“ von der Gruppe STS.
Es wurde viel gelacht an dem Abend, aber vieles regte auch zum Nachdenken an und man hätte oft eine Stecknadel fallen hören können, so gebannt lauschten die Zuhörer.
Versöhnliche Worte gab es zum Schluss. "Früher war nicht alles besser, es war halt alles anders." Mit dem Gedicht „Silvester am Weiher“ endete ein amüsanter, eineinhalbstündiger Vortrag, und Biller sorgte mit dem „Wolgalied“ und dramatischer Akkordeonbegleitung für einen krönenden Abschluss. Die Gäste erinnerten sich noch bei Getränken und Häppchen an frühere Zeiten.
















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.