29.03.2021 - 16:42 Uhr
Weihern bei PfreimdOberpfalz

Bastelnd durch die Pandemie: Mit Vogelvilla und Schnapsidee

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Geleimt, verschraubt verkittet: Dieses Vogelhaus hält Wind und Wetter aus. Georg Schwarzbauer aus Weihern bei Pfreimd hat sich unter den Architekten der Mini-Bauten einen guten Ruf erworben. Das liegt auch an einem Spezial-Modell.

Vogelhaus-Architekt Georg Schwarzbauer kann sich auch im Lockdown nicht über Aufträge beklagen. "Es soll ja schließlich ein Hobby bleiben", schränkt er ein, wenn mal Flaute ist.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Rustikal mit antiken Stadel-Brettern oder frisch lackiert mit Terrasse: Wer auf der Suche nach einem Nistkasten oder Futterhäuschen für Vögel ist, landet schnell bei Georg Schwarzbauer. Der Rentner kann sich auch im Corona-Lockdown nicht über fehlende Kundschaft beklagen. Mundpropaganda ersetzt den Besuch von Hobbymärkten.

Gerade erst hat der Architekt für Vogelhäuschen ein neues Model fertig gestellt. "Vorsicht, der Lack ist noch frisch", warnt er Besucher in der kleinen Werkstatt, wo die Modelle aufgebaut sind. Eher vom Typ "Villa" als vom Typ "Häuschen" ist da ein solides Bauwerk mit dicken Bretter und einer Konstruktion, die später einmal den Körner-Nachschub für Vögel über den Kamin regeln soll. Der 76-jährige Bastler hebt den Deckel überm Kamin an und deutet auf eine Art Trichter, dessen Füllung über Plexiglaswände bequem kontrolliert werden kann. Und damit der Deckel nicht verloren geht oder im Sturm davon fliegt, ist er über eine Schnur gesichert.

"Saisonbedingt sind jetzt aber die Starenkobel gefragter", sagt der Senior mit Blick auf das Arsenal im Lager nebenan, wo schon jede Menge Bretter lagern. Auch spröde, wettergegerbte Bretter sind dabei, die früher mal Teil eines Stadels waren. Sie sorgen für den rustikales Flair bei so mancher Vogelvilla mit halb offen stehender Tür, die eher fürs Auge gedacht ist, weniger für einen Einzug gefiederter Gäste. Aber es gibt auch einen Multifunktionsbau aus der Schwarzbauer-Werkstatt: ein Modell, das im Erdgeschoss einen Futterplatz bietet, während im ersten Stock eine Nistmöglichkeit vorgesehen ist. "Das und die reinen Zierhäuschen, die sind am beliebtesten", sagt der Bauherr. Wie viel er schon konstruiert hat, will er nicht verraten. Aber das eines bis nach Amerika gereist ist, und andere auf Gut Aiderbichl in Eslarn Platz gefunden haben, erzählt er doch.

Immerhin kann er als Vogelhaus-Architekt auf 25 Jahre Erfahrung zurückblicken. "Ich bin immer schon naturverbunden", erinnert er sich an seine Kindheit und an Zeiten, als mal 40 Kanarienvögel bei ihm daheim waren. Das Know-how hat sich der gelernte Elektriker nach und nach angeeignet, beispielsweise wie man die Ziegel aus Dachpappe so schön regelmäßig hinbekommt. "Hoppla, da fehlt doch noch ein Nagel", stellt er bei der Qualitätskontrolle eines Daches fest. Die Maße für Einschlupf-Löcher hat er längst im Kopf: 28 bis 32 Millimeter für die Meise, der Star will es deutlich größer. "Aber die Meise misst ja auch nicht so genau nach", scherzt der Bastler.

Zwei Hindernisse für den Taubenmarkt

Pfreimd

Dann deutet der 76-Jährige auf eine kreisrunde Stelle, die in der Maserung kaum auffällt. "Da drunter ist eine Schraube, die ist verkittet, da kann sie nicht rosten", verrät er sein Erfolgsrezept, das ihn auch ohne Ausstellung auf den Märkten Kunden zuführt. "Normalerweise wäre ich jetzt auf jedem Taubenmarkt", erzählt er. Auch die Weihnachtsmärkte musste er abschreiben: Nabburg, Weihern, Luhe, Trausnitz, nirgendwo konnte er seine Modelle präsentieren. "Macht nichts, die Leute kennen mich, Werbung hab' ich nicht nötig", so seine Bilanz nach einem Corona-Jahr. Schon gar nicht erst werben muss er für das eine Modell, das als Geburtstagsgeschenk in Pandemie-Zeiten besonders beliebt ist: das Schnapshäuschen – als tierische Wohnung eher ungeeignet, bei menschlichen Zweibeinern aber gefragt.

Georg Schwarzbauer grinst übers ganze Gesicht, während er die Vorderfront des gerade erst lackierten Schnapshäuschens entriegelt: Zum Vorschein kommt kein Nistmaterial, kein Vogelei und auch keine Feder, dafür eine Flasche Jägermeister plus vier Gläser mit Stiel. Die sind über eine Schiene mit Riegel so gesichert, dass sie beim Ausklappen nicht umfallen können. Da heißt es dann: einschenken, prost und austrinken, bevor sich doch noch ein Vogel in dieses Ambiente verirrt.

Diese Spezialkonstruktion ist allerdings nicht für gefiederte Besucher bestimmt, der Überraschungseffekt ist da garantiert.
Fast schon ein Schloss: Auch dieses luxuriöse Vogelhäuschen stammt aus der Werkstatt von Georg Schwarzbauer.
Bei diesem Modell steht das dekorative Element im Vordergrund.
Diese Neubauten stehen noch im Lager.
Besonders stolz ist der Hobby-Schreiner auf die alten Stadel-Bretter, die seinen Bauten gleich etwas Patina verleihen.
Unten Futterplatz, oben Nistkasten: Damit sich dieses Kombi-Modell gut reinigen lässt, hat der Konstrukteur eine Wand als Klappe gefertigt.

"Macht nichts, die Leute kennen mich, Werbung hab' ich nicht nötig."

Georg Schwarzbauer über seine Chancen als Hobby-Schreiner in der Pandemie

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