08.04.2019 - 15:44 Uhr
Weißenberg bei EdelsfeldOberpfalz

Landwirtschaft und Verbraucher: Bezirskbäuerin wirbt für Dialog

Natürlich sorgte das geplante Gesetz zum Artenschutz für Diskussion bei der Ortsbäuerinnen-Tagung, mehr noch aber ging es um den Dialog. Wie können Landwirtschaft und Verbraucher einander verstehen?

Bezirksbäuerin Rita Blümel (im Hintegrgrund) rief die Ortsbäuerinnen zu Selbstbewußtsein und Engagement auf.
von Helga KammProfil
Das Interesse war groß. Rund 80 Landfrauen begrüßte Kreisbäuerin Brigitte Trummer in Weißenberg.
BV-Kreisobmann Peter Beer konnte die Bäuerinnen beruhigen: Ein Ausstiegsdatum für die Anbindehaltung gebe es nicht.

Am Anfang stand der Rundgang durch den Hutzelhof. Geschäftsführer Jürgen Obermeier stellte den rund 80 Ortsbäuerinnen und ihren Vertreterinnen den Familienbetrieb in Weißenberg vor, der seit bald 25 Jahren einen großen Kundenkreis mit Biolebensmitteln und Brot beliefert. Im Tagungsraum über der Bäckerei freuten sich die Bäuerinnen aus dem gesamten Landkreis über die Bewirtung und die von Uli Meidenbauer liebevoll gedeckten Tische. Von "viel Grübeln" und "sehr viel Ärger" in Zusammenhang mit dem Artenschutz-Gesetz sprach Gastgeberin Brigitte Trummer. Zur Frauenrunde der Kreisbäuerin waren auch der Geschäftsführer des Bauernverbandes Amberg, Thomas Bayerl, und Kreisobmann Peter Beer gestoßen.

Nicht mehr wertgeschätzt

Das Hauptreferat gestaltete Bezirksbäuerin Rita Blümel aus Regensburg. In ihrem Thema "In Dialog bleiben" zog sie einen weiten Bogen von der Nachkriegszeit ("da hat man den Bauern für die Lebensmittel gebraucht") bis heute, wo Überfluss herrsche und Lebensmittel billig und nicht mehr wertgeschätzt seien.

Artenschutzabkommen:

Erstmal abwarten

Aus seinem normalen Arbeitstag berichtete Thomas Bayerl, der Geschäftsführer des Bauernverbandes in Amberg: Sozialberatung, Hilfe bei der Mehrfach-Antragstellung für Betriebe gehörten dazu, aber auch Gespräche mit Abgeordneten, „um ihnen zu sagen, womit wir unzufrieden sind“. Wenige Politiker kommen laut Bayerl heute aus der Landwirtschaft, „viele wissen gar nichts mehr davon“.

Zur aktuellen Diskussion um das Artenschutzabkommen, das geplante Gesetz und seine Auswirkungen, äußerte sich der BBV-Geschäftsführer zurückhaltend, es gebe „unterschiedliche Meinungen auch in unseren Reihen“, man müsse „abwarten, was die nächsten Wochen bringen“. Auch Kreisobmann Peter Beer zeigte sich offen für den Dialog, zum Beispiel mit dem Landesverband für Vogelschutz. Man müsse erklären, um zu verstehen.

"Jeder mischt sich ein in die Landwirtschaft", beklagte sie die Entwicklung: "Eigentlich kann man nichts mehr recht machen". Im Dialog zwischen Landwirten und Verbrauchern müsse es deshalb ums Zuhören gehen, ums Nachfragen ohne zu viele Emotionen. Dabei dürfe man aber auch die Verbraucher nicht unisono verurteilen: "Die können auch nichts dafür, dass alles so billig ist." Ein Rezept mit Vorteilen für beide Seiten sei das regionale Einkaufen auf dem Bauernhof, dem Bauernmarkt, bei der Milchtankstelle und beim Metzger.

Leidenschaftlich und kämpferisch setzte sich die Referentin für ein besseres Image der Landwirtschaft ein. Agieren, etwas bewegen und mit Argumenten überzeugen sollte dieser Berufszweig, sich wehren gegen Verletzungen, gegen Unkenntnis, sich seines Wertes für die Allgemeinheit bewusst sein.

Hilfreich: Neue Medien

Dabei seien auch die neuen Medien hilfreich, die Kommunikation über Whats-App oder Facebook sowie die Möglichkeit, mit Fotos zu werben. Ebenso seien bereits erprobte Projekte wie der Kindertag, "Landfrauen machen Schule" oder das Frühstück auf dem Bauernhof Garanten für Sympathie und Verständnis für die Landwirtschaft. Laut Blümel hat dieser Berufsstand maßgeblich zum Wohlstand Deutschlands beigetragen - er könne darauf stolz sein. Emotional äußerten sich Ortsbäuerinnen zur Anbindehaltung. Sie zeigten sich empört, dass Molkereien beginnen, Milch nach Art des Stalles unterschiedlich zu bezahlen - "das ist dann für die Bauern schon gelaufen". Dem widersprach der Kreisobmann: Kleine Betriebe müssten sich nicht verstecken. Ein Ausstiegsdatum für die Anbindehaltung sei nicht vorgesehen. Der Wolf, die Greifvögel und die Düngeverordnung waren weitere Themen des Kreisobmanns.

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