12.09.2021 - 08:56 Uhr
Weihern bei PfreimdOberpfalz

Feuerwehr als Taskforce für gefährliche Fracht und schnelle Infos

Ein Lastwagen fährt gegen die Mittelleitplanke und kippt um. So richtig gefährlich wird das, wenn er Gefahrgut geladen hat. Bei einem Fall auf der A 93 bei Schwandorf war es methanolhaltiges Seifenwasser. Da sind Experten gefragt.

Wenn Gefahrgut ins Spiel kommt, ist die Feuerwehr mit besonderen Schutzanzügen unterwegs. Neben der Ausrüstung ist für solche Fälle auch jede Menge Know-how erforderlich, das ständig aktualisiert werden muss.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Unfälle, bei denen Gefahrgut ins Spiel kommt, stellen die Feuerwehr vor besondere Herausforderungen. Hier ist viel Fachwissen nötig. Im der neu etablierten Führungsspitze des Feuerwehr-Kreisverbandes gibt es deshalb auch eine Fachstelle, die auf diesem Gebiet das Know-how auf dem neuesten Stand hält – und Wissen auch weitergibt. Hans-Jürgen Schlosser von der Feuerwehr Weihern hat diese Aufgabe übernommen. Eng damit verknüpft ist sein zweites Betätigungsfeld im Landkreis: Bevölkerungsinformation und Medienarbeit. Für Oberpfalz-Medien erläutert er, wie beides zusammenhängt, und warum Fachwissen immer wichtiger wird.

"Allein 2017 sind 147,7 Millionen Tonnen Gefahrgut auf deutschen Straßen transportiert worden", verdeutlicht Hans-Jürgen Schlosser die Dimension der Gefahr, "da kann man runterrechnen, was bei uns im Landkreis unterwegs ist". Vor allem Heizöl und Sprit rollt über den Asphalt, aber es gibt auch viele komplexe Stoffe. "Wenn am Lkw ein oranges Taferl dran ist, dann sollten sofort sämtliche Alarmglocken schrillen", sagt der 34-Jährige, der sich dafür einsetzt, auf jedes Szenario vorbereitet zu sein. Im Fall mit dem methanolhaltigen Seifenwasser im November 2020 lagen die ganz speziellen Schutzanzüge schon parat. "Gott sei dank ist nichts ausgelaufen", schildert Schlosser den weiteren Verlauf. Eine Fachfirma hat sich später um den Fall gekümmert.

Immer schon auf dem Schirm hat die Feuerwehr im Landkreis sogenannte Störfall-Anlagen wie die Fluorchemie in Stulln oder die Tyczka Energy GmbH in Fensterbach mit Flüssiggas. Diese Betriebe würden deshalb auch regelmäßig "beübt", also für Übungen ausgewählt. Säuren, Laugen, Düngemittel, vieles davon findet sich auch in Lagerhäusern im Landkreis in nicht geringer Menge. Aber es muss nicht immer ein Großeinsatz sein. "Da reicht es schon, wenn ein Bulldog bei der Holzarbeit im Wald über ein Hindernis fährt und die Ölwanne aufgerissen wird." Auch in diesem Fall ist die Kompetenz der Feuerwehr gefragt – und das gleich angrenzende, weitere Sachgebiet von Schlosser: der Umweltschutz. Reicht es, das Öl zu binden? Oder muss Erdreich abgetragen werden? Solche Fragen sind dann in einem zweiten Schritt zu klären.

Auch eine ganz banale Ölspur, für einen Motorradfahrer könne sie unter Umständen tödlich sein. "Das sind alles Aspekte, die man auf dem Schirm haben muss. Ein Pauschalrezept gibt es da nie", sagt Schlosser. Nur ein Taktik-Schema liefert den Rahmen fürs Handeln. "Wir müssen unsere Einheiten entsprechend aufstellen", erklärt der Kreisbrandmeister mit Blick auf den in Teublitz stationieren ABC-Zug, der für Spezialfälle gut gerüstet ist. Auch ein digitales Beförderungspapier könnte gute Dienste leisten, meint der Fachmann, der beruflich mit Prozessabläufen befasst ist und zukünftige Entwicklungen im Visier hat.

