Weiherhammer
23.07.2018 - 17:22 Uhr

Jede Stunde fährt der Zug - vorbei

Wenige Besucher und viele Diskussionen gibt es beim ÖPNV-Bürgerforum in Weiherhammer.

(bk) Zwar nur ein Dutzend zeigte Interesse am ÖPNV-Bürgerforum im TSG-Sportheim. Dafür verlief die Diskussion umso lebhafter und teilweise so polemisch, dass Sachgebietsleiterin Andrea Höning vom Landratsamt um Ordnung und Sachlichkeit bat. Die Planer Ludger Jürgens und Anja Baniewicz von RBO Ingolstadt mussten sich kritische Worte anhören. "Wir planen ein vom ÖPNV unabhängiges, kundenorientiertes System", erklärte Jürgens. Er stellte die Ausgangslage und Ziele, die Projektübersicht sowie die Ergebnisse der ÖPNV-Analyse und Haushaltsbefragung zur Diskussion. 4272 Fragebögen seien zurück gekommen, davon ein Drittel von den 51- bis 65-Jährigen. In der Gemeinde Weiherhammer betrug der Rücklauf 7,3 Prozent.

"Der demografische Wandel hat große Auswirkungen auf den ÖPNV. Das Problem ist für ältere Leute, zur Haltestelle hinzukommen" betonte Höning, Sachgebietsleiterin für Kommunalaufsicht und ÖPNV beim Landratsamt. "Wir haben sehr wohl daran gedacht, aber es geht zunächst um ein Konzept für den Landkreis Neustadt", erwiderte sie auf die Anregung von CSU-Gemeinderat Thomas Schönberger, aus der Sicht von Kaltenbrunn eine landkreisübergreifende Regelung zu schaffen. Das BAXI als flexible Bedienform soll kein Ersatz für den Linienverkehr sein, sondern eine Ergänzung. BAXI fährt auch mit nur einer Person. Voraussetzung sei die telefonische Anmeldung eine Stunde vorher. Schon aus Umweltgründen sollte man nicht kurzfristig denken, sondern umdenken und das verbesserte Angebot annehmen, bemerkte Höning.

"Die Gemeindeteile Kaltenbrunn-Dürnast mit Weiherhammer verkehrstechnisch zu verbinden, das ist unser Hauptziel", unterstrich Bürgermeister Herbert Rudolph. Bereits Bürgermeister Werner Windisch und auch sein Nachfolger Ludwig Biller hätten versucht, dass der RBO Grafenwöhr-Weiden auch Weiherhammer anfahre, aber aus wirtschaftlichen Gründen sei dies abgelehnt worden. Bisher hält der RB nur an der Abzweigung Mantel-Weiherhammer. Dies werde kaum genützt. Rudolph stimmte mit Hans Heuberger überein, dass in Weiherhammer eine zweite Haltestelle angebracht wäre.

Eine Anpassung der Busverbindungen an die Unterrichtszeiten von Weiden nach Kaltenbrunn und umgekehrt forderte Diana Braun. "Das ist ungerecht gegenüber den Weidener Schülern." Dies bekräftigte auch Markträtin Astrid Locke-Paul aus Luhe, weil Kinder bis zu eineinhalb Stunden täglich verschenken müssten. Braun bemängelte ferner die fehlende Busverbindung am Samstag und Sonntag von Kaltenbrunn nach Weiden.

Die Attraktivität steigern, dem Bevölkerungsschwund und dem Aussterben der Ortskerne entgegenwirken, nannte Grünen-Kreistags-Fraktionssprecher Klaus Bergmann als Kriterien. "Der Bürger braucht ein einfaches, angebotsorientiertes System." Hans Heuberger meinte: "Der Staat soll nicht nur Milliarden Euro für die U-Bahn in München ausgeben, sondern auch für den ländlichen Raum etwas tun." Hilde Hausner-Lindner aus Röthenbach: "Jede Stunde fährt der Zug vorbei, aber er hält nicht. Es gibt auch keine Verbindung nach Kohlberg oder Weiherhammer." Kritik kam auch von Michael Scharnagl. "Unsere Kinder brauchen mit schwerer Schultasche für die drei Kilometer vom neuen Siedlungsgebiet zum Bahnhof 25 Minuten; das ist länger als mit dem Zug nach Weiden." Das bestehende System sei gut, sagte Jürgens, und erntete sofort Widerspruch von SPD-Rat Wolfgang Braun, der beispielsweise einen überfüllten Schulbus am Freitag von Weiden nach Kaltenbrunn anführte. Busunternehmer Wies junior zeigte den Unterschied zwischen Schul- und Linienbus auf.



 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Hilde Lindner-Hausner

Danke für Ihre Berichterstattung, selbstverständlich wird in einem Presse-Bericht zusammengefasst.

Der Vollständigkeit halber und um nicht den Eindruck stehen zu lassen, ich würde die Zughalte in Röthenbach nicht kennen, möchte ich diese Fakten ergänzen.
Den ganzen Tag über fahren von früh morgens an in Röthenbach stündlich 2 Personenzüge durch. In der Zeit ab 20 Uhr ist es stündlich mitunter mal nur ein Zug. Leider halten aber nur 5 Züge – wobei zwei davon Schülerzüge sind, welche logischerweise auch nur an Schultagen verkehren.
So sind es unterm Strich von insgesamt 37 täglich den Bahnhof Röthenbach Oberpfalz (Strecke Weiden - Nürnberg) durchfahrenden Zügen, lediglich 3 Züge (die zwei Schülerzüge ausgenommen) die in Röthenbach halten.
Eine Busanbindung Röthenbachs gibt es nicht.
Obwohl nun die Struktur vorhanden ist, haben wir so gut wie keine Möglichkeit sie am Wohnort zu nutzen, weder für den Weg zur Arbeit, noch für Arzt oder therapeutische Anwendung oder Freizeit. Der letzte Zug hält in Röthenbach um 17.15 Uhr.

So oder noch mangelhafter verhält es sich bestimmt in nicht wenigen Orten.

Die ÖPNV-Anbindung der Ortsteile an ihren Hauptort, z.B. Röthenbach nach Kohlberg, Kaltenbrunn und Dürnast nach Weiherhammer, aber auch der Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft mit Weiherhammer sollte selbstverständlich sein.

Darüberhinaus sollte einem reichen Land ein gut ausgebauter öffentlicher Personenverkehr etwas Wert sein.

Im BAXI – darauf läuft es wohl hinaus - sehe ich eine gute Möglichkeit für eine bessere Mobilität. Jedoch muss darüberhinaus auch der bestehende Öffentliche Personennahverkehr betrachtet werden, flexibler und übergreifender gestaltet und vereinfacht werden. Regulative Hemmnisse wie Ausschlüsse Bahn und Bus aus Konkurrenzgründen usw. müssen überwunden werden.

Wieso hat dieses Bürgerforum in Weiherhammer praktisch keine Bürgermeister und so wenige Gemeinderäte aus den umliegenden Gemeinden interessiert? Sie erhalten keine extra Präsentation der Umfrageergebnisse bzw. deren Auswertung wurde erklärt.

Eine allgemein zugängliche Veröffentlichung der uns gezeigten der Präsentation, bzw. Daten, z.B. auf der Webseite des Landkreises, sei nicht angedacht wurde uns desweiteren erklärt.

Schon aus Gründen der mangelnden Verkehrsanbindung war wohl nicht jeder Bürger_in in der Lage, an den Bürgerforen ÖPNV teilzunehmen. Auch deshalb sollte die gezeigte Information zumindest im Internet nachlesbar sein.

25.07.2018
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.