08.08.2018 - 16:54 Uhr
WeiherhammerOberpfalz

Trampelpfad ins Biberparadies

Dass der Landesvorsitzende vom BUND Naturschutz persönlich zur Präsentation eines Biberreviers kommt, deutet auf dessen Besonderheit hin. Sogar Landwirte und Biber vertragen sich dort.

Bibermanager Horst Schwemmer zeigt, wie der Biber lebt. Mit dabei Sigrid Peuser vom LBV Oberpfalz und Richard Mergner, Landesvorsitzender BUND Naturschutz.
von Siegfried BühnerProfil

(sbü) „Bitte bringen Sie zum Besichtigungstermin Gummistiefel mit“, hieß es in der Einladung von Horst Schwemmer, Bibermanager für Nordbayern vom BUND Naturschutz. Schließlich liegt das Biberrevier in einem größeren Schilf- und Sumpfgebiet. Es ist ein Feuchtwiesenkomplex im Natura 2000 Gebiet der Haidenaab, das zwischen Weiherhammer und Etzenricht liegt.

Man muss schon genaue Ortskenntnis haben, um den Weg dorthin zu finden. Adolf Küblböck, Ehrenvorsitzender der Kreisgruppe Weiden-Neustadt des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), kennt den sichersten Weg. Zunächst verläuft er auf Feldwegen zwischen Teichen. Dann geht es über Wiesen und schließlich folgt nur noch ein Trampelpfad durch Schilf. Küblbeck ist den Weg schon sehr oft gegangen. „Wenn er nicht eingesunken ist, dann passiert es auch mir nicht“, sagen sich die anderen Teilnehmer der Besichtigungstour und wagen sich voran. Dabei ist auch Richard Mergner, Landesvorsitzender von BUND Naturschutz Bayern. Manchmal muss ein Eisengitter das Gewicht der Besucher auf einer größeren Fläche verteilen, damit sie nicht einsinken. Begeistert erzählt LBV-Vertreter Küblböck während der kleinen Wanderung: „In dieser Haidenaab-Aue drohte vor gut 30 Jahren der Kiesabbau. Der LBV hat dies verhindert.“

So wurde das Gebiet zum „Hot-Spot für Zugvögel“ und zum Lebensraum für die seltensten Vogelarten, darunter Wasserralle, Blaukelchen und Pirol. Der Biber sei von Beginn an dabei gewesen. "So sind wir zum Biberland geworden", freut sich Küblböck. Für die Region sei der Biber „ein Glücksfall“. Dass dieses Urteil zutrifft, begründete Bibermanager Horst Schwemmer.

„Der Biber macht gut, was der Mensch durch Begradigung der Flüsse angestellt hat.“ Wenn es zu größeren Konflikten mit dem Menschen komme, müsse manchmal auch von der unteren Naturschutzbehörde ein „Bescheid zur Entnahme eines Bibers ergehen“. Schließlich ist die Besuchergruppe am eigentlichen Präsentationsort angekommen: Eine Biberlandschaft mit Dämmen und mosaikartig angeordneten Biberseen und Hügeln zeigt sich. Und immer wieder werden die Unterhaltungen durch selten zu hörende Vogelstimmen unterbrochen. Auch scheint die Gemeinschaft zwischen Landwirtschaft und Biber zu funktionieren, die dahinterliegenden Sumpfwiesen sind gemäht.

Allerdings ist keines der nachtaktiven Tiere zu sehen. Deshalb hat Diplom-Biologin Sigrid Peuser vom LBV in Regenstauf einen „Ersatzbiber“ mitgebracht. Für sie ist das Tier schon immer eine „heimische Art“. Der Ersatzbiber war überfahren und dann präpariert worden. Grundsätzliches über die Gemeinschaft von Mensch und Biber stellt dann Landesvorsitzender Mergner fest. Zunächst lobt er das Gesehene als „wunderschönes Gebiet, das in dieser Ausprägung sehr selten in Bayern ist“. Mergner nannte es auch als „Musterbeispiel für ein gelungenes Biber-Management“.

Der Biber erbringe seine Leistungen für die Gesellschaft „völlig umsonst“. Er hebe die Wasserspiegel an, sorge für Hochwasserschutz und schaffe Lebensraum für viele seltene Tierarten. Mehr Wasserrückhalt sei in Anbetracht von Klimawandel, Dürreperioden und Extremregen dringend erforderlich. „Die Rückkehr des Bibers ist eine Erfolgsgeschichte“, stellt Mergner fest. Von der Politik fordert er eine zwingende Vorschrift zur Einhaltung eines Pufferstreifens zwischen Feldern und Gewässern, um Erosion von Boden zu verhindern. Ein aktives Bibermanagement sorge für den Ausgleich mit den Interessen der Land- und Teichwirtschaft. Begleitet wurde der Landesvorsitzende von Reinhard Scheuerer, Regionalreferent BUND Oberpfalz und Hans Babl von der BUND Kreisgruppe Neustadt/WN.

Info:

Hintergrund

Laut Martin Kraus von der Naturschutzbehörde Neustadt ist der Biber streng geschützt. Er darf weder gefangen noch getötet werden. Auch seine Lebensstätten sind geschützt. Zuwiderhandlungen werden als Straftat geahndet. Zugriffsmaßnahmen sind nur mit behördlicher Genehmigung möglich. Einzelheiten ergeben sich aus den „Richtlinien zum Bibermanagement“ des Bayrischen Umwelt- und Verbraucherschutzministeriums. Darin ist unter anderem geregelt, dass in „schadens- und sicherheitsrelevanten Bereichen“ (zum Beispiel Kläranlagen) in der Zeit von 1. September bis 15. März unter bestimmten Voraussetzungen Biber gefangen und getötet werden dürfen. Mit Genehmigung der Kreisverwaltungsbehörde ist das Fangen und Töten der Tiere auch in Fischteichanlagen, künstlichen Be- und Entwässerungsgräben und öffentlichen Straßenabschnitten möglich. „Wir haben als Behörde die Aufgabe, Konflikte zu lösen“, sagt Kraus. Eine wichtige Aufgabe komme den Bibermanagern dabei zu. Entschädigungen für gemeldete Schäden belaufen sich im Landkreis Neustadt laut Kraus auf insgesamt jährlich 10 000 bis 15 000 Euro. Insgesamt steht jährlich in ganz Bayern ein Entschädigungsvolumen von 450 000 Euro zur Verfügung. Der BUND Naturschutz fordert eine Verdoppelung dieser Summe, damit höhere Anteile der gemeldeten Schadenssummen ersetzt werden können.(sbü)

Sigrid Peuser vom LBV Oberpfalz hat einen präparierten Jungbiber mitgebracht, damit im Biberrevier wenigsten eines der Tiere zu sehen ist. Es wird bewundert von Bibermanager für Nordbayern, Horst Schwemmer, BUND-Naturschutz Landesvorsitzendem Richard Mergner und Adolf Küblböck, Ehrenvorsitzender der LBV-Kreisgruppe Weiden-Neustadt.

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