31.03.2020 - 17:13 Uhr
WeiherhammerOberpfalz

Pfarrer berichtet über Corona-Situation in Indien

„Die Menschen haben mittlerweile den Ernst der Lage begriffen und bleiben zu Hause – mit Angst und Sorge“ berichtet Pfarrer Varghese Puthenchira über seine Heimat im südindischen Bundesstaat Kerala.

Pfarrer Varghese Puthenchira.
von Siegfried BockProfil

In der Online-Ausgabe seiner Heimatzeitung aus Indien habe er gelesen, dass Touristen aus Deutschland, die gerade ihre Quarantäne beendet haben und heimreisen dürften, weiterhin bleiben wollten. Sie fühlten sich gut aufgehoben und sicher. Ihr Visum laufe bis Anfang Juni.

Kerala meldet nach seine Worten 186 bestätigte Corona-Fälle, 16 seien genesen und 1 gestorben. Am 29. März waren es in Indien 1139 Infizierte, davon 90 genesen und 27 Tote. „Der erste bestätigte Fall im Subkontinent wurde am 29. Januar gemeldet. Es war eine Studentin, die im chinesischen Wuhan studierte. Das Gesundheitsministerium in Kerala, das bereits gute Erfahrung mit der Bekämpfung des Nippa Virus hatte, richtete einen Krisenstab ein, und bald begannen Kontrolle am Flughafen und Quarantäne für die Fluggäste aus den bekannten Krisengebieten“, so Puthenchira.

Diese Maßnahmen hätten die Ansteckungsrate bisher in Grenzen gehalten. Kerala hatte nämlich von Anfang an neben dem Bundesstaat Maharashtra die meisten registrierten Fälle. Die große Mehrheit davon seien heimkehrende Auswanderer, die im Ausland arbeiten oder Touristen, gewesen.

Am 24.März hat Premierminister Modi die strenge Ausgangssperre für ganz Indien verhängt. Kerala hatte schon seit Anfang März, als es noch 50 Fälle gab, mehrere Maßnahmen zur „Social Distancing“ eingeführt: Schulen, Universitäten und andere Bildungseinrichtungen wurden geschlossen, Bewegungsfreiheit regional eingeschränkt, Fernbusse eingestellt. Die Mehrheit der Bevölkerung folgte diesen Einschränkungen, teilte der Geistliche mit. Seit Einführung der totalen Ausgangssperre greife die Polizei hart durch, damit auch die Uneinsichtigen im dicht bevölkerten Kerala die anderen nicht gefährden.

„Wieweit diese Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des Corona-Virus geholfen hat, kann noch gar nicht eingeschätzt werden“, sagt Puthenchira. Die Bundes- und Landesregierungen hätten verschiedene Finanzpakete angekündigt, um die Versorgung mit Lebensmitteln sicherzustellen und die finanzielle Last der Firmen und Bürger zu reduzieren.

Durch die Ausgangssperre seien die Arbeitnehmer in den Großstädten in der schwierigen Lage, dass sie nicht mehr in ihre Heimatdörfer, teilweise in anderen Bundesländern, zurück kehren könnten. Die Versorgung der Tagelöhner und der vielen Obdachlosen in den Großstädten stelle zusätzliche Herausforderungen an die Gesellschaft. Eine Firma habe sich angeboten, die Waggons der Fernzüge in Isolierzimmer umzurüsten und habe damit bereits begonnen.

"Die Katholische Kirche in meiner Heimat sowie der Verein der christlichen Krankenhäuser in Indien erklärten ihre Bereitschaft, die zahlreichen Krankenhäuser für die Regierung zur Verfügung zu stellen." Puthenchira: „Wie in Deutschland und vielen anderen Ländern zeigen die Menschen in Kerala Solidarität und Hilfsbereitschaft, zum Beispiel in ‚Community Kitchen‘, die Essen für Bedürftige, vor allem für die in Quarantäne leben, zubereiten und liefern. Die sozialen Medien helfen in der Verbreitung von Information und Bewusstseinsbildung, obwohl es vereinzelt dort auch Missbrauch gibt.“

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