Dekontamination gehört dazu

Schließlich gilt es, nach Kontakt mit Gefahrstoffen auch für eine "Dekontamination" zu sorgen, für eine Reinigung der Ausrüstungsgegenstände des eingesetzten Teams. "Wir sind alles ehrenamtliche Kräfte, die bei ihrer Arbeit ihre Gesundheit schwer belasten", gibt Schlosser bei dieser Vorsichtsmaßnahme zu bedenken. Damit bei der Feuerwehr alles perfekt klappt, muss allerdings jedes Glied der Rettungskette funktionieren. "Damit schließt sich der Kreis", sagt Schlosser, der mit Bevölkerungsinformation ganz am Anfang und mit Medienarbeit am Ende der Ereignisse gefragt ist. Das extreme Hochwasser im Ahrtal habe gezeigt, wie wichtig Kommunikation sei. Auf ein einziges Medium werde man sich künftig kaum verlassen können, man müsse wohl auf viele Kanäle bauen. Wie dann ein Alarm aussehen könne, darüber werde nun im Innenministerium entschieden. Ähnlich komplex ist der Umgang mit Medien, die im Wettlauf mit der Konkurrenz immer schneller an Informationen kommen wollen. "Die Bevölkerung hat auch ein Recht darauf, Informationen vom Einsatzgeschehen zu erhalten", erklärt der 34-Jährige, der nebenbei auch das Image der "Marke Feuerwehr" voranbringen will.

Wertvolle Erfahrungen

"Helfen ist Trumpf", zitiert er das Motto der landesweiten Feuerwehr-Aktionswoche, die ganz aktuell die Arbeit der Ehrenamtlichen beleuchtet und damit auch das enorme Leistungsspektrum inklusive Gemeinschaftserlebnis. Nach rund 20 Jahren bei der Feuerwehr steht für ihn jedenfalls fest: "Sich aufeinander verlassen zu können, ist eine Erfahrung von unschätzbarem Wert."

Das leistet der Fachkreisbrandmeister für Atemschutz

Schwarzhofen
Hans-Jürgen Schlosser ist einer von drei Kreisbrandmeistern im Landkreis Schwandorf, bei denen die Fäden für Fachwissen zusammenlaufen. Sein Spezialgebiet: Gefahrgut- und Umweltmanagement sowie Bevölkerungsinformation und Medienarbeit.
Hintergrund:

Basiswissen für den Feuerwehralarm

  • Meldung: Fünf Wörter mit dem Anfangsbuchstaben "w" helfen als Gedankenstütze für alle, die einen Unfall, Störfall oder Brand melden: wo, wer, was, wie viele und warten (auf Bestätigung).
  • Sirenensignale: Die Alarmierung der Einsatzkräfte, beispielsweise bei Unfall oder Brand, erfolgt durch einen Dauerton von zwölf Sekunden, der nach ebenfalls zwölf Sekunden Pause noch zweimal wiederholt wird. Anders klingt ein Heulton, der die Bevölkerung alarmieren (Allgemeine Warnung; früher auch Luftschutzalarm) soll: Dabei handelt es sich um einen ständig an- und abschwellenden Ton, der eine Minute lang ertönt.
  • Verhaltensregeln: Beim Heulton sollten Gebäude aufgesucht und Kinder ins Haus geholt werden. Außerdem: Nachbarn verständigen und hilfsbedürftige Menschen unterstützen, auf Rundfunk-Durchsagen achten
  • Aktionswoche: Aktuell läuft in Bayern unter dem Motto "Helfen ist Trumpf – Für dich, für mich, für alle !“
    eine Aktionswoche. Eröffnet wurde sie am Freitag in Neumarkt von Innenminister Joachim Herrmann. In dieser Woche sind an verschiedenen Orten Aktionen und Übungen geplant. Ziel ist, wieder mehr Nachwuchs für die Feuerwehren zu gewinnen.

 

 

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