12.10.2020 - 14:03 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Agenda 2030: Wernberg-Köblitz will mehr Biodiversität

Umweltschutz ist auch im Kleinen wichtig. Davon ist Konrad Kiener überzeugt. Der Bürgermeister von Wernberg-Köblitz setzt sich für die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen ein – die Gemeinde hat mehrere Projekte gestartet.

In Wernberg-Köblitz soll es künftig noch mehr Grünflächen dieser Art geben, um die Biodiversität zu erhalten.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Der Markt Wernberg-Köblitz räumt der Agenda 2030 einen hohen Stellenwert ein. Die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen sollen unter anderem ein Bewusstsein für den Schutz der Umwelt schaffen – nicht nur global, sondern auch im Kleinen. Bereits im Mai wurden daher in der Gemeinde erstmals zwei ehrenamtliche Agenda30-Beauftragte berufen. Georg Schlögl und Cornelia Paulus sollen dem Marktrat und der Gemeindeverwaltung Impulse liefern und die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele in Wernberg-Köblitz voranbringen.

Erster Bürgermeister Konrad Kiener steht hinter dem Vorhaben: "Ich habe das Projekt seit Beginn meiner Amtszeit selbst angestoßen. Mir ist wichtig, dass wir auch auf kommunaler Ebene Mitarbeiter haben, die sich für die Agenda 2030 einbringen." Zwar habe die Marktgemeinde kein verbindliches Agenda-Programm, "aber wir haben uns Themenschwerpunkte aus den UN-Zielen herausgesucht, die wir auf Wernberg-Köblitz herunterbrechen." Als Beispiele nennt der Rathauschef CO2-Reduktion und Insektenschutz durch die Umsrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik, die Erstellung eines digitalen Energienutzungsplan und der Erhalt der Artenvielfalt. Letzterer steht im Fokus. So hat die Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Landesbund für Vogelschutz schon in der Vergangenheit Blühflächen und Schmetterlingswiesen ausgewiesen.

Projektkommune im Landkreis

Aktuell wird nun laut Kiener eine Liste mit über 200 Flächen erstellt, auf welchen sogenannte "Mähschritte" eingehalten werden sollen. "Das sind Natur- und Grünflächen, für die wir Hinweise erstellen, wie dort die Biodiversität am besten erhalten werden kann." Seien Flächen am Straßenrand früher einfach mit Mulch bedeckt worden, lege man dort nun Grünstreifen an. "Das ist zwar aufwendiger und teurer, weil das Begleitgrün auch gemäht werden muss, aber es ist ökologisch wertvoll", begründet der 45-Jährige. Das Projekt werde zudem vom Landkreis Schwandorf gefördert, Wernberg-Köblitz sei eine von fünf Gemeinden, die eine Förderung erhalten.

Exkursion nach Tännesberg

Auch Anregungen und Tipps von außen werden gerne aufgenommen. Deshalb haben die Agenda30-Beauftragten Ende September eine Exkursion nach Tännesberg unternommen. Der Markt ist die erste Biodiversitätsgemeinde Deutschlands, die 2015 sogar als UN-Dekadeprojekt ausgezeichnet wurde – und damit der ideale Ort, um sich über praxiserprobte Strategien und Projekte zur Förderung der Biodiversität zu informieren. Mit von der Partie waren neben Bürgermeister Kiener und seinen Stellvertretern Maria Schlögl und Dieter Rosenberg auch der LBV-Kreisgruppenvorsitzende Zeno Bäumler, die Markträte Christina Sachs und Hubert Schöner sowie Geschäftsleiter Stefan Falter.

Hecken, Moore und "Rotes Höhenvieh"

Florian Lang, Projektmanager beim Markt Tännesberg und ehrenamtlich mit Biodiversität befasst, informierte die Gäste auf seiner Tour über Brachflächen, Streuwiesen und Heckensäume ebenso wie über Grünflächen und die wiederhergestellte Wacholderheide am Schlossberg.

Das als Wiesental mit seinen feuchten und moorigen Standorten wiederhergestellte Kainzbachtal präsentierte Lang als Paradebeispiel, wie durch Renaturierung viele seltene und gefährdete Arten wieder angesiedelt werden konnten.

Besonders beeindruckend zeigten sich auch die stattlichen Exemplaren des „Roten Höhenviehs“, die dem Regen trotzten und sich auf ihrer Weide sehen ließen. Diese alte Rinderrasse war als klassisches Drei-Nutzungs-Rind (Zugtier, Fleisch und Milch) bis Anfang des letzten Jahrhunderts vorherrschend in der Oberpfalz. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft nahezu ausgestorben, haben Beweidungsprojekte wie in Tännesberg einen maßgeblichen Beitrag dazu leisten können, den Fortbestand der Rasse zu sichern.

Gemeinsam mit Georg Schlögl ist die Diplom-Finanzwirtin Cornelia Paulus Agenda2030-Beauftragte in Wernberg-Köblitz.

Bürger zur Beteiligung aufgefordert

Die Exkursionsteilnehmer waren motiviert, die Umsetzung von Artenschutz auch in Wernberg-Köblitz stärker in den Fokus zu nehmen und die Bürger mit einzubinden. Man war sich einig, dass die Verantwortung für eine Verbesserung der Artenvielfalt nicht nur den Landwirten zugeschoben werden darf, sondern dass auch die Kommunen und die Bürger selbst einen wichtigen Beitrag leisten müssen. Auf der Gemeindehomepage von Wernberg-Köblitz gibt es deshalb auch Hintergrundinformationen zur Agenda 2030 und die Umsetzung vor Ort. Bürgermeister Kiener wirbt dafür um Unterstützung: "Wenn wir wollen, das unser Klima so bleibt, wie wir es kennen, dann müssen wir bereit sein, etwas zu unternehmen. Das wird auch Geld kosten, muss uns unsere Umwelt aber wert sein."

Nachhaltigkeit vor Ort: Die Agenda 2030 in Wernberg-Köblitz

Diplom-Agraringenieur Georg Schlögl ist Ansprechpartner der Gemeinde Wernberg-Köblitz im Thema Nachhaltigkeit und Agenda2030.

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