08.09.2019 - 14:33 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Baywa schaltet auf Turbo

Fürs "Ernte-Bier" bleibt keine Zeit. Wer bei der Baywa tonnenweise Getreide anliefern will, schafft das dank moderner Technik in wenigen Minuten. Darauf ist man im neuen Agar-Kompetenzzentrum in Wernberg-Köblitz besonders stolz.

Vertriebschef Joachim Rauschert, Investor Martin Kiener und Betriebsleiter Christian Beer (von links) stellten das neue Baywa-Agrar-Kompetenzzentrum in Wernberg vor, das am Sonntag, 15. September, beim Tag der offenen Tür besichtigt werden kann.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Seit 1. Juli sind wir für Landwirte da, das hat sich ausgezahlt", so die erste Bilanz von Joachim Rauschert, Vertriebsgebietsleiter Ostbayern-Nord. Er berichtet von einem enormen Ansturm auf das neue Baywa-Agrar-Kompetenzzentrum im Industriegebiet von Wernberg-Köblitz. Die aktuelle "Erntepause" wird nun genutzt, um bei einem Pressegespräch die Neuerungen in dem Unternehmen vorzustellen, das den Sektor Agrar von Nabburg, Weiden und Hirschau nun auf einen zentralen Standort konzentriert hat. Zusammen mit Grundstückseigentümer Investor Martin Kiener und Betriebsleiter Christian Beer zeigte Rauschert auf, welche Vorteile sich hinter dem großen Hallen-Komplex verbergen, der richtungsweisend für die Zukunft des Gewerbes sein soll.

Wer auf dem 7000 Quadratmeter großen Gelände in der Ulrich-Hübner-Straße 4 mit seiner Ladung Feldfrüchte ankommt, muss mit seinem Gespann zuerst auf die Waage. So wird ganz schnell das Gewicht der Ware ermittelt - als Differenz zu den Kilos nach dem Abladen. Vom Büro aus lässt sich außerdem die Probe-Entnahme mit einem kleinen Kran steuern. Weizen oder Raps landen dann ganz schnell in einem Mixer, der die Qualität ermittelt. "Das bedeutet auch weniger Risiko, weil keine mehr auf einen Wagen klettern muss ", erläutert Rauschert. Wie viel Kleber oder Protein beispielsweise im Getreide steckt, entscheidet aber auch über den weiteren Absatzweg und den Preis. Manche Lieferung eignet sich vielleicht nur für Futter, während die nächste für Mehl taugt, aus dem Brot gebacken wird.

Nach dieser Kontrolle landet die Ladung der Landwirte in der sogenannten "Gosse", die auf einmal 25 Tonnen fasst. Durch ein grobes, drei mal zehn Meter großes Metallgitter im Boden gelangen die Körner dann über ein Trichtersystem in die Halle nebenan, und zwar ganz flott. "Früher konnten wir über Förderbänder 20 Tonnen in der Stunde schaffen, jetzt sind es 150", berichtete Betriebsleiter Beer. "Da saust schon was durch", bestätigt auch der Chef für den Vertrieb. Vorbei sind damit die Zeiten, als Landwirte für diesen Prozess eine Stunde vor dem Lagerhaus warten mussten, weil je nach Lieferung auch noch das Förderband gewechselt werden musste. "Der Geduldsfaden ist kürzer geworden", gibt Rauschert zu bedenken, "bei der Ernte stehen die Landwirte unter enormem Zeitdruck". Durch die schnellere Abfertigung könne man auch manch längere Anfahrt in dem Radius von 20 Kilometern ausgleichen.

Außerdem landen Weizen, Hafer oder Roggen weitgehend staubfrei im Lager. Wie in einer riesige Waschmaschine, die mit Wind statt mit Wasser und ohne Waschmittel arbeitet, erfolgt in einem geschlossenen System die Reinigung der Körner. Der Staub landet in einem großen Container oder bleibt in Filtern hängen. "Damit haben wir auch die Arbeitsbedingungen wesentlich verbessert", erklärt Beer. Die riesigen Boxen in der Getreidehalle sind inzwischen gut gefüllt. In den Körner-Bergen stecken Funkthermometer, denn was bei 35 Grad geerntet wird, sollte wesentlich kühler auf Abnehmer warten. Auch die Temperatur lässt sich vom Büro aus steuern. Und die Landwirte haben die Wahl: Sie können ihr Getreide zum Tagespreis verkaufen oder es bei der Baywa einlagern, um auf einen besseren Preis zu spekulieren. "Heuer sind sie allerdings mit der Ernte-Abrechnung besser gefahren", so die Erfahrung der Fachleute.

Neben der Getreidehalle gibt es aber auch noch eine Schüttgut-, eine Dünger und eine Stückguthalle. In letzterem lagern im Hochregal auf 500 Paletten-Stellplätzen und in Bigbags Dünger, Saatgut und Futtermittel. nebenan sind allerdings auch kleiner Portionen erhältlich, wenn es um Pferdefutter, Kleintiernahrung oder Blumendünger geht. Bis zum Frühjahr will die Baywa für rund 100.000 Euro noch eine Dünger-Mischanlage installiert werden. "Damit sind kundenspezifische Mischungen möglich", erläutert Beer und verweist auf strenge Vorgaben aus Brüssel zur Einhaltung von Grenzwerten. Weitaus größer allerdings war die Summe, die Investor Martin Kiener für die restlichen Bauten aufbringen musste: rund 3,5 Millionen Euro. "Wir sind hier nur Mieter", schränkt Rauschert beim Pressegespräch ein. Aber auch so ein Investor-Modell passe ganz gut zur Philosophie der Baywa, die den neuen Standort nicht zuletzt wegen der Nähe zum Autobahnkreuz zu schätzen weiß. Wer die Logistik in Sachen Agrar mit eigenen Augen sehen will, hat dazu am Sonntag, 15. September, beim Tag der offenen Tür von 10 bis 17 Uhr Gelegenheit, die Einweihungsfeier findet bereits am 13. September statt.

In riesigen Boxen lagert das Getreide, das die Landwirte nach der Ernte in Wernberg angeliefert haben. Joachim Rauschert, Leiter des Baywa-Vertriebsgebiet Ostbayern-Nord informiert, wie es ohne Staubbelastung hier landen kann.
Das Hochregal-Lager bietet viel Platz für Saatgut, Düngemittel und Futter.
Info:

Zahlen und Fakten

Wintergerste, Raps, Weizen, Roggen, Triticale (Kreuzung von Weizen und Roggen), Erbsen, Hafer und Braugerste für Mälzereien sind heuer bereits im Baywa-Kompetenzzentrum gelandet. Allein die Getreidehalle bietet Platz für sieben Boxen mit je 500 Tonnen Fassungsvermögen. Dazu kommen zwei Silos mit Platz für je 1000 Tonnen. befüllt wird über Förderbänder, fernsteuerbar und mit Vollmelder-Sensorik. Sieben Boxen in der Größenordnung von 350 Tonnen hat die Düngerhalle zu bieten, die 715 Quadratmeter große Stückguthalle verfügt über 500 Palettenplätze und weitere 200 Plätze im Blocklager.

Direkt an der Einfahrt zum Agrar-Kompetenzzentrum der Baywa werden mit diesem ferngesteuerten gerät Proben von der angelieferten Ladung entnommen. Im Labor wird dann Qualität und schließlich der Preis ermittelt.

Früher konnten wir über Förderbänder 20 Tonnen in der Stunde schaffen, jetzt sind es 150.

Betriebsleiter Christian Beer

Betriebsleiter Christian Beer

Im Labor wird in wenigen Minuten die Qualität der angelieferten Ware ermittelt. Das hat Auswirkungen auf den Preis, informieren Betriebsleiter Christian Beer (links) und Vertriebschef Joachim Rauschert.

Aktuell und Wissenswert

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